Wer seinen Energieverbrauch reduzieren will, kann beim Wohngebäude viel herausholen. Dank verschärfter Vorschriften konnte die Energiebilanz neuer Gebäude bereits verbessert werden. Knapp drei Viertel aller Häuser sind aber mehr als 25 Jahre alt. Sie bergen ein grosses energetisches Erneuerungspotenzial.

Die Strategie energieAargau sieht vor, bis 2035 den Energieverbrauch des Gebäudebestandes um insgesamt etwa die Hälfte zu reduzieren. Ein grosses Ziel, das einen langen Atem erfordert. Denn jährlich wird nur ein Prozent der Häuser saniert.

Mit der Reihe «Gebäude erneuern – mit System» ist die Abteilung Energie jetzt schon zum dritten Mal mit Informationsveranstaltungen zur Gebäudeerneuerung im Kanton unterwegs (siehe Box).

Wärmeverluste bis 25 Prozent

Diesmal liegt der Fokus beim Ersatz von Fenstern und Türen. 20 bis 25 Prozent der Wärmeverluste eines Gebäudes entfallen auf die Fenster. Ein professionell ausgeführter Fensterersatz führt zu mehr Energieeffizienz, Komfort, Sicherheit und verbessert den Schallschutz.

Stephan Kämpfen, Mitarbeiter der energieberatungAargau: «Unser Ziel ist nicht, dass man per se Massnahmen ergreift. Aber wenn Erneuerungen ohnehin anstehen, sollen sie technisch so gut wie möglich ausgeführt werden.»

Für Kämpfen ist klar, dass sich die Kosten kurzfristig, gerechnet mit den aktuell sehr tiefen Energiepreisen, nicht amortisieren lassen, aber: «Wenn man alte Fenster sowieso ersetzen muss, lohnt es sich sehr, dabei besonders auf die energetische Verbesserung zu achten. Die dafür anfallenden Zusatzkosten lassen sich amortisieren.»

Nebenbei, so Kämpfen, kann man beim Fenster- und Türenersatz zu vergleichsweise sehr tiefen Kosten den Einbruchsschutz verbessern. Folgerichtig wird an den Informationsabenden auch gezeigt, wie man dabei Einbrechern das Leben möglichst schwer machen kann. Bei neuen Fenstern helfen eine stabile Flügel/Rahmen-Konstruktion, abschliessbare Griffe etc. Bei Türen helfen ein nicht vorstehender Schliesszylinder, eine Mehrpunktverriegelung und weiteres.

Erst Fassade oder Dach oder ...

Diese Informationen können auch Leuten helfen, die unsicher sind, ob sie erst die Fassade erneuern und dämmen oder die Fenster oder das Dach erneuern sollen. Oder: Wie man vorgehen muss, damit nicht im dümmsten Fall zweimal ein Gerüst ums Haus nötig wird.

So ein Fehler kann schon bei einem Einfamilienhaus bis 4000 Franken Mehrkosten auslösen. Kämpfen: «Bei allen Bauteilen bestehen Abhängigkeiten, die man als Laie nicht voraussehen kann, es sei denn, man informiert sich vorgängig gezielt.»

Förderantrag vorher stellen

Wer es noch genauer als an den Informationsabenden wissen will, dem empfiehlt Kämpfen, einen Berater der energieberatungAargau kommen zu lassen. Die kostengünstigste Dienstleistung ist die Grobberatung, welche bereits ab 150 Franken erhältlich ist.

So eine Gebäudeanalyse kann aufzeigen, wie man das Gebäude sinnvoll weiterentwickelt, auch um die Kosten möglichst tief zu halten. Kämpfen erlebt immer wieder, dass sich Bauherren eine solche Beratung sparen und nachher unnötige Mehrkosten haben. Zum Beispiel dann, wenn sie nicht wissen, dass man den Förderbeitrag für eine energetische Erneuerung der Gebäudehülle vorgängig beantragen muss.

Wenn man sich erst meldet, wenn sie durchgeführt ist, gibt es kein Geld. Das kann sehr weh tun. Die durchschnittliche Investitionssumme der durch «Das Gebäudeprogramm» geförderten Erneuerungen der Gebäudehülle beträgt nämlich zwischen 85 000 und 130 000 Franken.

Wer alles richtig macht, kann mit Förderbeiträgen von 10 bis 15 Prozent rechnen. Schliesslich sollen die Infoabende Interessierten auch helfen, sich mit Architekten und Handwerkern besser austauschen und ihre Wünsche gezielt anbringen zu können. Kämpfen: «Als Bauherr fühlt man sich den Fachleuten dann weniger ausgeliefert.»