Innovage

Neues Netzwerk bald auch im Aargau: «Ich war offen für eine sinnvolle neue Aufgabe»

Hans Bratschi (73) aus Oberrohrdorf engagiert sich bei Innovage.

Hans Bratschi (73) aus Oberrohrdorf engagiert sich bei Innovage.

Pensionierte Fach- und Führungskräfte im ehrenamtlichen Einsatz für Non-Profit-Organisationen.

Kurz nach seiner Pensionierung im Jahre 2011 gönnte sich Hans Bratschi aus Oberrohrdorf zusammen mit seiner Frau eine Kreuzfahrt. Die Reise führte von Santiago de Chile nach Buenos Aires. Auf hoher See lernte Hans Bratschi beim Nachtessen einen Schweizer aus Basel kennen; die beiden kamen ins Gespräch. Dabei erfuhr Bratschi erstmals von der Organisation Innovage. Und was der Schweizer Tischnachbar erzählte, gefiel dem frisch pensionierten Elektroingenieur so sehr, dass er sich gleich nach seiner Rückkehr bei Innovage meldete. «Ich war offen für eine neue und sinnvolle Aufgabe. Da kam Innovage genau zur richtigen Zeit», erinnert sich Bratschi.

Ehrenamtlich und gemeinnützig

Das Netzwerk Innovage gibt es seit 2006. Initiiert wurde es von Heinz Altorfer, der damals Leiter Soziales beim Migros-Kulturprozent war. Die Idee dahinter: Pensionierte Fach- und Führungskräfte aus allen Berufsfeldern stellen ihre Erfahrung und ihre Fähigkeiten unentgeltlich für soziale und kulturelle Projekte zur Verfügung.

Bisher gibt es neun regionale Netzwerke. Der Aargau gehört bisher zum Netzwerk Nordwestschweiz, das von Basel aus tätig ist. So reiste der Oberrohrdorfer Hans Bratschi nach Basel und nahm dort an den obligatorischen Schulungen teil, bevor er als Innovage-Berater aufgenommen wurde. «Mich hat beeindruckt, wie professionell da gearbeitet wird», sagt Bratschi.

Das Prinzip von Innovage ist einfach aber wirkungsvoll: Individuell zusammengesetzte Teams beraten und begleiten Non-Profit-Projekte, die das möchten. Diese Teams bestehen in der Regel aus pensionierten Fachleuten aus verschiedensten Bereichen. Was sie verbindet, ist Fachkompetenz und Führungserfahrung sowie die Bereitschaft, ehrenamtlich für eine gute Sache tätig zu sein.

Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit den Initianten. Wer für ein Projekt die Unterstützung von Innovage möchte, kann sich bewerben und ein Gesuch einreichen. Die Gesuche werden nach verschiedensten Kriterien geprüft, etwa, ob die Projekte tatsächlich gemeinnützigen Charakter haben. Erfüllt ein Projekt die Kriterien und hat Innovage die personellen Möglichkeiten, erfolgt die Zusage.

Anregend und anspruchsvoll

Hans Bratschi hat als Mitglied von stets anders zusammengesetzten Innovage-Teams schon eine Reihe von Projekten realisiert. So half er in Basel mit, eine Organisation aufzubauen, die Kindern von psychisch kranken Eltern Paten vermittelt, die sich regelmässig um die Kinder kümmern.

Oder die Pfadfinder «Trotz allem», die Programme für Kinder mit Behinderung anbietet, hatte gleich zwei Probleme: Wie findet man Leiterinnen und Leiter, wie erreicht man die Kinder? Auch hier konnte das Team von Innovage Lösungen aufzeigen.

Ein drittes Projekt, ebenfalls in Basel, das Bratschi zum Fliegen brachte, war ein Biografieatelier, wo Menschen in Lebenskrisen sich schreibend mit ihrer Geschichte beschäftigen können. Innovage kümmerte sich um nachhaltige Strukturen und die Finanzierung.

«Bei unserer Arbeit ist es auch extrem hilfreich, dass die Innovage-Mitglieder meist gut vernetzt sind und so für die Projekte auch manchmal Türen aufgehen, die sonst verschlossen blieben», sagt Bertschi. Und was er besonders schätzt: «Die Zusammenarbeit in den Teams ist anregend, manchmal auch anspruchsvoll, ich lerne immer wieder dazu.»

Den Aufwand, den jemand leisten will, kann man selber bestimmen. «Es gibt Berater, die investieren einen Tag pro Woche für Innovage-Projekte», erklärt Bratschi. Er selber lässt es etwas ruhiger angehen. Für alle, die sich bei Innovage engagieren, gilt: «Wer sich für die Abwicklung eines Projektes meldet, der sollte auch bis zum Abschluss dabei bleiben und mitarbeiten. Das ist Innovage-Standard.»

Gibt es keine Kritik, dass die ehrenamtlichen Berater von Innovage professionelle Anbieter aus den verschiedenen Branchen konkurrenzieren und ihnen die Arbeit wegnehmen? «Nein», sagt Bratschi, «die Institutionen und Organisationen, denen wir helfen, haben in der Regel kein Geld. Sie können gar keine Honorare bezahlen.»

Grosses Potenzial im Aargau

Bisher war Innovage im Aargau nicht aktiv. Doch das soll sich nun ändern. Im Aargau ist das zehnte Innovage-Netzwerk geplant. Gesucht sind Menschen aus dem Aargau, die mit ihrem Fachwissen und ihrer Berufserfahrung nach der Pensionierung für Non-Profit-Projekte im Kanton einsetzen möchten. 20 Leute wären für den Start ideal.

Hans Bratschi wird sich dem neuen Netzwerk Aargau anschliessen. Er ist überzeugt, dass es hier genügend Menschen gibt, die sich im Kanton engagieren möchten und viele gemeinnützige Organisationen, die froh um unentgeltliche Unterstützung sind.

«Als Berner, der vor 36 Jahren in den Aargau eingewandert ist, habe ich hier halt doch immer noch die besten Verbindungen», sagt Bratschi. Und auch die Reisen nach Basel würden hinfällig.

Wer sich für Innovage Aargau interessiert, erhält am Dienstag, 9. April um 18 Uhr im Stapferhaus Lenzburg die notwendigen Informationen.

«Mit dieser Veranstaltung stellen wir auch sicher, dass Interessierte das Netzwerk Innovage vor Ort kennenlernen können und nicht wie ich auf hoher See, irgendwo zwischen Santiago und Buenos Aires», sagt Bratschi und lacht.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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