Neuer Lehrplan

Neue Fächer, kein neues Budget: Günstige Schnellbleiche statt teurer Weiterbildung der Lehrkräfte

Informatikunterricht in der 2. Klasse Gymnasialstufe in der Neuen Kantonsschule Aarau, aufgenommen nach der Medienkonferenz zum Schuljahresbeginn 2017/18 am 14. August 2017.

Nicht alle bisherigen Lehrerinnen und Lehrer haben das nötige Rüstzeug, um die neue Materie kompetent ihren Schülerinnen und Schüler zu vermitteln.

Informatikunterricht in der 2. Klasse Gymnasialstufe in der Neuen Kantonsschule Aarau, aufgenommen nach der Medienkonferenz zum Schuljahresbeginn 2017/18 am 14. August 2017.

Obwohl neue Fächer eingeführt werden, müssen die Weiterbildungen für Lehrkräfte mit dem gleichen Budget gedeckt werden wie bis anhin.

«Medien und Informatik», «Textiles und Technisches Gestalten» oder auch «Politische Bildung». Diese und weitere neue Fächer werden mit dem «Neuen Aargauer Lehrplan» demnächst an Aargauer Schulen unterrichtet.

Nicht alle bisherigen Lehrerinnen und Lehrer haben das nötige Rüstzeug, um die neue Materie kompetent ihren Schülerinnen und Schüler zu vermitteln. Sie müssen sich also weiterbilden. Für den Regierungsrat steht das ausser Frage.

Nur: Diese Weiterbildungen müssen mit dem dafür vorgesehenen Budget von jährlich rund neun Millionen Franken finanziert werden – für den Lehrplan 21 sind keine zusätzlichen Mittel vorgesehen.

Für den Bildungspolitiker Manfred Dubach ist das stossend: «Das reicht nicht», sagt der SP-Grossrat. Mit dem neuen Lehrplan kämen neue Herausforderungen auf die Lehrerinnen und Lehrer zu. «Es braucht in der Einführungsphase zusätzliche Mittel, damit die Lehrpersonen ihre vom Arbeitgeber verlangten Kompetenzen erreichen können». Habe sich der neue Lehrplan etabliert und würden die Lehrerinnen und Lehrer im Hinblick darauf ausgebildet, könne das Angebot wieder neu überarbeitet werden, so Dubach.

«Massiver» Bedarf

Es sei möglich, sowohl die Weiterbildungen für neue Fächer als auch schulinterne Weiterbildungen zum neuen Lehrplan mit dem bisherigen Budget zu decken, antwortet der Regierungsrat auf eine entsprechende überparteiliche Interpellation mit Manfred Dubach als Sprecher. Erreicht werden könne dies, indem bisherige, nicht mehr benötigte Angebote reduziert würden. Das ist für Dubach zwar nachvollziehbar, nur: «Es braucht in vielen Fällen mehr als eine Schnellbleiche», sagt er.

Während etwa ein Geschichtslehrer durchaus über die Kompetenzen verfüge, das neue Fach «Politische Bildung» zu unterrichten, sei der Weiterbildungsbedarf andernorts teilweise «massiv». «Das Fach ‹Natur und Technik› kann man nach Absolvieren eines zweiwöchigen Kurses nicht kompetent unterrichten», so Dubach, «das ist auch gegenüber den Kindern nicht richtig.» Dies gelte insbesondere für Lehrpersonen, die noch nach altem System ausgebildet worden sind und für die Bez-Lehrerausbildung Kernkompetenzen in zwei bis drei Fächern erlangt haben. «Die jüngeren Lehrpersonen haben eine umfassendere Ausbildung genossen. Aber es wird schliesslich verlangt, dass alle Lehrerinnen und Lehrer auch die neuen Fächer vermitteln können», sagt er.

Und: Weil der Kanton als Arbeitgeber diese neuen Kompetenzen verlange, müsse er auch die nötigen Angebote zur Verfügung stellen. «Man kann nicht voraussetzen, dass die Lehrerinnen und Lehrer die notwendigen monatelangen Weiterbildungen selber finanzieren», so Dubach. Dafür fehlten vielen sowohl die Zeit als auch die Mittel.

Konkrete Forderungen folgen

Wie hoch die Nachfrage nach geeigneter Weiterbildung ist, sehe man schon jetzt, sagt Manfred Dubach. «Für das Fach Informatik und Technik sind die Weiterbildungskurse immer ausgebucht. Das Angebot entspricht der Nachfrage überhaupt nicht.»

Der Grossrat wird jetzt die Situation mit anderen Parlamentarierinnen und Parlamentariern beurteilen und allenfalls weitere Schritte unternehmen. «Ich schliesse derzeit nicht aus, dass wir mit der konkreten Forderung nach mehr Mitteln an den Regierungsrat gelangen werden», sagt er.

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