Briefaktion
Nidwalden lockt Aargauer Senioren mit tiefen Steuern – und sorgt damit nicht überall für Begeisterung

In einer Briefaktion preist der Kanton Nidwalden sein neues Steuergesetz an. Vor allem Pensionierte könnten damit sparen. Der Kanton Aargau zeigt sich davon wenig begeistert.

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Nidwalden bietet die schweizweit tiefsten Vermögenssteuern, heisst es einem Schreiben. (Themenbild)

Nidwalden bietet die schweizweit tiefsten Vermögenssteuern, heisst es einem Schreiben. (Themenbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Etwa 2000 Briefe hat der Kanton Nidwalden vergangene Woche an Treuhänder und Vermögensverwalter in der ganzen Schweiz verschickt. In dem Schreiben wird Werbung für die attraktiven Steuerkonditionen des Innerschweizer Kantons gemacht und richtete sich dabei gezielt an Pensionierte. Nidwalden biete die schweizweit tiefsten Vermögenssteuern und sei «der richtige Ort, um die dritte Lebensphase zu geniessen».

Hintergrund der Briefaktion ist ein neues Steuergesetz in Nidwalden. Ab dem nächsten Jahr werden Guthaben aus der Pensionskasse tiefer besteuert. Je nach Steuersatz und Kanton könnte das einen Unterschied von mehreren tausend Franken bedeuten, wie es in dem Brief heisst. Besonders profitieren diejenigen, die sich ihre Pension nicht monatlich, sondern in grösseren Beträgen auszahlen liessen.

Eines dieser Schreiben hat auch der Aargauer Michael Schibli erhalten, wie das SRF Regionaljournal berichtet. «Die Konkurrenzsituation unter den Kantonen ist natürlich grundsätzlich bekannt», sagt Schibli. Er selbst habe dieses Schreiben vermutlich auch erhalten, da er als Treuhänder Menschen in Steuer- und Finanzfragen berate. Schibli ist Co-Geschäftsführer der Schibli Treuhand und Verwaltungs AG in Niederlenz. «Aber direkt privat so angeschrieben zu werden, ist schon eher aussergewöhnlich.»

Befremden im Aargau und Bedauern in Nidwalden

Der Kanton Aargau habe das Schreiben mit Befremden zur Kenntnis genommen, wie Claudia Penta, Sprecherin des Aargauer Finanzdepartements, gegenüber dem SRF bestätigte. «Das ist ein unübliches Vorgehen im Steuerwettbewerb», so Penta. Zumal der Steuerfuss nur einer von vielen Faktoren bei der Standortwahl sei. Der Aargau biete hier ein attraktives Gesamtpaket für Unternehmen und Familien.

In Nidwalden zeigt man sich unterdessen durchaus selbstkritisch. «Wir haben eine gewisse Linie überschritten», sagte Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger zum SRF. Das sei bedauerlich. Man habe lediglich über die Neuerungen im Steuergesetz informieren wollen. «Aber wir haben jetzt realisiert, dass wir das nicht gut gemacht haben.» In Zukunft werde es keine derartigen Briefe mehr geben.

Michael Schibli bezweifelt ohnehin, dass diese Aktion viel bewirkt hat. Aufmerksame Treuhänder hätten sich bereits mit dem Thema befasst. «Und dass jemand den Wohnsitz wegen der Pension wechselt, habe ich selbst noch nicht erlebt», so Schibli. (phh)

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