Ein schweres Erdbeben, ein Unfall in einem Atomkraftwerk, ein flächendeckender Stromausfall – in solchen Notsituationen müsste die Aargauer Regierung ihre Geschäfte vom kantonalen Kommandoposten auf der Liebegg aus führen, sieben Meter unter dem Boden. Grundsätzlich könnte man hier für unbeschränkte Zeit überleben, dafür sorgen Notstrom-, Lüftungs- und moderne Kommunikationsanlagen. Die Reserven wie Öl und Wasser sind allerdings für zwei Wochen unter Volllast ausgelegt. Bei der Führung durch die frisch renovierte Anlage fällt Regierungsrat Markus Dieth zudem auf: Es gibt nur vier Arbeitsplätze und vier Schlafmöglichkeiten für die fünf Regierungsräte. «Einer muss Wache schieben», mutmasst Dieth schmunzelnd. Guido Beljean, Sektionsleiter Militär und Bevölkerungsschutz, stellt aber klar: «Ein zusätzlicher Arbeitsplatz wird noch eingerichtet und beim Schlafen würde abgewechselt.»

Bei seiner Ansprache weist Dieth auf ein weiteres Detail hin: «Es gibt keine Gefängniszelle – du musst keine Angst haben, eingesperrt zu werden», sagt er zur ehemaligen Grossratspräsidentin Barbara Roth. Diese hatte im März 2004 unwillentlich den Standort des Regierungsbunkers verraten und dafür einen Verweis kassiert – damals war der Standort noch geheim. In der Zwischenzeit kommuniziert man offener: «Die Renovation hat 3,8 Millionen Franken an Steuergeldern gekostet, da darf man auch zeigen, was gemacht wurde», sagt Dieter Wicki, Chef Kantonaler Führungsstab. Da die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, durfte Markus Dieth als Vorsteher des Departements Finanzen und Ressourcen die Anlage an die Vorsteherin des Militärdepartements, Franziska Roth, übergeben.

Modernisiert wurden insbesondere die Telefonzentrale, die Lüftungsanlage, Sanität- und Elektroinstallationen, und die Küche. Für Kantonspolizei, Feuerwehr und Sanität ist eine kleine Einsatzzentrale integriert, von der aus Einsätze koordiniert werden können. Innert zwei Stunden ist die gesamte Anlage einsatzbereit.

Konservativ im positiven Sinne

«Der Aargau ist in Sachen Bevölkerungsschutz vorbildlich», erklärt Christoph Flury, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Bevölkerungsschutz. «Das ist wohl der modernste kantonale Kommandoposten der Schweiz.» Er werde immer wieder gefragt, ob solche Schutzbauten noch zeitgemäss seien. «Davon bin ich überzeugt», sagt Flury. Diese würden nicht nur bei zivilen Katastrophen eine Rolle spielen, auch global gesehen würden Bedrohungen zurückkehren, die überwunden schienen: «In der englischen Kleinstadt Salisbury gab es den einen Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok. Die Schwelle zum Einsatz für Massenvernichtungswaffen scheint gesunken zu sein. Ähnliche Fragen stellen sich mit Blick auf Nuklearwaffen.» Er wolle nicht den Teufel an die Wand malen, die Sicherheitspolitik müsse aber vorausschauend handeln. Mit dem Kommandoposten sei der Aargau für künftige Anforderungen gerüstet, polyvalent und bei allen Lagen und Szenarien.

Neuer Kommandoposten: Der Aargau hat jetzt den modernsten Bunker

Guido Beljean, Sektionsleiter Militär und Bevölkerungsschutz beim Kanton, nimmt Sie mit in den Bunker.

 

Gewappnet für den Ernstfall

Auch Regierungsrätin Franziska Roth macht sich Gedanken in eine ähnliche Richtung und erinnert an das Motto des Kantonalen Führungsstabes (KFS) Aargau: «Das Undenkbare denken.» Dieser Grundsatz gelte letztlich für alle Organe der Sicherheitspolitik. Dank der modernisierten Infrastruktur sei es dem KFS möglich, sofortige Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. «Ich bin zuversichtlich, er wird dies in der Sicherheitsverbundsübung 2019 unter Beweis stellen.»

Dieth weist in seiner Ansprache darauf hin, dass die Sanierung dringend notwendig war, bedenke man, wann die Anlage erstellt worden sei. «Sie können sich gut vorstellen, dass die technischen Einrichtungen nach über 30 Jahren den heutigen Vorschriften und Bedürfnissen nicht mehr gerecht wurden.» Die Planung habe zwar, das sei dem politischen Prozess geschuldet, etwas länger gedauert, die Umsetzung sei aber zügig vorangegangen. «Auch das Budget wurde diszipliniert eingehalten.» Der Bund leistet einen Subventionsbeitrag von pauschal 2,1 Mio. Franken, für den Aragau resultierte ein Nettoaufwand von 1,7 Mio. Franken.