Kolumne

Noch höhere Lehrerlöhne? – Aber natürlich!

Aargauer Lehrerinnen und Lehrer sollen mehr verdienen. Das ist berechtigt, aller Kritik zum Trotz. (Symbolbild)

Viele Aargauerinnen und Aargauer ärgern sich darüber, dass die Lehrerlöhne steigen sollen. Unser Kolumnist gehört nicht zu jener Gruppe und erklärt warum er die Lohnerhöhung begrüsst.

«Arcus» heisst das Projekt, welches das Bildungsdepartement lanciert hat, um die Löhne der Lehrerinnen und Lehrer im Aargau anzuheben und damit wieder konkurrenzfähig zu machen.

Woher dieser Name? Das lateinische Wort «Arcus» heisst Kurve, Bogen, Triumphbogen (!). Vielleicht ist der Begriff aus der Ökonomie entlehnt: Wenn sich die Angebotskurve und die Nachfragekurve verschieben, kommt der Markt ins Ungleichgewicht.

Item. Tatsache ist: Nach entsprechenden Berichten in den Medien sind die Kommentarspalten förmlich explodiert. Eine Minderheit fand: Ja, diese Anhebung ist nötig, um den Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen und dem Lehrermangel entgegenzuwirken.

Bei der Mehrheit aber tönte es «gäng wie gäng»: Noch mehr Lohn!? Bei 12 Wochen Ferien?! Was für ein Jammern auf hohem Niveau!

Mir will nicht in den Kopf, warum ausgerechnet beim Lehrerberuf das Gesetz nicht gelten soll, das bei allen anderen Berufen gilt: Herrscht Mangel, müssen die Bedingungen attraktiver, «anlockender» gemacht werden.

Natürlich, Lehrerinnen und Lehrer werden aus der Staatskasse, das heisst vom Steuerzahler entlöhnt. Anderseits: Es ist nicht egal, wer unsere Kinder unterrichtet. Finden sich nicht genügend und genügend qualifizierte Lehrkräfte, beeinträchtigt eine Gesellschaft ihre Zukunft.

Einige Kommentare tönten geradezu rührend: Es sei doch mega toll, Kinder unterrichten und formen zu dürfen. Es gehe doch in diesem Beruf nicht nur ums Geld. Stimmt.

Doch man möchte diese Euphorie-Verbreiter auffordern, sich einfach mal in ein Klassenzimmer zu setzen und zuzuschauen, was da abgeht.

Der Lehrerberuf ist ungeheuer anspruchsvoll geworden. Das liegt zum Ersten an der Methodik und Didaktik. Die Lehrerin hat nicht mehr einfach eine Klasse vor sich, sondern 24 Kinder, die alle gesondert, auf sie zugeschnitten gefördert werden müssen.

Zum Zweiten liegt es an der Bürokratisierung: Der Papierkrieg rund ums Unterrichten hat sich in den letzten 40 Jahren vervielfacht. Zum Dritten liegt es an den Kindern: Viele von ihnen sind kaum erzogen oder können kaum Deutsch.

Zum Vierten liegt es an den Eltern: Während einige sich überhaupt nicht um die Schule ihrer Kinder kümmern, fordern andere Exklusivbehandlung für ihre Lieblinge.

So überlegen sich junge Leute zweimal, ob sie sich diese Ausbildung, die doppelt so lang dauert wie vor 40 Jahren, antun wollen. Natürlich geht es nicht nur ums Geld. Aber auch. Bei anderen Berufen spielt das Einkommen doch auch eine Rolle.

Nur beim Lehrerberuf müssen Politiker und Kommentarschreiber immer betonen, es gehe nicht primär ums Einkommen, sondern um die «Berufszufriedenheit». Wie edel.

Bleibt die Politik knauserig, werden die Lehrerinnen und Lehrer ihre Antwort mit den Füssen beziehungsweise mit Pendeln geben: Sie unterrichten in Nachbarkantonen, wo sie mehr verdienen.

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