Aargau
Noch keine Kronprinzen für das CVP-Präsidium in Sicht

Die Rücktrittsankündigung von CVP-Präsident Franz Hollinger nach der Niederlage bei den eidgenössischen Wahlen ist erst vier Tage alt. Eine erste Umfrage zeigt: Potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten halten sich noch bedeckt oder winken gar ab.

Mathias Küng
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Franz Hollinger

Franz Hollinger

Chris Iseli

Letzten Freitag hat der Brugger Anwalt und Grossrat Franz Hollinger seine Demission als Präsident der kantonalen CVP per Ende Februar 2012 bekannt gegeben. Er zieht damit die Konsequenzen aus der massiven Wahlniederlage bei den eidgenössischen Wahlen 2011.

Damit ist die Aufgabe der Findungskommission der Partei nochmals grösser geworden. Diese ist bekanntlich bereits im Einsatz, um die Sitze der beiden Vize-Präsidenten neu zu besetzen. Nötig geworden war dies durch die Rücktritte von Esther Egger nach dem Verlust ihres Nationalratsmandates und von Urs Leuenberger, der auch sein Grossratsmandat abgegeben hat. Dass die neuen Vizes noch nicht bekannt sind und nun gleich drei Spitzenposten zu vergeben sind, hat natürlich auch Vorteile. So kann man ein Team zusammenstellen, das optimal harmoniert.

Wer könnte denn für die Nachfolge von Franz Hollinger infrage kommen? Eine erste Umfrage der az Aargauer Zeitung unter – vorab jüngeren – möglichen Kandidaten zeigt: es gibt noch keinen Kronprinzen bzw. noch keine Kronprinzessin.

Keine Richtungsänderung in Sicht

Der exakte Terminplan für die Nachfolgeregelung steht noch nicht. Fraktionspräsident Peter Voser bekräftigt indessen, dass das neue Präsidium in der zweiten Hälfte Februar gewählt werden soll. Voser: «Wir wollen nicht führungslos sein.» Könnte er selbst sich denn dieses Amt vorstellen, fragen wir? Voser (1955) reagiert zurückhaltend. Das Parteipräsidium sei sehr intensiv. Dafür brauche es jemanden mit Erfahrung und neuen Ideen. Ob er infrage käme, könne er jetzt noch gar nicht sagen.

Könnte oder müsste das neue Präsidium eine inhaltliche Richtungsänderung bringen? Dafür sieht Voser überhaupt keinen Anlass. Die CVP sei und bleibe politisch in der Mitte.

«Ball bei der Findungskommission»

Auch keinen Anlass für eine Richtungsänderung sieht CVP-Grossrätin Alexandra Abbt-Mock. Für sie ist klar: Das C bleibt in der CVP. Und die CVP soll eigenständig bleiben. Einen Anlass für eine Fusion mit der BDP, die auf nationaler Ebene laufen müsste (Zusammenarbeit natürlich ja), sieht sie nicht.

Abbt-Mock (1971) ist Gemeindeammann in Islisberg. Bei den Nationalratswahlen 2011 erreichte sie hinter Ralf Bucher den fünften Platz. Auch an sie könnte also die Frage des Präsidiums herangetragen werden. In der Tat seien vereinzelt schon solche Stimmen laut geworden, sagt sie auf Anfrage der az Aargauer Zeitung. Doch jetzt sei der Ball bei der Findungskommission. Der will sie in keiner Weise vorgreifen. Sollte sich die Frage tatsächlich stellen, wären verschiedene Überlegungen anzustellen, so Abbt. Losgelöst von sich fände sie es gut, «wenn wieder einmal jemand aus dem Freiamt die Partei präsidieren würde».

Wie Alexandra Abbt will auch der Wettinger Gemeindeammann und Grossrat Markus Dieth (1967) Findungskommission und Parteileitung in keiner Weise vorgreifen. Er sagt nur so viel: Die zeitliche Belastung als Gemeindeammann sei sehr gross.

Ralf Bucher winkt ab

Ralf Bucher (1978), Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau (BVA), hat bei den Nationalratswahlen auf der CVP-Liste den vierten Platz erreicht. Gleichwohl winkt er ab. Die Frage stelle sich für ihn gar nicht. Auch er ist überzeugt, dass der Präsident oder die Präsidentin Mitglied des Grossen Rates sein muss – und das ist er nicht. Zudem glaubt er wie Kurt Schmid (Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes), dass sich aus dem Präsidium bzw. der Geschäftsleitung eines Verbands und der Führung einer Partei Interessenkonflikte ergeben könnten.

Von ihrer Erfahrung und ihrem Know-how her (Grossrätin, Mitglied der Parteileitung) könnte auch Nicole Meier Doka (1975) infrage kommen. Darauf angesprochen, verweist auch sie auf die Findungskommission, die das Anforderungsprofil definieren wird. Dieser Entscheidung will sie nicht vorgreifen. Und auch sie findet es «richtig und wichtig», dass das Präsidium einen Bezug zum Grossen Rat hat.

«Würde mich interessieren, aber...»

Dieses Amt würde sie sehr interessieren, sagt Marianne Binder (1958) aus Baden, Kommunikationschefin der CVP Schweiz, rundheraus. Sie kann sich aber nicht vorstellen, dass diese Aufgabe im Aargau mit ihrer Arbeit in Bern zeitlich kompatibel wäre. Binder ist aber sehr motiviert, sich im Aargau zu engagieren. So hat sie sich auf Anfrage bereit erklärt, neu in der Parteileitung mitzuarbeiten. Zudem wird sie im Wahlkampf 2012 mittun. Ihr grosses Interesse für die kantonale Politik hat Binder auch mit ihrer Nationalratskandidatur 2011 gezeigt. Sie erreichte auf der CVP-Liste ein überraschend gutes Resultat.