Villigen

Neues Technologiezentrum: Hier wird für die Aargauer Firmen geforscht

Sie stehen hinter Anaxam: Thierry Strässle (Direktor PSI), Urs Hofmann (Volkswirtschaftsdirektor Aargau), Christian Grünzweig (Geschäftsführer Anaxam), Frithjof Nolting (Präsident Verein Anaxam), Vincenza Trivigno (Staatsschreiberin Aargau), Jürg Christener (Fachhochschule Nordwestschweiz), Clemens Schulze-Briese (Vizepräsident Verein Anaxam), Lars Sommerhäuser (Dachverband AM-TTC), Hans-Helmuth Jung (Spectra Flow AG, von links) beim Gruppenbild im Innern der Synchrotron-Lichtquelle am Paul- Scherrer-Institut in Villigen.

Sie stehen hinter Anaxam: Thierry Strässle (Direktor PSI), Urs Hofmann (Volkswirtschaftsdirektor Aargau), Christian Grünzweig (Geschäftsführer Anaxam), Frithjof Nolting (Präsident Verein Anaxam), Vincenza Trivigno (Staatsschreiberin Aargau), Jürg Christener (Fachhochschule Nordwestschweiz), Clemens Schulze-Briese (Vizepräsident Verein Anaxam), Lars Sommerhäuser (Dachverband AM-TTC), Hans-Helmuth Jung (Spectra Flow AG, von links) beim Gruppenbild im Innern der Synchrotron-Lichtquelle am Paul- Scherrer-Institut in Villigen.

Das neue Technologietransferzentrum Anaxam in Villigen hat seinen Betrieb aufgenommen. Es bietet auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit, bisher unmögliche Forschungsprojekte am Paul Scherrer Institut durchzuführen.

Hans-Helmuth Jung betreibt in Spreitenbach ein kleines Unternehmen: Acht Mitarbeiter hat die Spectra Flow Analytics AG, 15 sind es weltweit. Doch die Firma aus dem Aargau, die vor sechs Jahren gegründet wurde, liefert ihren Kunden eine weltweit einzigartige und äusserst gefragte Technologie. Spectra Flow stellt Anlagen her, die bei Stahl- und Zementherstellern direkt auf dem Förderband die Qualität der Materialien prüfen.

«Einfach gesagt, beleuchten wir die Stoffe mit Infrarotlampen und ermitteln aus dem Lichtspektrum in Echtzeit die chemische Zusammensetzung», erklärte Jung an der Medienkonferenz zum Start des Technologie- Transferzentrums Anaxam am Paul- Scherrer-Institut (PSI) in Villigen.

Industrie kann Anlagen für Grundlagenforschung nutzen

Hinter dem neuen Zentrum steht ein Trägerverein, den der Kanton Aargau, die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), das PSI und das Swiss Nanoscience Institute (SNI) im Mai gegründet haben. Ziel von Anaxam ist es, der Industrie den Zugang zu Forschungsinstitutionen und modernen Analysemethoden zu erleichtern.

High–Tech in Villigen: Technologie–Transferzentrum eröffnet

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Anaxam ist die Abkürzung für «Analytics with Neutrons And X-Rays for Advanced Manufacturing», zu deutsch Neutronen- und Röntgen-Analyse für fortgeschrittene Produktion. Das PSI mit seinen Grossanlagen, die für die Grundlagenforschung entwickelt und installiert wurden, ist bei der Materialanalyse mit Neutronen und Röntgenstrahlen weltweit führend, wie Direktor Thierry Strässle sagte.

Schon heute werden die Grossanlagen des PSI zu rund 11 Prozent von externen Forschern genutzt, unter anderem von grossen Pharmafirmen. «Wir spielen in diesen Bereichen in der Champions League und freuen uns sehr, dass mit Anaxam künftig auch kleinere Unternehmen profitieren können», sagte Direktor Strässle.

Eines davon ist die schon erwähnte Spectra Flow, die Firma aus Spreitenbach liess am PSI kürzlich 60 Proben aus einem Zementwerk analysieren. «Das brachte eine markante Verbesserung für unsere Anlagen», sagte Hans-Helmuth Jung, «die Qualität der Messungen hat sich danach um den Faktor drei erhöht.» Selber wäre Spectra Flow nicht in der Lage gewesen, die Materialanalysen vorzunehmen.

Forschung an Keramikteilen, Dieselfiltern und Handy-Akkus

Das gilt für viele Firmen, wie Christian Grünzweig, Geschäftsführer von Anaxam, sagte. Die dafür nötigen Anlagen seien viel grösser als Laborinstallationen, einzelne Unternehmen hätten gar nicht die Möglichkeit, in diesem Massstab zu forschen. Er verglich Anaxam mit einem Schweizer Sackmesser: «Wir erfinden es nicht neu, sondern fügen weitere Werkzeuge hinzu.» So könnten mit PSI-Anlagen zum Beispiel Keramikbauteile für Stromisolatoren, Partikelfilter von Dieselmotoren oder Handy- Akkus untersucht werden.

Anaxam richte sich auf die Bedürfnisse der Industrie aus und biete Firmen einen einzigen Ansprechpartner für ihre Forschungswünsche: «Der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch», verglich Grünzweig.

Es gehe darum, Firmenvertretern die Möglichkeiten der Forschung am PSI aufzuzeigen, gemeinsam ein konkretes Analyseprojekt zu erarbeiten und dieses so durchzuführen, dass die Resultate den Unternehmen möglichst grossen Nutzen bringen. Anaxam biete völlig neue Chancen für die Industrie und verschiebe dadurch die Grenze des Machbaren, erklärte Grünzweig.

Fachhochschule schafft Kontakte zu Industriebetrieben im Aargau

«Die Industrie muss natürlich auch von diesem Angebot wissen», sagte Jürg Christener, Direktor der Hochschule für Technik an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die FHNW habe dank Projekten ihrer Studenten und Abgänger viele Kontakte zu Industriebetrieben im Aargau und könne diese auf Anaxam aufmerksam machen. «Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie, das ist unsere Rolle», sagte Christener.

Anaxam ist eines von zwei Technologie-Transferzentren in der Schweiz, die vom Dachverband AM-TTC finanziell gefördert werden. Gelder beantragt hatten insgesamt neun Zentren, berücksichtigt wurde neben Anaxam noch eines im Kanton Solothurn, wie Lars Sommerhäuser, Geschäftsführer des Dachverbandes, sagte.

Die neuen Zentren sind ein Teil des Aktionsplans Digitalisierung und sollen helfen, Technologien schneller industrietauglich zu machen. Heute klaffe hier eine Lücke: Bei den Forschungsergebnissen und Patenten belege die Schweiz einen Spitzenplatz, nur wenige Technologien fänden aber den Weg in die industrielle Anwendung, sagte Sommerhäuser.

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