Gesundheitskosten

Notfall-Gebühr: Aargauer Regierung lehnt Vorstoss ab – die Stossrichtung begrüsst sie

Statt zum Hausarzt gehen viele Menschen direkt ins Spital. Dies verursacht hohe Gesundsheitkosten. (Symbolbild)

Statt zum Hausarzt gehen viele Menschen direkt ins Spital. Dies verursacht hohe Gesundsheitkosten. (Symbolbild)

Die Kantonsregierung lehnt einen Vorstoss der Grünen zum Spital-Notfall contre coeur ab.

Es ist ein bekanntes Phänomen. Die Notfälle der Spitäler werden von Patienten überrannt. Oft zeigt sich dabei, dass gar kein Notfall vorliegt, oder dass es gar um ein Bobo geht, bei dem der Gang zur Apotheke gereicht hätte. Die Grünen haben diese Problematik jetzt im Grossen Rat in einem Postulat aufgenommen. Darin bitten sie den Regierungsrat, für Patienten, welche die Notfallaufnahmen von Spitälern ohne professionell veranlasste Zuweisung aufsuchen, eine Gebühr zu prüfen.

Als Grund gibt Sprecher Severin Lüscher (selbst Arzt) an, dass die Anzahl der Patienten in Notfallaufnahmen stetig steige. Darunter seien natürlich all die Fälle, die dort am richtigen Ort sind. Lüscher weiter: Zahlreiche Personen kämen aber wegen gesundheitlicher Bagatellen oder blosser Begehrlichkeiten und beanspruchten Ressourcen, die dafür weder vorgesehen noch geeignet sind.»

Die Grünen stellen sich eine Gebühr von 50 bis 100 Franken vor, um so die Eintrittsschwelle leicht zu erhöhen und letztere Patienten dazu zu bringen, abzuwägen, bevor sie in den Notfall gehen.

Regierung: Das ist prüfenswert

Die Regierung lehnt das Postulat ab, wie am Freitag bekannt wurde. Allerdings mehr aus gesetzgeberischen als aus inhaltlichen Gründen. Denn die Einführung einer solchen Gebühr sei nur auf nationalem Weg via Krankenversicherungsgesetz (KVG) möglich. In der geltenden Rechtslage könne der Aargau Versicherte letztlich nicht dazu anhalten, die Gebühr aus dem eigenen Portemonnaie zu bezahlen. Der Regierungsrat teilt aber laut seiner Antwort die grundsätzliche Stossrichtung des Postulats: «Eine Walk-in-Gebühr stellt eine prüfenswerte Möglichkeit dar, Patientinnen und Patienten davon abzuhalten, wegen gesundheitlichen Bagatellen oder blossen Begehrlichkeiten die Notfallstationen aufzusuchen.»

Sie hält weiter fest, dass laut Krankenkassenkassenverband santésuisse die Behandlung in der Notfallstation mehr als doppelt so teuer ist wie die Behandlung beim Hausarzt. santésuisse moniere in der Tat, dass vermehrt Patientinnen und Patienten wegen gesundheitlichen Bagatellen oder bloss aus Bequemlichkeit in den Notfall gehen, obwohl sie sich in der Hausarztpraxis genauso gut behandeln lassen oder in die Apotheke gehen könnten.

Viele Migranten und viele Junge

Weiter verweist die Regierung auf eine Studie des Gesundheitsobservatoriums Obsan. Dieses zeige, dass überdurchschnittlich viele Migranten Notfallzentren besuchen, «insbesondere weil sie das Hausarztmodell aus ihrer Heimat nicht kennen. Auch suchen auffällig viele junge Patientinnen und Patienten die Notfallstationen auf». Grund: Gera-de jüngere Patientinnen und Patienten haben häufig keinen Hausarzt und gehen daher im Bedarfsfall direkt in die Spital-Notfallstation. Gemäss Bundesamt für Statistik beträgt das Durchschnittsalter der Notfallstationsbenutzer denn auch nur gerade rund 30 Jahre.

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