Grüezi. Könnten Sie bitte die Tastensperre an Ihrem Telefon aktivieren? Sie rufen die ganze Zeit die Notfallnummer 144 an.» Es ist kein typischer Dialog, den der Mitarbeiter am Donnerstag Nachmittag in der neuen kantonalen Notrufzentrale führte. Im Normalfall interessieren ihn das Was und Wo, damit er so schnell wie möglich einen Krankenwagen oder eine Polizeipatrouille aufbieten und losschicken kann.

160 000 Notrufe pro Jahr gehen im Aargau über die Notfallnummern 117, 118, 144 und 112 ein. Und es werden immer mehr. Wegen der Zunahme und dem dadurch erforderlichen Kapazitätsausbau wurden die Notrufzentralen zusammengelegt. Seit dem 24. April klingeln die Telefone nur noch an einem Ort: in der neuen kantonalen Notrufzentrale im Erweiterungsbau des Polizeikommandos in Aarau.

Ein Blick in die neue Aargauer Notrufzentrale

Ein Blick in die neue Aargauer Notrufzentrale

Die neue Kantonale Notrufzentrale (KNZ) im Aargau ist seit Ende April in Betrieb – und am Donnerstag ist sie auch offiziell eingeweiht worden. Die Notrufzentrale befindet in einem Erweiterungsanbau des Polizeikommandos in Aarau und vereint den Sanitäts-, Feuerwehr- sowie Polizeinotruf.

Im Zentrum ist die Videowand

In der neuen Zentrale hat es 14 Arbeitsplätze. Im Schichtbetrieb wird hier jeden Tag und rund um die Uhr gearbeitet. Mitarbeiter der Polizei kümmern sich um die Notrufe, die über die Nummern 117, 112 und 118 reinkommen. Zwei Mitarbeitende der Sanität um die medizinischen Notrufe über die Nummer 144.

Auf jedem Pult stehen vier Bildschirme, davor eine Telefonanlage mit integrierter Tastatur. Die Tische sind alle zur Videowand ausgerichtet. Diese dominiert den Raum und bringt Regierungsrat Markus Dieth ins Schwärmen: «Da sehen Sie in Echtzeit die Polizeifahrzeuge im Einsatz – auch alle Regionalpolizeien. Eine Verfolgungsjagd kann man live mitverfolgen.»

Die Videowand ist dreigeteilt. Ganz links der Verkehr: Hier laufen die Videoaufnahmen der Kameras auf den nationalen und kantonalen Strassen rein. «Bei einem Unfall auf der Autobahn kann man die entsprechende Stelle auf dem Video heranzoomen», erklärt Florian Herzog, der Leiter Teilprojekt IT-Systeme in der kantonalen Notrufzentrale.

In der Mitte ist die Aargauer Karte mit den Polizeipatrouillen. Darauf sehen die Mitarbeitenden in Echtzeit, wo die Polizisten sind und ob sie verfügbar sind. «Grün heisst verfügbar; orange, unterwegs zum Einsatzort und rot, im Einsatz», erklärt Herzog. Für die Sanität hat es die gleiche Karte ganz rechts auf der Videowand. Die Feuerwehr hat keine Karte, weil sie als einzige Blaulichtorganisation nicht auf die neuen Systeme gewechselt hat. Zwar nimmt ein Mitarbeiter der Polizei die Telefone in der Zentrale entgegen, aber den Einsatz koordiniert der Feuerwehrkommandant selber.

Am Donnerstag hat die offizielle Einweihungsfeier stattgefunden. Regierungsrätin Franziska Roth und ihre Kollegen Markus Dieth und Urs Hofmann haben die neue Zentrale den Blaulichtorganisationen übergeben. Dieth bedankte sich bei den Mitarbeitern der Kantonspolizei für ihre «hohe Toleranz». Denn während der Bauzeit musste der Betrieb weitergehen. Konstanter Lärm und Bauarbeiter, die durch das Polizeikommando hindurchgehen, gehörten dazu.

Kantonale Notrufzentrale eingeweiht

Kantonale Notrufzentrale eingeweiht

Ob Feuerwehr, Polizei oder Sanität: Jeder Notruf, der im Kanton Aargau gewählt wird, landet bei der neuen kantonalen Notrufzentrale im Aarauer Telli.

Ein Leben gerettet

Gesundheitsdirektorin Franziska Roth betonte, wie wichtig es sei, dass Bürgern in Not «schnell und unkompliziert» geholfen wird. Dazu trage die neue Notrufzentrale bei, weil sie für schnellere Abläufe und bessere Koordination unter den Organisationen sorge.

Regierungsrat Urs Hofmann erinnerte daran, dass dank der Notrufzentrale schon das Leben eines Mannes aus dem Wynental gerettet werden konnte. Ein Mitarbeiter der Sanität hatte eine Ambulanz aufgeboten. Ein Polizist in der Notrufzentrale hatte das mitbekommen und sich via Funk erkundigt, ob eine Polizeipatrouille in der Nähe sei, was der Fall war.

Die Polizisten waren vor der Ambulanz beim Verletzten und konnten ihn bis zum Eintreffen der Sanitäter reanimieren. Er überlebte ohne Folgeschäden. «Das zeigt bereits nach kurzer Zeit die Vorteile der neuen Notrufzentrale», sagt Hofmann. Für Projekte wie dieses lohne sich das Engagement in der Politik: «Sie verbessern das Leben der Menschen im Hier und Jetzt konkret.»