Es war eine fröhliche, kleine Reisegesellschaft, die in Brugg die bereitstehende Flirt-Komposition bestieg. Eingeladen zur Sonderfahrt mit dem Extrazug hatten die SBB; die Fahrt führte von Brugg ins Freiamt nach Muri mit Halt an allen Stationen. Dort stiegen jeweils die kleinen Delegationen der einzelnen Gemeinden zu; exakt nach 25 Minuten traf man im Klosterdorf ein; wer erwartet hatte, dass die Musik aufspielen würde, wurde zwar enttäuscht; aber der feine Apéro im Restaurant Benedikt des Klosters Muri tröstete leicht darüber hinweg.

Und die kurzen und launigen Ansprachen sorgten für eine lockere Stimmung. Schliesslich gab es da etwas zu feiern. Das Freiamt hat jetzt stündlich eine direkte Verbindung nach Brugg. Und von dort nach Baden. Man kann auch in Othmarsingen umsteigen und ist dank der S 3 schnell im Killwangen-Spreitenbach oder Zürich. Das ist erfreulich, auch deshalb, weil das Freiamt sich gar nie um diese Verbindung bemüht hat.

Lieber hätte man bessere Verbindungen Richtung Innerschweiz, nach Zug, Luzern, in die Innerschweiz. Aber da hat der Bund sich ja erst vor wenigen Tagen bei der Beantwortung des Vorstosses von Matthias Jauslin (FDP) geäussert, wie er das Freiamt einstuft: als Korridor für den Güterverkehr.

Brugg statt Innerschweiz

Aber die Freiämter sind nicht nachtragend, nehmen gerne an, was sie unverhofft erhalten. Jedenfalls bedankte sich Milly Stöckli, Vizepräsidentin der Gemeinde Muri für die neue Verbindung, vor allem aber auch für das gelungene Ausbauprojekt der Strecke und der Bahnhöfe zwischen Brugg und Muri, die 96 Millionen Franken gekostet habe. «Ich selber nutze zwar den Zug eher selten», sagte Stöckli, «aber das Freiamt ist auf einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr angewiesen.»

Im Restaurant wurde dann auch thematisiert, wie das Freiamt überhaupt zur S 25 gekommen ist. Dass das eigentlich gar nicht geplant war, sondern sich als angenehmer Nebeneffekt einer andern Massnahme erwiesen hat. Denn die wichtigste Aufgabe der S 25 ist es nicht, Freiämterinnen und Freiämter nach Brugg zu holen oder Brugger in das Freiamt. Die neue Linie soll vom Birrfeld, von Othmarsingen und Hendschiken aus Anschlüsse vorab nach Zürich bedienen und zur Entlastung des stark frequentierten Bahnhofs Lenzburg beitragen.

«Und wenn wir schon eine Linie von Brugg bis nach Hendschiken führen, lag es doch auf der Hand, die Linie gleich auch noch bis ins Freiamt zu verlängern», erklärte Hans-Ruedi Rihs, Leiter der Sektion öffentlicher Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Die «Habsburgerlinie»

Regierungsrat Stephan Attiger kam in seiner Ansprache sofort auf die auf unbestimmte Zeit vertagte Schnellzugsverbindung Richtung Innerschweiz und Tessin zu sprechen. Die Regierung vergesse dieses Anliegen keineswegs, sagte er den Freiämtern. «Der Schnellzugshalt bleibt auf der Traktandenliste», versprach Attiger. Er attestierte den Freiämtern auch, dass sie fleissige Bahnfahrer sind: Täglich benützen 8 000 Personen den Zug zwischen Hendschiken und Lenzburg; im Oberfreiamt sind es immer noch rund 3 000. Von Muri sei man jetzt in 24 Minuten in Brugg; die Wohler gar brauchten keine halbe Stunde mehr, bis sie in Baden seien. «Und die Badener in Wohlen», knurrte einer im Publikum.

Michel Berchtold, Leiter SBB Personenverkehr Region Mitte, sagte Termine und Kosten seien eingehalten worden und man sei dankbar, dass es zu keinem Unfall gekommen sei. «In Othmarsingen verkehren pro Tag 609 Züge. Das stellt hohe Anforderungen an alle Beteiligten.» Berchtold bedankte sich auch bei allen Anwohnern, die einige Immissionen zu ertragen hatten. Am Bahnhofsfest vom 3. Dezember in Othmarsingen soll gemeinsam gefeiert werden.

Schliesslich wusste der Brugger Stadtpräsident Daniel Moser, wie die neue Strecke zwingend heissen müsste: «Die neue Linie verbindet zwei Orte, die für die Dynastie der Habsburger zentral waren: Brugg und Muri. Also kann die Linie nur Habsburgerlinie heissen.»