Der rote Gebäudekomplex mit dem markanten, dunklen Glasvorbau sticht ins Auge. Seit zwei Jahren errichtet die Schöni Transport AG auf dem ehemaligen Ford-Areal für 83 Millionen Franken ihren neuen Hauptsitz. Die Standorte Wynau und Neuendorf werden auf dem 68'000 m² grossen Grundstück zusammengeführt.

Rund um das Gebäude herum heben Bagger noch Gruben aus, auch im Innern sind Bauleute beim Hämmern, Sägen und Schrauben anzutreffen. «Wir ziehen in eine Baustelle. Aber es ist, wie es ist», sagt Firmenchef Daniel Schöni.

Aufgrund von Altlasten, die vorerst beseitigt werden mussten, habe sich der Baustart verzögert. Mehr Worte will der 44-Jährige darüber nicht verlieren.

Kapelle und Personalrestaurant

Der Neubau ist in eine Lagerhalle auf fünf Etagen sowie einen Kopfbau unterteilt. In Letzterem befinden sich die Büros, das Personalrestaurant sowie ein «Grotto» als Partyraum und eine Kapelle. «Mir geht es darum, dass sich die Mitarbeiter jederzeit in die Stille zurückziehen können», sagt Daniel Schöni, der sich selber als evangelikalen Christen bezeichnet. Mitarbeiter jeder Glaubensrichtung dürften in der Kapelle Kraft tanken.

Schöni, der sich als Patron sieht, liegen seine Mitarbeiter am Herzen. «Für ein Gespräch nehme ich mir immer Zeit.» Er handelt und führt ganz nach dem seit 2003 geltenden Firmen-Slogan «Yes, we can». Die Kraft schöpft er aus dem Glauben. Ein öffentliches Bekenntnis will er ablegen, indem er den auf jeder Dollarnote aufgedruckten Satz «In God we trust», zu Deutsch «Auf Gott vertrauen wir», auf die über 300 Lastwagen schreiben lassen will. «Ich vertraue auf Gott und die Führung», sagt Daniel Schöni.

Offen und direkt zeigt sich der Unternehmer im Gespräch. Unkompliziert gelangt Daniel Schöni via Lastwagenzufahrt in seinen Neubau. Auf dem Rundgang geht es zu den Transporthallen. Hier werden täglich bis zu 1500 Tonnen Ware angeliefert und mithilfe eines Palettenbeförderers effizient verschoben. Eine automatische Kette, die sich in einer Rinne am Boden befindet, befördert die Ware mit einem Tempo von drei Kilometern pro Stunde an den gewünschten Standort. Bisher wurde die angelieferte Ware durch Mitarbeiter mit Rollis hin- und hergeschoben.

Neue Berufsausbildung 

«Im Durchschnitt haben sie bis zu 3,7 Kilometer pro Lastwagen zurückgelegt», erklärt Schöni. Durch das neue System sollte sich der Weg auf einige hundert Meter verkürzen. Auf dem Weg zum vorübergehenden Standort wird sämtliche Ware biometrisch gescannt. Das sei vor allem wichtig, damit das Stückgut, wenn es dann wieder mittels Lastwagen weiter-transportiert wird, das Maximalgewicht nicht übersteige. Zudem werde sich das genaue Wägen auch im Einnahmebereich positiv für das Unternehmen auswirken, ist Schöni überzeugt.

Nicht nur Gebäude und Standort sind neu, die Firma plant auch einen neuen Berufslehrgang. Daniel Schöni betont, dass es in der Schweiz schwierig sei, Mechaniker und Chauffeure zu finden. «Kaum einer bleibt auf diesem Beruf, sondern bildet sich weiter.» Zusammen mit der Stiftung Wendepunkt wird er deshalb im neuen Gebäude eine neue dreijährige Lehre, welche die Grundkenntnisse von Chauffeur, Logistiker und Mechaniker vermittelt, anbieten. Diese soll vor allem jenen Menschen eine Chance geben, «die willig sind, aber schulisch zu den Schwächeren gehören».

Innerhalb von kurzer Zeit erwerben die Lernenden den Führerausweis zum Lastwagenfahren, lernen beispielsweise in der Logistik den Stapler zu bedienen und während eines Jahres werden ihnen Werkstattkenntnisse vermittelt. Auch Daniel Schöni selber wird sich um die Ausbildung kümmern, indem er den Kurs «Kultur und Benehmen» leitet. «Von diesen Leuten wird nie jemand arbeitslos sein», ist der Patron überzeugt.

Neue Arbeitsplätze in Rothrist

Am Montag ziehen die ersten 200 Mitarbeiter am neuen Standort in Rothrist ein. Bis im Juni sind dann alle 350 Mitarbeitenden vor Ort. «In den nächsten fünf Jahren werden wir– je nach Wachstum – 50 bis 250 neue Arbeitsplätze schaffen», hält Schöni fest, der zusammen mit seiner Familie in Oberbipp wohnt.

Seit er 16 Jahre alt ist, arbeitet der gelernte Lastwagenmechaniker im Familienunternehmen mit. Und seither hat sich auch in der Branche viel verändert. Ware, die via Onlinehandel gekauft wird, werde nicht in Schweizer Lagerhallen aufbewahrt, das meiste komme aus dem Ausland. Auch der Konsum ausserhalb der Grenze bereite ihm Sorgen.

Da es an Chauffeuren fehlt, setzt Schöni wie seine Mitkonkurrenten auf Osteuropäer. Seit drei Jahren fahren Slowaken die Waren durch die Schweiz und Europa. Fern von Familie und Heimat werden den osteuropäischen Fahrern die neusten Lastwagen der Flotte zur Verfügung gestellt.

«Wir sind da, um die Zukunft zu gestalten», sagt Daniel Schöni. «Wir brauchen den neuen Standort, an dem wir die beiden Betriebe zusammenführen können.» Der Vater von drei Kindern im Alter zwischen 10 und 20 Jahren blickt auf die nächste Generation: «Es muss einen Schritt vorwärtsgehen.» Daniel Schöni fühlt sich auch seinen drei Geschwistern und der Mutter verpflichtet: «Ich habe eine grosse Verantwortung unserer Familienunternehmung gegenüber.»