Nachgefragt

Neo-Ständerat Müller: «Ich bin froh, dass es kein Zufallsmehr ist»

Philipp Müller erklärt das Rezept seines Wahlsieges. (22.11.2015)

Philipp Müller erklärt das Rezept seines Wahlsieges.

Philipp Müllers Siegesrede im Restaurant Einstein in Aarau.

Der FDP-Präsident Philipp Müller in einem kurzen Interview zu seiner Wahl in den Ständerat, seinem Unfall und wie Cédric Wermuth seinen Wahlkampf unterstützt hat.

Herzliche Gratulation zur Wahl. Glaubten Sie an einen Erfolg, als Sie erfuhren, dass auch Ruth Humbel nochmals antritt?

Philipp Müller: Wer nicht daran glaubt, darf nicht antreten. Im Wahlkampf kann man natürlich auch verlieren. Als ich davon hörte, fand ich: Jetzt erst recht. Die Bevölkerung hat jetzt gesehen, dass es drei bürgerliche Parteien mit nicht identischen Haltungen gibt.

Wie sehr haben Sie gebangt? Es war ja lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Hansjörg Knecht.

Ich sah früh, dass es reichen könnte. Ich habe nämlich in ländlichen Gmeinden rasch meinen Rückstand verkleinern können. Und ich wusste, dass ich in grösseren Gemeinden besser abschneide. Dass es dann so deutlich herauskam, liess ich mir nicht träumen. Ich bin aber froh, dass es kein Zufallsmehr ist.

«Ich bin sehr stolz»: Der Schweizer FDP-Präsident Philipp Müller gewinnt den zweiten Aargauer Ständeratswahlgang. (22.11.2015)

«Das riecht nicht nach Zufall»: Der Schweizer FDP-Präsident Philipp Müller gewinnt den zweiten Aargauer Ständeratswahlgang.

Sie hatten vor dem ersten Wahlgang einen tragischen Unfall. Dachten Sie da nicht, Sie könnten das Ständeratsziel jetzt abschreiben?

Das dachte ich an jenem schlimmsten Tag in meinem Leben. Ich bin froh, dass ich aus Respekt gegenüber der jungen Frau und ihrer Familie den Wahlkampf im ersten Wahlgang sogleich abgebrochen habe. Ich hätte unmöglich mit dieser emotionalen Belastung zur Tagesordnung übergehen können. Heute weiss ich, dass die junge Frau mittlerweile das Spital verlassen konnte und sich seit Anfang Oktober 2015 in einem Rehabilitationsprozess zur Therapie des verletzten linken Beins befindet. Ich stehe diesbezüglich in regelmässigem Kontakt mit ihrer Familie und wünsche der jungen Frau weiterhin gute Besserung.

Sie sind FDP-Präsident und auch Ständerat. Schlägt Ihr Herz im Zweifelsfall für Kanton oder FDP?

Ganz klar für den Kanton Aargau. Die Rolle als Ständerat muss man von der als Parteipräsident trennen. Ich kann das. Christian Levrat zeigt, dass es geht. Ich freue mich, den Aargau mit Pascale Bruderer vertreten zu dürfen. Wir verstehen uns auch menschlich sehr gut. Mit ihr kann man gut zusammenarbeiten – im Interesse des Aargaus.

Cédric Wermuth wollte Sie nicht im Ständerat, weil Sie dort unbotmässige FDP-Ständeräte auf Rechtskurs trimmen könnten.

Das war unser bester Werbespot (lacht)! Aber Ständeräte kann man nicht einfach «auf Kurs trimmen», liberale schon gar nicht.

Leidet die bürgerliche Zusammenarbeit, weil die CVP bewusst auch linke Stimmen suchte?

Das hoffe ich nicht. Der Wahlkampf war sehr fair. Es gab keine Verletzungen, wegen der man nachtragend sein müsste. Ich kenne Ruth Humbel und Hansjörg Knecht schon aus dem Grossen Rat. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit ihnen.

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