Noch kein Jahr ist Franziska Roth (SVP) im Amt, und schon kommt es zum vierten Personalwechsel in einer Führungsposition in ihrem Gesundheits- und Sozialdepartement. Generalsekretär Stephan Campi will sich gemäss einer Mitteilung beruflich neu orientieren und verlässt auf Ende Januar 2018 das Departement. Campi war unter Roths Vorgängerin, der grünen Regierungsrätin Susanne Hochuli, schon als Generalsekretär tätig.

Die Stelle des DGS-Generalsekretärs werde zur Wiederbesetzung ausgeschrieben, teilt der Kanton mit. Bis zur Regelung der Nachfolge wird das Generalsekretariat interimistisch von der stellvertretenden Generalsekretärin Sibylle Müller geleitet. Regierungsrätin Franziska Roth dankt Stephan Campi in der Mitteilung für seinen «grossen und bedeutenden Einsatz für den Kanton Aargau und die geleisteten langjährigen Dienste». Campi ist als Generalsekretär praktisch Stabschef von Roth und unter anderem verantwortlich dafür, die Geschäfte für sie vorzubereiten.

Schon im Frühling hatte Franziska Roth drei Führungspositionen in ihrem Departement neu besetzt. Sie trennte sich von den Leitern der Militär- und Gesundheitsabteilung sowie ihrer Kommunikationschefin.

Campi: Kein kurzfristiger Entscheid

Stephan Campi hingegen blieb, der Stabschef von Franziska Roth sagt aber: «Ich habe mir schon vor einem Jahr überlegt, meine Stelle als Generalsekretär aufzugeben und
eine andere Herausforderung anzunehmen.» Er sei damals aber nach reiflicher Überlegung zum Schluss gekommen, im Departement zu bleiben. Campi sagt es so: «Angesichts der neuen Vorsteherin sowie der Herausforderungen, insbesondere im Asylbereich und in der Spitalfinanzierung habe ich damals entschieden, im Sinne der Kontinuität als Generalsekretär weiterzumachen.»

Stephan Campi hält fest, es habe weder persönliche noch politische Differenzen mit der SVP-Regierungsrätin gegeben: «Die Chemie zwischen Franziska Roth und mir stimmt, wir arbeiten gut zusammen.» Jetzt sei aber der Moment für eine berufliche Neuorientierung gekommen. «Das Departement ist gut aufgestellt, in der Budgetdebatte hat Franziska Roth ihre Anträge durchgebracht, die Gespräche mit den Spitälern und anderen Gesundheitsdienstleistern verlaufen konstruktiv», zählt Campi auf. Zu seiner neuen Stelle möchte sich der abtretenden Generalsekretär derzeit noch nicht äussern.

FDP: Wissen geht verloren

Für die FDP, der Stephan Campi angehört, kommt dessen Abgang überraschend. Der erneute gewichtige Abgang aus dem engsten Mitarbeiterkreis von Franziska Roth nähre «die Sorge um die Zukunft des Departements und die Lösung der drängenden Probleme», teilen die Freisinnigen mit. Wenn es Roth nicht gelinge, Ruhe in ihren Mitarbeiterstab zu bringen, «bleiben die wirklich drängenden Aufgaben im Gesundheits- und Asylwesen weiter auf der Strecke».

Stephan Campi habe die neugewählte und völlig unerfahrene Departementsvorsteherin in den letzten elf Monaten in ihr Amt eingeführt. «An manchen Sitzungen liess sie sich gänzlich von ihm vertreten; er führte die Gespräche und auch die Geschäfte», schreibt die FDP. Mit seinem Weggang als Generalsekretär verliere das Departement eine wichtige Integrationsfigur, zudem gehe erneut enorm viel Wissen verloren.

Roth: Nicht überrascht vom Abgang

Franziska Roth sagt auf Anfrage der AZ, sie sei sehr froh über Campis Unterstützung. «Seine Erfahrung als Generalsekretär hat mir im ersten Jahr als Regierungsrätin geholfen.» Auch die SVP-Frau hält fest, es habe keine politischen Differenzen mit dem FDP-Mann gegeben. «Eine Standortbestimmung in seinem Alter und mit seiner Erfahrung ist nachvollziehbar», sagt Roth. Stephan Campi habe mehr als 19 Jahre in der Aargauer Verwaltung gearbeitet, insofern dürfe er sich schon überlegen, «ob er nochmals eine andere Herausforderung sucht oder bis zur Pension als Generalsekretär weitermacht».

Franziska Roth betont, für sie sei es nicht überraschend, dass Campi sich mit 50 Jahren beruflich neu orientieren möchte. Der Generalsekretär verlasse das Departement innerhalb der ordentlichen Kündigungsfrist – «wir hätten dies auch letzte Woche schon kommunizieren können, insofern ist dies kein kurzfristiger Abgang». Roth kündigt an, die Stelle werde nun möglichst rasch ausgeschrieben. «Allerdings stellen wir uns auf eine längere Übergangszeit ohne Generalsekretär ein, weil die Kündigungsfrist bei Kandidaten für eine solche Stelle meist drei oder gar sechs Monate beträgt», räumt sie ein.