«Einmal Invalidenrente, immer Invalidenrente, heisst es oft», weiss Philipp Küng, stellvertretender Geschäftsführer der Aargauischen Pensionskasse (APK). «Wir glauben jedoch nicht, dass dies zwingend so sein muss.»

Deshalb hat die APK vor fast zwei Jahren ein Pilotprojekt gestartet, das die Rückkehr von IV-Bezügerinnen und -Bezügern ins Erwerbsleben zum Ziel hat. «Return» heisst das Projekt und ist für die Teilnehmenden freiwillig und kostenlos.

Die APK arbeitet dabei mit dem Unternehmen RehaWork zusammen, das auf solche Reintegrationsprozesse spezialisiert ist und unter anderem auch für den Kanton Aargau im Bereich Case-Management aktiv ist. Geleitet wird das Projekt «Return» von Philipp Küng sowie von Rolf Riesen und Anna-Lisa Oggenfuss der Firma RiesenOggenfuss GmbH, die im Auftrag der RehaWork tätig sind.

«Unsere Aufgabe ist es, für alle unsere Versicherten das Pensionskassen-Vermögen nachhaltig finanziell abzusichern, damit wir in der Lage sind, die Renten auszuzahlen, wenn dies altersbedingt oder infolge eines Schicksalsschlags (Invalidität oder Tod) notwendig wird», erklärt Philipp Küng.

«Mit unserem Projekt ‹Return› gehen wir über unseren gesetzlichen Auftrag hinaus. Wir wollen jenen IV-Rentnerinnen und -Rentnern, die eigentlich arbeiten möchten, eine Tür öffnen. Wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und Chancen zu erkennen und wahrzunehmen», erklärt Philipp Küng.

«Unter dem Strich sollen die Bemühungen um die Integration in den ersten Arbeitsmarkt rentieren – wir wollen damit eine Win-win-win-Situation schaffen: Es soll sich lohnen für den betroffenen Rentenbezüger, für die APK und damit auch für die Gesellschaft.»

Nur für einen kleinen Teil geeignet

Das Projekt sei zwar nur für einen kleinen Teil der über 1000 IV-Rentner geeignet, die bei der APK versichert seien. Aber wenn nur schon eine Person wieder voll ins Erwerbsleben integriert werden könne, lohne sich der Aufwand bei weitem. «Wenn wir für eine Reintegration 50000 Franken investieren und damit 500000 Franken Rente einsparen, haben alle Beteiligten gewonnen.»

150 speziell ausgewählte Personen, die bei der APK versichert sind und eine IV-Rente beziehen, wurden zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, 15 nahmen daran teil, 7 davon absolvierten die «Chancenphase», in der die individuellen Möglichkeiten und Erwartungen der Einzelnen genauer unter die Lupe genommen wurden.

Für 4 Personen schien «Return» ein gangbarer Weg, auf eine Rückkehr ins Erwerbsleben hinzuarbeiten. «Es gab dabei bisher viel Erfreuliches, aber natürlich auch Rückschläge», berichtet Philipp Küng.

«Besonders erfreulich ist die positive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und das partnerschaftliche Vorgehen, womit das gegenseitige Vertrauen aufgebaut und gefördert wird.»

Alle Ressourcen anzapfen

«Zu den Grundpfeilern des Return-Projekts gehört der Einbezug von behandelnden Psychiatern, Ärzten und auf Wunsch der Teilnehmenden auch von deren Lebenspartnern», führt Philipp Küng weiter aus.

«Auf diese Weise können wir bereits vorhandenes Wissen und bestehende Erkenntnisse koordinieren und nutzen. Wir wollen alle Ressourcen anzapfen. Ausserdem arbeiten wir mit der IV und anderen Versicherungen zusammen – wir sind ja keine Konkurrenten, sondern unterstützen und ergänzen einander.»

Auf menschlicher Ebene sei die Freiwilligkeit ein wichtiger, motivierender Faktor. «Die Klientinnen und Klienten haben so die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob und in welcher Art sie aktiv werden wollen. Der persönliche Freiraum ist dabei sehr gross.

Ganz wichtig ist auch, dass wir viel Zeit einberechnet haben – Krisen und Rückschläge sind gewissermassen in den Verlauf integriert», sagt Philipp Küng. «Wir sind davon ausgegangen, dass ein Reintegrationsprozess zwei bis zweieinhalb Jahre dauert. Das hat sich als richtig erwiesen.» Und er weist darauf hin, dass bei «Return» der Fokus stets «auf das, was möglich ist», gelegt werde.

Heute sind nur noch drei Personen beim Pilotprojekt «Return» dabei. Für Philipp Küng ist das aber keine Enttäuschung, sondern durchaus ein Erfolg. «Wir haben uns nie vorgestellt, ein Massengeschäft abzuwickeln. Dies würde dem von uns angestrebten individuellen Ansatz widersprechen. Wenn es klappt – auch nur in kleinem Rahmen –, freuen wir uns. Einerseits für den Klienten, anderseits aber auch, weil wir dann wissen, dass wir das Geld gut eingesetzt haben.»

In knapp einem halben Jahr ist die Pilotphase zu Ende und «Return» wird evaluiert. Philipp Küng sagt zufrieden: «Da eine Person mittlerweile wieder voll erwerbsfähig ist, kann bereits heute gesagt werden: Die Durchführung des Pilotprojekts hat sich gelohnt.»