Gekröpfter Nordanflug
Neue Flugrouten: Könnte ein Flugzeug über Beznau abstürzen?

Nach der Einigung auf einen Staatsvertrag für den Flughafen Kloten kommt Gottfried Schneider ein Flugzeugabsturz von 1970 wieder hoch. Die Diskussion über die Reaktoren von AKW Beznau 1 und 2 Flugrouten zu ziehen, macht viele Anwohner nervös.

Mathias Küng
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Gottfried Schneider vor dem Gebäude, über das die abstürzende Maschine damals dicht flog.

Gottfried Schneider vor dem Gebäude, über das die abstürzende Maschine damals dicht flog.

Heike Grasser

Seit sich Verkehrsministerin Doris Leuthard und ihr deutscher Kollege Peter Ramsauer auf einen Staatsvertrag für den Flughafen Kloten geeinigt haben, läuft eine hitzige Debatte, wer in der Schweiz 20 000 zusätzliche Flüge übernehmen muss. Im Gespräch ist auch der gekröpfte Nordanflug. Käme er, flögen spätestens ab 2020 die ersten Morgenmaschinen über den Aargau und schon recht tief über das Surbtal nach Kloten. Sie flögen etwa zwischen PSI sowie den AKW Beznau 1 und 2 durch.

«Mensch, die kommt hier runter!»

Diese Aussicht weckt in Gottfried Schneider aus Wettingen schlimme Erinnerungen und Ängste. Der heute 87-Jährige hatte am 21. Februar 1970 Dienst in der Konstruktionsabteilung des seinerzeitigen Instituts für Reaktorforschung (Teil des heutigen PSI) in Würenlingen. Was er erlebte, schildert er in einer Lebendigkeit, als wäre es gestern gewesen. Plötzlich hörte er ein Flugzeug mit schrecklichem Lärm immer näher kommen. Er rief einem Kollegen zu: «Mensch, die kommt hier runter!»

Sie flog dicht über das Reaktorgebäude. Sehen konnte Schneider sie an jenem regnerisch-trüben Tag nicht – aber hören! Kurz darauf schlug die Swissair-Maschine mit 47 Menschen an Bord im Wald nebenan auf. Alle Insassen starben. Schneider: «Heute noch höre ich den Düsenlärm und die Explosion dicht im Würenlinger Waldstück.» Noch oft betete er am Gedenkstein für die Opfer jenes palästinensischen Terroranschlages.

Der Absturzort der Swissair-Coronado 1970.

Der Absturzort der Swissair-Coronado 1970.

Keystone

Es könnte sich wiederholen

Dass heute diskutiert wird, über diesem hochsensitiven Gebiet mit PSI, Zwischenlager und zwei AKW eine neue Flugroute einzuführen, findet er verrückt. Die politische Lage gerade im Nahen Osten habe sich seither nicht verbessert. Die Gefahr bestehe, dass sich so etwas wiederholt. Auch wenn die Reaktoren heute besser gesichert seien, bittet Schneider, aufgrund dieses Risikos beim Entscheid über den gekröpften Nordanflug äusserst vorsichtig zu sein. Mit diesem Wunsch ist er ganz sicher nicht der einzige im Aargau.

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