Die Folgen der anhaltenden Trockenheit sind sicht- und spürbar. Wiesen, Felder und Äcker verfärben sich; Rinder finden auf den dürren Weiden zu wenig Futter und müssen wegen Futtermangel vorzeitig in den Schlachthof. Hitze und Wassermangel machen, dass die Bäume vorzeitig ihre Blätter abwerfen. Tiefe Wasserstände und hohe Wassertemperaturen lassen in den Bächen die Fische sterben; die Wasserknappheit hat inzwischen auch die Dörfer erreicht und führt zu Einschränkungen im Alltag.

Grund für den Hitzesommer ist der weltweite Klimawandel. Da sind sich die meisten Experten einig. Also können die Aargauerinnen und Aargauer nichts für die Trockenheit im Kanton. Doch nun meldet sich Pro Natura Aargau zu Wort. Den Wassermangel könne man nicht einfach nur den steigenden Temperaturen anlasten: «Der Wassermangel im Aargau ist auch hausgemacht», erklärt Matthias Betsche, Präsident der Pro Natura Aargau.

Auch hausgemacht? «Ja», sagt Betsche und erklärt: «Seit 1850 wurden in der Schweiz mehr als zweihunderttausend Hektaren Feucht- und Riedwiesen, Quellen, Moore und Bruchwälder mit Drainagen der landwirtschaftlichen Produktion geopfert.» Und jetzt, in der Trockenperiode, zeige sich, wie sehr diese Feuchtgebiete fehlen. «Wir brauchen diese Feuchtgebiete in Wald und Flur für die Wasserspeicherung.»

Renaturierung der Feuchtgebiete

«Wenn die Landwirtschaft jeden Tropfen, der vom Himmel fällt, über Drainagen bachab schickt, müssen wir uns nicht wundern, wenn uns das Wasser ausgeht», sagt Andreas Grünig. Er ist Vorstandsmitglied von Pro Natura Aargau und Mitverfasser der Inventare über die Hochmoore und die landwirtschaftlich genutzten Torfböden der Schweiz. Seine Forderung ist klar: «Statt in weitere Drainagen für die Landwirtschaft zu investieren, sollten wir das Geld für die Wiederherstellung der Ried- und Moorgebiete ausgeben.»

Die gegenwärtige Situation veranlasst die Pro Natura zum Handeln. «Wir müssen die verlorenen Feuchtgebiete und unsere Wasserspeicher wieder herstellen», sagt Betsche. Dies helfe zahlreichen Organismen zu überleben, schütze Bäche vor Austrocknen und Überhitzung. Ausserdem fördere die Wiedervernässung die Zuverlässigkeit des Quellflusses und reichere das Grundwasser an.

Pro Natura will sich deshalb jetzt dafür einsetzen, dass die im Aargau zerstörten Quellfluren, Feuchtwiesen und Moore in den nächsten Jahren renaturiert werden können. Dabei wird jedoch nicht nur an reine Naturschutzgebiete gedacht, sondern auch an eine nachhaltige Bewirtschaftung mit Biodiversität als ein wichtiges Produkt moderner Landwirtschaft.

Das Bösimoos als Beispiel

«Gerade der Aargau, als der Wasserkanton schlechthin, steht hier besonders in der Verantwortung», sagt Matthias Betsche. Dabei setzt er auf die gute Zusammenarbeit von Kanton, Gemeinden und Landwirtschaft. Denn ein gefüllter Grundwasserspeicher und eine grosse Artenvielfalt seien doch im Interesse aller Aargauerinnen und Aargauer, wie die aktuelle Trockenheit deutlich vor Augen führe.

Wie es sein müsste, führt Betsche im Bösimoos in Stetten vor. Ursprünglich war das 140 Aren grosse Bösimoos ein Flachmoor. Im 2. Weltkrieg wurde es jedoch entwässert und teilweise mit einer Baumschule bepflanzt. 1994 konnte Pro Natura die Parzellen erwerben und renaturieren. Die Entwässerung wurde aufgehoben und der Boden vernässte wieder. Zuerst hat man das Gebiet mit Wollschweinen beweidet, später mit Wasserbüffeln.
Heute ist das Bösimoos mit der extensiven landwirtschaftlichen Nutzung gleichzeitig ein Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung.