A1-Zubringer Lenzburg

Neuhof-Ausbau Lenzburg: Gegner befürchten weitere Zersiedlung des Bünztals

Ganz rechts ist die Spange Hornerfeld durch freies Wiesland geplant, links der Hero-Neubau neben der Kreuzung Neuhof.

Ganz rechts ist die Spange Hornerfeld durch freies Wiesland geplant, links der Hero-Neubau neben der Kreuzung Neuhof.

Ein Komitee «Nein zum Ausbau des Knotens Neuhof» will das Strassenprojekt verhindern. Der Aargau brauche stattdessen eine neue Verkehrs- und Siedlungspolitik. Das fordern die Parteien SP, Grüne, EVP und GLP sowie die Verbände VCS, Pro Natura und WWF

Knappe zwei Wochen vor der Abstimmung zum A1-Zubringer Lenzburg mit dem Ausbau des Knotens Lindfeld melden sich die Gegner mit einer geballten Ladung Kritik zu Wort. Die für 75 Millionen Franken geplante Verkehrssanierung mit einem Tunnel Richtung Bünztal bedeute eine weitere Zersiedlung und führe zum Verlust von Kulturland, betonten die Vertreter von Parteien und Umweltverbänden an einer Medienorientierung in Aarau. Sie befürchten speziell eine später nötig werdende Bünztal-Autobahn und zahlreiche neue Umfahrungen im Grossraum Lenzburg.

Verkehrswachstum bremsen

Schon heute sei der Aargau ein viel zu stark strassenlastiger Kanton, betont SP-Grossrat Jürg Caflisch (Baden), der auch als Präsident des VCS Aargau neue Strassen grundsätzlich bekämpft. Die Regierung pflege eine einseitige Wachstumsideologie, bei zusätzlich 100 000 Einwohnern bis 2035 gebe es weitere 50 000 Autos im schon heute übermotorisierten Aargau. Man dürfe das Strassennetz nicht auf die absoluten Spitzenfrequenzen ausbauen, das sei auch bei der Bahn nicht möglich. Den Knoten Neuhof als Basis für vier Spuren ins Bünztal befürchtet auch die grüne Grossrätin Irène Kälin (Lenzburg). Als Zwischenergebnis sei die neue Autobahn im Richtplan ja schon vorhanden. Zudem seien jede Menge neue Umfahrungen zu befürchten, in Dottikon, Wohlen, Schafisheim, Seon und Lenzburg Ost vom Seetal her.

Landverlust im Hornerfeld

Der Aargau verstosse bei diesem Projekt gegen seine eigene Strategie und halte sich nicht an die Bundesverfassung, die einen haushälterischen Umgang mit Boden vorschreibe, betonte GLP-Grossrätin Barbara Portmann (Lenzburg). Die Spange Hornerfeld sei eine Planung im Geist der 70er Jahre, hier gehe viel wertvolles Landwirtschaftsland verloren. Gemäss Aargauer Richtplan müsse man doch die Verkehrs- und Siedlungsentwicklung aufeinander abstimmen.

Die Politik behaupte immer wieder, der Aargau sei gebaut. «Aber die Zubetonierung der Landschaft geht nicht nur unvermindert weiter, sie beschleunigt sich sogar», klagte Thomas Urfer, Präsident von Pro Natura Aargau. Die Umfahrungen Bad Zurzach, Sins und Brugg-Windisch seien schon in der Pipeline, die Strassenbau-Wunschliste der Regierung umfasse über 40 Projekte.

Missbrauch der Macht

Mit scharfer Kritik reagierte EVP-Grossrat Sämi Richner (Auenstein) gegen den A1-Zubringer Lenzburg: Baudirektor Peter C. Beyeler und Kommissionspräsident Martin Keller hätten dem Parlament und der Öffentlichkeit bewusst Informationen vorenthalten und damit ihre Macht missbraucht. Es gebe einen Bericht mit Varianten, den man bewusst unter dem Deckel halte. Das Projekt ist aus Richners Sicht überrissen und viel zu teuer, die Spange Hornerfeld brauche es nicht, der Tunnel habe eine viel zu enge Kurve. Richner befürchtet auch, der viele Mehrverkehr aus dem Bünztal, aus Lenzburg und von Othmarsingen her sei für die A1 nicht verkraftbar. Seinem Rezept stimmen die Gegner zu: Am 3. März Nein stimmen, damit das Parlament nachher in Kenntnis aller Fakten eine bessere Lösung suchen könne.

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