NAB-Ende

Neuer CS-Aargau-Chef stellt trotz Schliessungen klar: In einer Viertelstunde soll jede Filiale erreichbar sein

Roberto Belci war ein NAB-Mann durch und durch.

Roberto Belci war ein NAB-Mann durch und durch.

Roberto Belci war ein NAB-Mann mit Haut und Haar. Jetzt soll er die CS-Region Aargau führen. Und damit 18 der insgesamt 30 gemeinsamen Bankfilialen im Kanton schliessen. Wie er dieser Aufgabe anging.

Es sei die grösste berufliche Herausforderung seiner bisherigen Karriere gewesen, der schwierigste Job, sagt Roberto Belci. Mehr als 20 Jahre arbeitete der Aargauer für die Neue Aargauer Bank (NAB). Doch die Marke NAB hat keine Zukunft mehr, am 25. August verkündete das Mutterhaus, die Credit Suisse (CS), das Ende der Regionalbank. Zugleich wurde bekannt, dass 18 der insgesamt 30 gemeinsamen Filialen gestrichen werden sollen. Zu den Management-Aufgaben zählte es, zu entscheiden, welche ­Geschäftsstellen weitergeführt und welche geschlossen werden.

Diese Filialen bleiben bestehen

Nun, die Würfel sind gefallen. Am Freitag hat der Chef der künftigen CS- Region Aargau bekannt gegeben, welche Filialen erhalten bleiben (siehe Karte unten) und folglich auch, welche gestrichen werden. Schon bekannt war, dass die vier CS-Filialen in Aarau, ­Baden, Rheinfelden und Zofingen per 30. November aufgehoben werden, da die NAB in den genannten Gemeinden ebenfalls Geschäftsstellen unterhält. Seit gestern ist zudem bekannt, dass die NAB-Filialen in Bad Zurzach, Buchs, Fislisbach, Möhlin, Mutschellen, Nussbaumen, Rothrist, Seengen, Sins, Spreitenbach, Unterentfelden, Unterkulm, Villmergen und Wettingen per 22. November geschlossen werden.

Die Filialen bleiben.

Die Filialen bleiben.

Man habe bei der Auswahl der zu schliessenden Filialen vor allem darauf geachtet, dass der ganze Kanton abgedeckt sei. Roberto Belci: «Mit dem Auto sollte man nicht mehr als 15 bis 20 Minuten brauchen, um in die nächstgelegene CS-Filiale zu kommen. Deshalb bleiben Geschäftsstellen bestehen, die vielleicht nicht so gross, aber von ihrer geografischen Lage her bedeutungsvoll sind.» Denn man lege nach wie vor Wert darauf, den physischen Kontakt zu pflegen, auch wenn Online-Angebote und Telefonberatungen stark am Wachsen sind. Nicht zuletzt auch dank des Coronavirus und des Lockdown hat sich die Nutzung dieser Angebote sprunghaft entwickelt. «In den ersten drei von Corona geprägten Monaten haben wir einen Entwicklungssprung von drei bis fünf Jahren gemacht», sagt Belci dazu.

Roberto Belci beim Interview.

Roberto Belci beim Interview.

Mit den Entscheidungsträgern in den betroffenen Gemeinden hat Belci schon im Vorfeld gesprochen. «Sachlich haben den Entscheid alle verstanden, emotional tut es natürlich weh, wenn man keine NAB mehr im Dorf hat», sagt Belci. In einem halben Jahr will er alle Gemeindeammänner zu einem runden Tisch einladen und mit ihnen evaluieren, was gut lief und was nicht, um dann entsprechend handeln zu können.

So viel NAB soll in der CS-Region Aargau künftig stecken

Heute herrscht aber nicht nur Klarheit bezüglich des künftigen Filialnetzwerkes, Belci nominierte auch die künftige Führungscrew der CS-Region Aargau. 17 der 20 Manager kommen von der ehemaligen NAB. Diese sollen ihre Teams in den nächsten Wochen auswählen. Der Prozess soll Anfang Oktober abgeschlossen sein. Bis dahin dürfte dann auch klarer sein, wie viele Stellen die Credit Suisse streichen wird. Zusammen zeichnen CS und NAB derzeit für rund 600 Vollzeitstellen im Kanton Aargau verantwortlich. Es dürfte kaum übertrieben sein, wenn man davon ausgeht, dass rund ein Drittel hinfällig wird.

Verständnis für Kunden zentral

Das Ende der NAB warf im Kanton hohe Wellen. Der Aargauische Gewerbeverband zum Beispiel äusserte die Befürchtung, dass der CS das Gespür für die Bedürfnisse der Aargauer KMU fehlen könnte. Belci hält entschieden dagegen: «Wir wollen innerhalb der CS zum Gradmesser werden, wenn es um Regionalität geht. Wir könnten dafür ein Vorreiter sein.» Zwei Punkte seien dafür wichtig: «Die Mitarbeitenden sind das Rückgrat, ihre Verwurzelung und ihr Verständnis für die Kunden sind zentral. Mit den Engagements zeigen wir, dass uns die Region am Herzen liegt», sagt Belci. Während man bei den Sponsoring-Engagements schon die eine oder andere Vertragsverlängerung bekanntgeben konnte, herrscht bei den Mitarbeitenden unterhalb der obersten Führungsebene noch Ungewissheit. Belci sagt:

Es sind Zeichen an den Kanton, dass man die Befindlichkeiten ernst nimmt. Denn nach Bekanntwerden des NAB- Endes gab es auch Leute und Firmen, die ihre Konten auflösten. «Aber es gab auch Neueröffnungen. Wir haben das gut im Auge und wir sind nicht beunruhigt», sagt Belci. Die Verunsicherung der Kunden kriegt er trotzdem mit. Auch er hat schon zum Telefonhörer gegriffen oder ist bei irritierten Kunden vorbeigegangen, um sie zu beruhigen.

Mehr als 20 Jahre war Roberto Belci mit vollem Herzen bei der NAB. Einige langjährige Weggefährten werden ihren Job verlieren. «Bei den Nominierungen des Managements gab es keinen Jubel, aus Respekt vor dem, was da passiert ist. Ich freue mich immer aufs Neue, aber da sind auch zwischenmenschliche Beziehungen betroffen, die kann man nicht einfach mit einer Schere durchtrennen und gut ist. Das macht schon auch nachdenklich», sagt Belci.

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