Die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi, die im Herbst selbst nicht mehr antritt, wirbt auf der Homepage ihrer Ratskollegin Pascale Bruderer (SP) für deren Wiederwahl. Egerszegi lässt sich neben einem gemeinsamen Bild mit Bruderer zitieren: «Auch künftig braucht es im Ständerat ein starkes Team für den Aargau.» Die az berichtete am Montag darüber. Online gab es dazu Dutzende Kommentare.

Der frühere FDP-Grossrat Urs Haeny schrieb bitterböse: «Wer in den letzten Jahren ihr Abstimmungsverhalten verfolgt hat, konnte mit nichts anderem rechnen. Das Erfreuliche ist, dass sie jetzt von der ständerätlichen Bildfläche verschwindet.» Demgegenüber schreibt Leser Eduard J. Belser: «Atomausstieg, da hat die FDP aus Tschernobyl und Fukushima scheinbar nicht das Geringste dazugelernt. Weshalb wohl? Deshalb finde ich es bestens, dass Frau Egerszegi Pascal Bruderer über die Parteigrenzen hinweg unterstützt.»

FDP-Präsident Matthias Jauslin nimmt das Ganze gelassener. Erstens sei Christine Egerszegi eine vom Aargauer Volk gewählte gute Ständerätin und zweitens habe sie sich nicht gegen Philipp Müller ausgesprochen, im Gegenteil: «Nach der Nomination von Müller hat sie ausdrücklich die guten Qualitäten von Philipp herausgestrichen und betont, er sei ein guter Kandidat. Und das ist er ohne Zweifel.»

Humbel: «Spürte bisher nichts»

Doch wie agieren eigentlich SVP, FDP und CVP zusammen, die eine Nationalrats-Listenverbindung haben und deren Ziel eine ungeteilte (bürgerliche) Standesstimme ist? Warum sieht man Ständeratskandidierende nicht gemeinsam auf Plakaten und Inseraten? Wie arbeiten sie da zusammen?

CVP-Ständeratskandidatin Ruth Humbel «spürte bisher nichts von einer bürgerlichen Zusammenarbeit». Natürlich könne man die Listenverbindung als rein arithmetische Sache betrachten, sagt Humbel. «Eine gewisse Zusammenarbeit, bei der man pragmatisch die Gemeinsamkeiten zeigt», fände sie gleichwohl sinnvoll. Zumal der Ständeratswahlkampf auch Auswirkungen auf den Nationalratswahlkampf hat.

Humbels Kantonalpräsident Markus Zemp formuliert das Problem gerade heraus: «Untereinander sind wir Konkurrenten. Wir haben einen Nichtangriffspakt beschlossen. Das heisst für uns von der CVP: Wir empfehlen Ruth Humbel und Philipp Müller (FDP) oder Hansjörg Knecht (SVP). Ausser natürlich bei Ruth Humbel legen wir uns also nicht auf eine Person fest.»

Es seien auch keine gemeinsamen Auftritte geplant. Nach dem ersten Wahlgang sitze man dann aber zusammen: «Wenn es zu einem zweiten Wahlgang kommt, womit wir rechnen, ist das Ziel, sich auf den oder die Kandidaten/in mit den besten Chancen zu einigen.»

Bedauern wegen Müller

SVP-Präsident Thomas Burgherr bestätigt diesen Nichtangriffspakt für den ersten Wahlgang, und, «ja, jede Partei macht ihren eigenen Wahlkampf.» Gemeinsame Plakate gebe es nicht. Wobei bei ihm Bedauern durchscheint, dass Philipp Müller schon früh signalisiert habe, allein anzutreten: «Zusammen mit unserem Kandidaten Hansjörg Knecht und ihm wäre für uns die einzige Option gewesen.»

Entsprechend freut ihn die Empfehlung des Aargauischen Gewerbeverbandes für Hansjörg Knecht und Philipp Müller. Burgherr setzt grosse Hoffnungen auf eine ungeteilte Standesstimme und greift Ständerätin Pascale Bruderer direkt an: «Mir fällt nichts ein, wenn man fragt, welchen Leistungsausweis Frau Bruderer zugunsten des Aargaus vorweisen kann.»

Auch für Hansjörg Knecht stellte sich die Frage, ob man zusammen oder allein antreten will, gar nicht mehr. Dies, nachdem Philipp Müller im einer TeleM1-Diskussion habe erkennen lassen, Pascale Bruderer sei quasi gesetzt. Dann ginge es ja nur noch um einen Sitz.

Knecht: «Da wäre eine Zusammenarbeit nicht glaubwürdig. Jetzt ziehen wir das durch.» Für eine Aussage nach dem ersten Wahlgang sei es zu früh. Er setzt jetzt auf seinen Slogan «Knecht wählen, Könige hat es genug» und Inserate, in denen ihn 1000 Aargauer unterstützen. Für weitere Aktionen lässt er sich noch nicht in die Karten gucken.

In früher Phase diskutiert

Eine engere Zusammenarbeit im Ständeratswahlkampf habe man in einer frühen Phase diskutiert, sagt FDP-Präsident Matthias Jauslin, sei aber zum Schluss gekommen, «dass FDP, SVP und CVP je für sich selbst Wahlkampf machen sollen, sich aber nicht gegenseitig in den Rücken fallen. Ziel soll eine ungeteilte Standesstimme sein».

Die FDP empfehle nebst Philipp Müller, bürgerlich zu wählen, also den Kandidaten der SVP oder der CVP, und gebe hier «keine namentliche Empfehlung». Die FDP setzt stark auf die mediale Omnipräsenz von Müller als nationaler FDP-Präsident. Die Ortsparteien halten die Hälfte ihrer Plakatierungen für Müller frei. Er selbst war gestern Nachmittag in einer wichtigen Kommissionssitzung und für eine Stellungnahme nicht erreichbar.