Sie heissen Körbchenmuschel, Schwarzmeergrundel oder Signalkrebs – und sie haben eigentlich im Aargau nichts zu suchen. Eigentlich. Denn hier sind sie trotzdem. Sie wurden eingeschleppt, globalisierter Warenhandel sei Dank, und zählen zu den sogenannt invasiven Arten: die Neozoen. Während Neophyten, also ungebetene Pflanzen, schon länger bekannt sind, sind Neozoen, also ungebetene Tiere, noch weniger ein Begriff.

Ein neues Buch soll das ändern: «Globi und die neuen Arten», aus der Reihe «Globi Wissen» des Zürcher Globi-Verlags. Der kultige blaue Vogel mit dem gelben Schnabel begibt sich darin auf Erkundungstour durch die Schweiz und halb Europa. Kommt mit den neuen Arten ins Gespräch, erlebt mit ihnen Abenteuer, erklärt, wie sie hierher kamen und für welche Auswirkungen sie verantwortlich sind.

Ein Sympathieträger

Der Kanton Aargau hat das Buchprojekt unterstützt: Die Abteilung Landschaft und Gewässer setzte rund 15'000 Franken ein, wie Leiter Norbert Kräuchi sagt. Damit wurden eine fachliche Begleitung durch das Naturama Aargau sowie Unterstützung des Autors Atlant Bieri finanziert. Norbert Kräuchi sagt: «Das Konzept, mit einem Sympathieträger, der seit 80 Jahren Kinder in seinen Bann zieht, die Problematik aufzugreifen, hat mich überzeugt.» Nicht zuletzt, weil mit einem Globi-Buch nicht nur Kinder, sondern indirekt auch Eltern und Grosseltern erreicht werden könnten.

Globi bei den Krebsen in Baden: Atlant Bieri auf Recherche zum Buch «Globi und die neuen Arten»

Globi bei den Krebsen in Baden: Atlant Bieri auf Recherche zum Buch «Globi und die neuen Arten»

Invasive Neobiota – so werden Neophyten und Neozoen zusammengefasst genannt – stellten eine vielfältige Herausforderung für unsere Ökosysteme und den Menschen dar. Kräuchi: «Sie verdrängen Arten, die natürlicherweise bei uns vorkommen, sie verursachen Allergien oder schädigen mit ihren Wurzeln Bauten und Infrastrukturanlagen.» Im Buch kommen mehrere Aargauer Beispiele vor: Schwarzmeergrundel, Wandermuschel, Körbchenmuschel, Höckerflohkrebs, Signalkrebs.

Ist der Aargau im Vergleich zu anderen Kantonen übermässig betroffen? «Nein», sagt Kräuchi, «nicht generell stärker als andere Kantone». Je nach Lokalklima träten unterschiedliche Arten auf. Da der Aargau zwei Drittel der Schweiz entwässere, sei er bei den aquatischen Neozoen eine Eintrittspforte.

Peter Jann, Leiter des Naturamas Aargau in Aarau, sass mit seiner Kollegin Katja Glogner und Vertretern anderer Kantone in der Begleitgruppe. Er sagt: «Wir waren das naturwissenschaftliche Gewissen bezüglich Inhalt.» Die Herausforderung bei einem solchen Sachbuch sei, anspruchsvolle Inhalte in einfacher Sprache zu vermitteln. Für die Forscher stünden die Fakten im Vordergrund, der Autor müsse daran denken, eine packende Geschichte zu erzählen. «Da wir bislang vor allem im Lehrmittelbereich tätig waren, war das eine neue Erfahrung», freut sich Jann. Globi sei ein Sympathieträger. Die meisten hätten Kindheitserinnerungen, er selber auch. Der Naturama-Chef lobt: «Dem Autor ist es gelungen, witzige Texte zu machen, die wissenschaftlich korrekt sind. Und das bei diesem anspruchsvollen Thema.»

16 von 475 Arten

Diese Sensibilisierung brauche es dringend. Das Naturama bietet Kurse an, in denen Wissenswertes über invasive Arten und den Umgang mit ihnen gelehrt wird. Laut Norbert Kräuchi befassen sich sechs Fachstellen aus drei Departementen mit der Bekämpfung dieser Arten. Für die Prävention, die koordinierte Bekämpfung und die Dokumentation sind rund 700'000 Franken im Budget eingestellt. Das reicht für die Bekämpfung von 16 der 475 gebietsfremden Arten mit Schadenspotenzial.

Auch Kräuchi gefällt das Buch sehr: «Die Bilder laden zum Entdecken ein. Die Komplexität des Themas wurde verständlich und mit einer Prise Humor umgesetzt.» Er ist überzeugt, dass dank Globi bald viel mehr Aargauerinnen und Aargauer Körbchenmuschel, Schwarzmeergrundel und Signalkrebs kennen.