Der Maiswurzelbohrer gilt als der wirtschaftlich gefährlichste Schädling für den Mais. In den USA verursacht er jährlich Kosten von ungefähr einer Milliarde Dollar, weil er bis zu 50 Prozent der Ernte zerstört. Die Larven des Käfers befallen die Wurzeln des Mais. Dadurch wird die Pflanze geschwächt, kann umfallen und absterben. In den 90er-Jahren gelangte der Schädling von Nordamerika nach Europa und wurde auch in der Schweiz – vor allem im Tessin – in Fallen gefangen.

Die kantonalen Pflanzenschutzdienste stellen jedes Jahr über 200 Fallen auf. Geht ein Käfer in die Falle, müssen vor der Maisernte Massnahmen eingeleitet werden, damit er sich nicht weiter ausbreitet. Anfang Juli sind zum ersten Mal Maiswurzelbohrer im Aargau aufgetaucht. Sie wurden in Möhlin gefangen. Seither wurde der Schädling im Fricktal und im Raum Rothrist gefunden. Inzwischen gingen bereits mehrere Dutzend Käfer in die Fallen. «Das gab es noch nie», sagt Andi Distel, Leiter Pflanzenschutzdienst des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg. Er vermutet, dass die Käfer im Fricktal aus Süddeutschland über den Rhein eingeflogen sind. Erwachsene Tiere können bis zu 70 Kilometer weit fliegen. Nach Rothrist seien sie wohl als blinde Passagiere über die Hauptverkehrsachsen gelangt.

Damit sich der Schädling nicht weiter verbreitet, hat der kantonale Pflanzenschutzdienst verschiedene Massnahmen verfügt. Über diese wurde im Amtsblatt informiert. In der Kernzone dürfen Maisproduzenten ab sofort und bis zum 30. September – so lange fliegt der Käfer – keinen frischen Mais mehr aus der Zone hinaustransportieren. Die Bauern müssen die Land- und Erntemaschinen, die auf den Maisfeldern im Einsatz standen, ab sofort mit Hochdruck reinigen, bevor sie die Kernzone verlassen. So soll verhindert werden, dass Käfer oder Eier verschleppt werden. Ausserdem dürfen die Bauern nächstes Jahr auf den Feldern, auf denen sie dieses Jahr Mais angepflanzt haben, keinen Mais anbauen. Diese Massnahme gilt auch für Bauern in der Sicherheitszone.

Insektizid ist keine Option

Laut Distel sind im Aargau etwa 800 Bauern von den Massnahmen in der Kern- und Sicherheitszone betroffen. «Für die Landwirte sind die Massnahmen – je nach Planung – mit Mehraufwand und Kosten verbunden.» Vor allem für jene, die im kommenden Jahr erneut Mais anpflanzen wollten. «Um zu verhindern, dass sich der Maiswurzelbohrer weiter ausbreitet und Schaden anrichten kann, ist das aber zwingend», sagt Distel. Das Gute am Schädling sei, dass die Larven erst im Folgejahr einen Schaden anrichten können. Wächst dann auf den Feldern kein Mais, können sie auch keine Wurzeln anknabbern.

Für die Bauern seien die Auflagen relativ streng, aber machbar, sagt Markus Bünter, Leiter Forschungsgruppe Agroscope Pflanzenschutzdienst. «Bis jetzt wirken sie.» Obwohl der Schädling immer wieder in der Schweiz auftaucht, habe er bis jetzt noch keine Schäden verursacht. Mit einem Insektizid darf er nicht bekämpft werden. Die Mittel sind in der Schweiz nicht zugelassen.