Im Februar schickten die «Volunteers for Humanity» fünf Container an Hilfsmaterial von Schöftland und zwei von Zofingen aus in Richtung Syrien. Die Hilfsorganisation der amtierenden Aargauerin des Jahres, Marit Neukomm, hatte innert weniger Wochen 70 Tonnen an Bekleidung, Schlafsäcken, Sanitätsmaterial, Windeln, Babymilch oder auch Reisebetten, Matratzen und Thermosflaschen gesammelt.

Die Container wurden mit Lastwagen im Aargau abgeholt und in Basel auf ein Transportschiff verladen. Auf dem Rhein ging es via Rotterdam durch die Strasse von Gibraltar und das Mittelmeer in die südtürkische Hafenstadt Mersin, nah der syrischen Grenze.

Mussten sich Marit Neukomm und ihr Team im Februar noch gedulden, weil der Rhein zu wenig Wasser für die Verschiffung führte, sind alle Container inzwischen angekommen. «Der Schiffstransport hat ohne Zwischenfälle geklappt», freut sich Marit Neukomm.

Volunteers for Humanity: Marit Neukomms Syrien-Hilfsprojekt

«Wir mussten kämpfen»

Eine britische Partnerorganisation nahm die Container in Empfang und organisierte die Verteilung in syrischen Flüchtlingscamps. Diese konnte allerdings nicht so zügig wie erhofft durchgeführt werden. Der Grund: Die Türkei änderte zuletzt alle paar Wochen ihre Regelungen, was als humanitäre Hilfe die Grenze nach Syrien passieren darf.

Die Aargauer Container wurden vor zweieinhalb Monaten nach den damals geltenden Bestimmungen gepackt. In der Zwischenzeit wurden diese mehrmals geändert. Während die Kleidercontainer gut durch den Zoll gingen, brauchte es für die Medizincontainer laut Marit Neukomm einen grösseren Effort: «Wir mussten dafür kämpfen, aber am Schluss brachten wir alles durch.»

Mitzureisen und die Hilfsgüter selber in Syrien zu verteilen, kam für Neukomm nicht infrage: viel zu gefährlich wäre der Einsatz im Kriegsgebiet ohne entsprechende Erfahrung. Aktuell sei die Lage «sehr angespannt», vor allem in den Gebieten um Aleppo und Idlib.

Die Kleider seien zu einem Grossteil verteilt, in diesen Tagen folge das medizinische Material. «Wir dürfen aber aus Sicherheitsgründen nicht sagen, wo genau», sagt Marit Neukomm. Man müsse das Leben der Helfer vor Ort schützen, schliesslich operierten diese in einem Kampfgebiet.

Dorthin, wo es gebraucht wird

Spitalärzte melden über Vertrauenspersonen, was sie benötigen. Das Material wird lose in Lastwagen verteilt und dorthin gefahren, wo es gebraucht wird. So kann verhindert werden – wie es in anderen Fällen geschah – dass ein Spital zu viel vom gleichen Material erhält und dieses teilweise verdirbt.

Bleibt die Frage: Wie viel können die Flüchtlinge im Frühling mit den verteilten Winterkleidern anfangen? «Die Winterkleider werden nach wie vor absolut benötigt», sagt Marit Neukomm. In höher gelegenen Camps fielen die Temperaturen nachts bis nah an den Gefrierpunkt. Die meisten Flüchtlinge hätten zu wenig zu essen, wohnten in Zelten und seien deshalb froh um jede warme Schicht Kleidung. Und: «Wo es noch Häuser hat, zieht es durch, weil Fenster und Türen kaputt sind.»

Während die bisher grösste Hilfsaktion von «Volunteers for Humanity» mit der Verteilung abgeschlossen wird, bereiten die freiwilligen Helferinnen und Helfer im Aargau bereits die nächste vor.

Nachdem die Halle in Schöftland per Mitte März wieder vermietet wurde, brauchte das Team von Marit Neukomm einen neuen Unterschlupf. Gefunden wurde der bei den Lagerhäusern Aarau AG in Buchs.

Vor zwei Woche konnte man die grosse Halle beziehen, die Lagerhäuser stellen sie kostenlos zur Verfügung. Bis Ende Jahr wird nun dort für die nächsten Hilfstransporte Material gesammelt – aktuell Windeln, Babymilch und Spital-Equipment.

«Ein Mädchen hat mir das Letzte gegeben, was es hatte»

Marit Neukomm über ihren prägendsten Moment 2016 – und weitere wichtige Momente aus der Sendung «TalkTälglich» im Zusammenschnitt.