Das Programm «Kultur macht Schule» unterstützt ideell und finanziell die Kulturvermittlung für Schülerinnen und Schüler. Die Fachstelle Kulturvermittlung des Kantons bietet dafür ein breit verzweigtes Netzwerk im Kultur- und Bildungsbereich. «Kultur macht Schule» fördert, vernetzt, berät und bündelt ein höchst vielfältiges Angebot aus den Disziplinen Baukultur, Kulturgeschichte, Literatur und Gesellschaft, Medienkunst und Film, Musik, Theater und visuelle Kunst.

Zudem werden Schulklassen bei ihren kulturellen Projekten mit finanziellen Beiträgen unterstützt. Das Programm «Kultur macht Schule» gibt es seit 2005, und es ist erfolgreich: Jährlich werden rund 80 000 Kinder und Jugendliche an den Aargauer Schulen erreicht. Zwei Drittel aller Schulen im Aargau haben inzwischen auch eine entsprechend ausgebildete kulturverantwortliche Lehrperson.

Andere Kantone kopieren den Aargau

Auch ausserhalb des Kantons ist man auf das Erfolgsmodell aufmerksam geworden. Mehrere Kantone haben in den letzten Jahren ebenfalls eigene Kulturprogramme für ihre Schulen lanciert und sich dabei stark am Aargauer Modell orientiert.

Im letzten Jahr hat der Regierungsrat entschieden, dass das Programm weitergeführt werden soll. Bis 2019 wird «Kultur macht Schule» mit insgesamt knapp drei Millionen Franken aus dem Swisslos-Fonds unterstützt. Diese Unterstützung lässt auch das jüngste Projekt aus der Küche der kantonalen Kulturvermittler noch weiter und tiefer in Neuland aufbrechen. «Safari» heisst das neue Förderinstrument, und der Name ist Programm.

Beispiele aus Seon, Beinwil am See, Brugg und Aarau:

Kunst trifft Schule

Das Förderinstrument «Safari» ermöglicht innovative und modellhafte Pilotprojekte von professionellen Kunstschaffenden, die mit Schülerinnen und Schülern zusammenarbeiten. Die Projekte umfassen einen Zeitraum von mehreren Monaten und führen im Idealfall Schülerinnen und Schüler zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit Kunst, Kultur und Geschichte.

Die Entwicklung von der Idee bis zur konkreten Umsetzung wird eng von Fachpersonen begleitet. Pionierhafte Leistungen im Bereich Kulturvermittlung werden durch «Safari» gefördert und mitfinanziert. In der Startphase, die von 2014 bis 2016 dauerte, sind 15 Projekte durchgeführt worden. Rund 1600 Schülerinnen und Schüler aus allen Schulstufen waren involviert. Sämtliche Projekte erhielten eine einmalige Anschubfinanzierung aus dem Swisslos-Fonds.

In einer Dokumentation hat die Fachstelle Kulturvermittlung die bisherigen 15 Safari-Projekte vorgestellt. Gunhild Hamer, Leiterin der Fachstelle, zieht dabei ein vorläufiges Fazit: «In der Begegnung der Künste und der Schule liegt ein grosses Potenzial. Schülerinnen und Schüler machen im kulturellen Umfeld ungewohnte Lernerfahrungen. Sie entwickeln und erweitern ihre Gestaltungsmöglichkeiten.» Der Einblick in die künstlerische Praxis und der Austausch unterschiedlicher Denk- und Arbeitsweisen bereicherten den Unterricht.

Aufeinander Rücksicht nehmen

So schufen 40 Primarschülerinnen und -schüler aus Turgi einen Gemüsegarten als Forschungslabor, der es ihnen ermöglichte, über einen längeren Zeitraum mit Gemüse und an der Kunst zu wachsen. Über künstlerische Handlungsweisen näherten sich die Schüler Inhalten der Bildung für nachhaltige Entwicklung wie gesunde Ernährung, nachhaltiger Anbau und Konsum von Gemüse sowie partizipatorische Organisationsmodelle.

Oder in Brugg verliessen die beteiligten Schülerinnen und Schüler im Projekt «Stadtereignisse» die vertraute Schulumgebung und erforschten ihr Lebensumfeld im öffentlichen Stadtraum. Sie reflektierten ihre Rolle in der Gesellschaft und erprobten ihre Möglichkeiten zur Mitbestimmung. Das Projekt bestand einerseits aus dem Prozess von der selbstständigen Ideenfindung bis zur Umsetzung. Andererseits ging es für die Schülerinnen und Schüler darum, ihre Interventionen in der Öffentlichkeit darzustellen. Für die Künstlerin Andrea Gesell, die als Co-Leiterin am Projekt in Brugg mitwirkte, war dieser performative Moment eine besondere Herausforderung für die Beteiligten. Und 21 Schülerinnen und Schüler der Neuen Kantonsschule Aarau produzierten für ihre Mitschüler ein Lehrmittel und drehten darüber einen Kurzfilm.

Was haben sie dabei gelernt? «Das Wichtigste, das wir gelernt haben, ist die Arbeit in einer Gruppe und in einem Gesamtteam. Wir mussten aufeinander Rücksicht nehmen und konnten nicht einfach unser eigenes Ding durchziehen», resümierte Kantischüler Philipp.

Neue Ideen gesucht

Nun folgt die zweite Staffel von «Safari». Was wird sich ändern? «Wir möchten Lehrpersonen und Schüler noch früher am künstlerischen Prozess mitwirken lassen», sagte Hamer. Aus einer Idee sollen die Beteiligten in einem gemeinsamen Prozess ein Projekt entwickeln und dann auch realisieren. Entsprechend wurde die Ausschreibung überarbeitet und das Kriterium Partizipation stärker gewichtet.

Künftig wählt eine Jury jährlich fünf bis acht Projekte aus. Kulturschaffende können ihre Projektideen an der Safaribörse vom 4. März 2017 mündlich vorstellen; aufgrund der Rückmeldungen an der Börse können sich die Kulturschaffenden bei Bedarf untereinander vernetzen und ihre Ideen allenfalls zu einem Projekt verdichten.

Am 2. Juni wählt die Jury die nächsten maximal acht Safari-Projekte aus, im anschliessenden Workshop sollen Partnerschaften mit interessierten Schulen geschlossen werden. Der Kanton kann die einzelnen Projekte mit Beiträgen aus dem Swisslos-Fonds bis zur Höhe von maximal 25 000 Franken unterstützen. Doch die Mittel sind beschränkt. Man sei auf der Suche nach externen Geldgebern, sagte Gunhild Hamer, und verhandle mit verschiedenen Stiftungen.