Tourismus
Neue Aargau-Tourismus-Chefin: «Der Aargau wird gewaltig unterschätzt»

Die neue Direktorin von Aargau Tourismus, Andrea Portmann, ist eingewanderte Zürcherin und ein bekennender Aargau-Fan. Sie sieht im Kanton grosses touristisches Potenzial.

Jörg Meier
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Andrea Portmann, die neue Direktorin von Aargau Tourismus, in der Aarauer Altstadt, die auf sie wirkt, «als sei sie einem historischen Roman entsprungen.»

Andrea Portmann, die neue Direktorin von Aargau Tourismus, in der Aarauer Altstadt, die auf sie wirkt, «als sei sie einem historischen Roman entsprungen.»

Chris Iseli

Die neue Aargauer Tourismus-Direktorin ist ursprünglich Zürcherin. Immerhin wohnt sie seit 2002 im Aargau und sie sagt: «Ich liebe diesen Kanton.» Das ist schon einmal eine gute Voraussetzung für das doch ziemlich anspruchsvolle Amt; ihre Vorgängerin hielt sich nur gerade drei Monate.

Doch Andrea Portmann schaut nach vorn. «Der Aargau wird immer noch gewaltig unterschätzt. Ich glaube, da besteht noch viel Potenzial, vor allem in der Vermarktung. Das reizt mich.» Sie möchte Menschen und Ideen zusammenbringen, Politik und Leistungsträger gut vernetzen und dadurch die neue Tourismusregion Aargau als eigenständige Marke verankern. Diese Herausforderung ist auch der Grund, dass sie ihren Job als stellvertretende Leiterin Information im KKW Leibstadt aufgibt und in den Tourismus zurückkehrt.

Leben in der Grossfamilie

Von der Informationsvermittlerin im Auftrage des KKW Leibstadt zur Vermarkterin des touristischen Aargaus - das erscheint auf den ersten Blick doch ein ziemlich überraschender Wechsel. «Mag sein», erklärt Andrea Portmann. «Obschon das Grundprinzip der Kommunikation überall gleich ist: Wer nicht offen kommuniziert, hat verloren.» Aber es sei schon so: Was die Kernenergie betrifft, seien meist die Meinungen bereits gemacht und die Vorurteile zementiert. Was positiv aus dem Kernkraftwerk zu vermelden sei, interessiere wenig. Hingegen, was nicht funktioniere, werde gerne von den Medien aufgenommen. Deshalb freue sie sich darauf, die Vorzüge des Aargaus proaktiv unter die Leute bringen zu können.

Andrea Portmann hat in Zürich Publizistik und Germanistik studiert. Sie war später Redaktorin bei Star TV und stieg dann in die Tourismusbranche ein. Sie schrieb für verschiedene Reise- und Touristikmagazine, so auch für das Fachmagazin «Schweizer Touristik», für das sie die arabischen Länder bereiste. Sie bildete sich zur PR-Fachfrau weiter und wechselte im Jahre 2010 zur Axpo.

Andrea Portmann wohnt mit ihrem Mann, ihrer zwölfjährigen Tochter, mit ihren Eltern und der Familie ihres Bruders zusammen auf einem ehemaligen Bauernhof in Kirchdorf. «Dieses Leben in der Grossfamilie ist ein Glücksfall für mich. So ist unsere Tochter immer gut aufgehoben, auch wenn ich am Arbeiten bin.»

Aargau als Ausflugsdestination

«Der Aargau ist in erster Linie eine Ausflugs- und keine klassische Feriendestination», sagt Andrea Portmann. «Dennoch ist sein touristisches Potenzial riesig.» Der Aargau sei unglaublich vielfältig und damit attraktiv, zum Beispiel die einzigartigen Landschaften, Schlösser, Klöster und Städte; die habsburgische Vergangenheit, technologische Entwicklungen auf höchstem Niveau oder auch der ganze Wellness-Bereich – und alle diese Vorzüge befänden sich leicht erreichbar an zentralere Lage. «Dass der Aargau kein Alleinstellungsmerkmal hat – wie etwa viele Skiorte, ist ein grosser Vorteil.» Denn dadurch könne man mit verschiedenen Angeboten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse reagieren. «Wir brauchen verschiedene Standbeine, dürfen uns aber nicht verzetteln», plädiert Andrea Portmann. In vielen Bereichen sei die Tourismusregion Aargau ja bereits sehr gut aufgestellt. Als mögliche Nische mit Zukunft sieht Portmann auch den Gesundheitstourismus.

Weg vom «Fressbalkenimage»

Die neue Tourismusdirektorin wünscht sich, dass der Aargau bald einmal von seinem Image als Autobahnkanton wegkommt und nicht noch mithilft, diese Bild zu zementieren. So, wie es diesen Sommer geschehen ist. Deshalb ist auch nicht zu erwarten, dass Andrea Portmann Aktionen wie die diesjährige Sommerserie von «Schweiz aktuell» rund um den «Fressbalken» unterstützen wird.

Auch an die Aargauer hat die eingewanderte Zürcherin als bekennender Aargau-Fan einen Wunsch: «Ich wünsche mir, dass die Aargauer manchmal etwas selbstbewusster wären und stolz sind auf das, was der Aargau alles zu bieten hat.»

Und wo ist für Andrea Portmann der Aargau am schönsten? Die neue Direktorin antwortet sofort: «Mir gefällt Baden unglaublich gut.» Dann wird sie diplomatisch. Rühmt die Aarauer Altstadt, die sich präsentiere, als sei sie einem historischen Roman entsprungen, schwärmt von den Fluss- und Auenlandschaften.