Alkohol-Testkäufe

Nicht nur am Dorffest kommen Minderjährige zu leicht an den Alkohol

An Festen und Events wurde Jugendlichen bei Testkäufen häufig Alkohol ausgeschenkt, obwohl sie das nötige Alter noch nicht erreicht hatten. (Symbolbild).

An Festen und Events wurde Jugendlichen bei Testkäufen häufig Alkohol ausgeschenkt, obwohl sie das nötige Alter noch nicht erreicht hatten. (Symbolbild).

Alkohol-Testkäufe zeigen: Bei jedem vierten Versuch erhalten Minderjährige alkoholische Getränke, obwohl sie nicht alt genug sind. Gastro-Aargau-Präsident Josef Füglistaller kritisiert die neusten Zahlen allerdings.

Der Reiz des Verbotenen, dazuzugehören oder Grenzen auszuprobieren: Es gibt viele Gründe, warum Minderjährige versuchen, an Bier und Schnaps zu kommen, obwohl sie dies laut Gesetz nicht dürfen.

Im Aargau gelang das 2013 in rund einem Viertel der Fälle (2012: 27 %), wie das Ergebnis von Alkohol-Testkäufen zeigt. Damit liegt der Aargau genau im schweizweiten Schnitt.

Am schlechtesten haben die Kantone Waadt und Neuchâtel abgeschnitten, hier liegen die Werte über 40 Prozent.

Grosse Unterschiede gibt es nicht nur zwischen den Kantonen, sondern auch zwischen den Verkaufsstellen. In Pubs und Bars wurde (schweizweit) an 44 Prozent der Jugendlichen Alkohol ausgeschenkt, obwohl sie dafür zu jung waren.

Auch an Events und Festen (42 %) und am Kiosk (40 %) wird offenbar nicht sehr streng kontrolliert. Besser sieht es in Getränkeläden aus, hier schafften es nur 7 Prozent der Jugendlichen, an Alkohol zu kommen. An Tankstellenshops waren 14 Prozent der Testkäufe erfolgreich.

Zweifel an der Statistik

Josef Füglistaller von Gastro Aargau zweifelt die Statistik allerdings an: «Ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen den harten Alkohol in Tankstellenshops oder in anderen Läden kaufen, nur schon, weil er da billiger ist. Es ist wohl eher das Bier, das in einer Bar vielleicht mal an zu junge Gäste verkauft wird.»

So junge Gäste hätten sich ab einer gewissen Zeit gar nicht mehr in einer Bar aufzuhalten. «Das Personal geht dann natürlich eher davon aus, dass jemand alt genug ist.»

Dass ein Barkeeper in einer Stresssituation vielleicht eher mal auf eine Ausweiskontrolle verzichtet, hält er dagegen nicht für wahrscheinlich. «Wir machen regelmässig auf das Problem aufmerksam, zudem gibt es ja die obligatorischen Hinweistafeln – das Personal ist darauf sehr gut sensibilisiert.»

Problem: Eingangskontrolle

Viele der Testkäufe werden vom Blauen Kreuz durchgeführt. Die Verantwortliche Katrin Trüssel sieht einen Grund für das schlechte Abschneiden der Gastronomie in den Eingangskontrollen: «Wenn da nicht sauber kontrolliert wird und das Barpersonal davon ausgeht, dass keine Minderjährigen Zutritt erhalten, kann das ein Problem sein.»

Ein weiterer Grund sei, dass in Tankstellenshops und Getränkeläden schon länger Testkäufe durchgeführt werden. «Die Branche ist schon besser sensibilisiert.»

Das sagt auch die Erdöl-Vereinigung, die sich für den Jugendschutz an Tankstellenshops einsetzt. «Die neusten Zahlen reihen sich nahtlos in den seit 2006 anhaltenden Trend ein. Damals, beim Start der Kampagne, fiel fast die Hälfte der Verkaufsstellen durch», heisst es auf der Website.

An Festen und Events liege das Problem oft darin, dass das Barpersonal beruflich häufig nichts mit der Gastronomie zu tun habe und deshalb nicht gleich gut geschult sei, meint Trüssel.

Am besten abgeschnitten haben die Getränkeläden. Laut Josef Bucher, Mediensprecher der Rio Getränkemarkt AG, lege man grossen Wert auf die Schulung: «Das ist ein immer wiederkehrendes Thema.»

Die Kundschaft reagiere verständnisvoll, sagt Bucher: «Viele Jugendliche zeigen sogar automatisch den Ausweis, wenn sie Alkohol kaufen wollen – wenn man das Alter erreicht hat, ist das ja kein Problem.»

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