Total 72 Millionen Franken Bundesgelder sind für den Aktionsplan Energieforschung Schweiz für fünf Kompetenzzentren vorgesehen. Mit dem Einsatz ist die Kommission für Technologie und Innovation betraut worden. Unter dem Namen Biosweet setzen sich Forschende aus zwölf Institutionen ein ambitioniertes Ziel: Sie wollen dazu beitragen, dass die Biomasse langfristig 100 Petajoule pro Jahr zur Schweizer Energieversorgung beiträgt. Diese Energiemenge entspricht 2,7-mal der jährlichen Stromproduktion im Kernkraftwerk Leibstadt. «Dazu muss man möglichst viele Arten von Biomasse berücksichtigen», sagt Oliver Kröcher, Leiter des Labors für Bioenergie und Katalyse am Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen und Direktor des Kompetenzzentrums. Neben trockener, holzartiger Biomasse muss auch die in Form von Gülle, Abfällen oder Ernteresten vorkommende nasse Biomasse angezapft werden.

Auch Algen als Energiespender

Als Vision für die Zukunft soll im Kompetenzzentrum auch die Rolle von Algen als Energielieferanten untersucht werden. Aus Algen liessen sich ebenfalls hochwertige Kraftstoffe gewinnen, und dies selbst nach der Verwertung von Feinchemikalien für die Kosmetikindustrie.

Aber nicht nur bei den Biomassesorten ist Vielfalt gefragt, auch deren Verarbeitung geschieht auf verschiedenen Wegen. Sie müssen allesamt weiter erforscht werden. Thermochemische Routen – wie sie bei der Herstellung von Methan aus Holz zum Zuge kommen – sollen genauso untersucht werden, wie die Verfahren, auf denen heute die meisten Biogasanlagen beruhen.

Forschungsthemen wie die Herstellung von Methan und flüssigen Kraftstoffen aus trockener Biomasse (Holz) und die Vergasung von nasser Biomasse werden bereits jetzt in Forschungsprojekten des PSI bearbeitet und sollen neue Impulse bekommen. Mit der Vergärung von Biomasse beschäftigen sich heute in der Schweiz primär die Fachhochschulen.

Das Kernthema Speicherung

Das Kompetenzzentrum zur Speicherung ist mit 11 Millionen Franken ausgestattet. Dieser Betrag wird von den Instituten und den Industriepartnern ergänzt, sodass das Gesamtbudget sich auf 38 Millionen Franken beläuft. Die Forschung in diesem Kompetenzzentrum ist in fünf Arbeitspakete unterteilt. Das PSI, vertreten durch das Labor für Elektrochemie, befasst sich mit drei der fünf Arbeitspakete: fortgeschrittene Batterien, Wasserstoffherstellung und -speicherung sowie katalytische und elektrokatalytische CO2-Reduktion. Letzteres mit dem Ziel, das CO2 im Abgas einer Industrieanlage nicht nur der Umwelt zu entziehen, sondern auch in wertvolle Energieträger wie Methan umzuwandeln.

Synergien zwischen Forschern

Thomas Justus Schmidt, Leiter des Labors für Elektrochemie am PSI, sieht in der Bündelung der Kapazitäten in ein Kompetenzzentrum mehrere Vorteile: Einer davon liegt in den Synergien, die zwischen bisher isoliert arbeitenden Forschungsgruppen entstehen. Dies auch dadurch, dass sie nun einen leichteren Zugang zur Infrastruktur der Partnerinstitute erhalten. Zudem zeigt sich Schmidt überzeugt, dass das Thema Speicherung mit dem Kompetenzzentrum ein institutionelles Gesicht bekommt: «Es wird dadurch einfacher für Firmen, die richtigen Experten in der Forschungslandschaft zu finden und ihre Fragen an diese Fachleute heranzutragen, um mögliche Kooperationen anzustossen.»

Die erhöhte Sichtbarkeit soll nicht nur im Inland die Sensibilisierung für dieses wichtige Thema fördern. Sie soll auch über die Landesgrenzen hinaus die wissenschaftliche Zusammenarbeit erleichtern. (AZ)