Aargau
Nein zu Büsi-Abschuss: Jenny will Initiative für Katzensteuer lancieren

Der Regierungsrat hält nichts von der Forderung von Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny, wildernde Büsi abzuschiessen und streunende Hauskatzen einzufangen. Jenny möchte stattdessen eine Katzensteuer und Kastrationspflicht einführen.

Pascal Meier
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FDP-Grossrat Johannes Jenny stört sich an verwilderten Katzen, da sie Vögel und Reptilien jagen. Diese Wildkatze stammt aus dem Wildpark Goldau. (Symbolbild)

FDP-Grossrat Johannes Jenny stört sich an verwilderten Katzen, da sie Vögel und Reptilien jagen. Diese Wildkatze stammt aus dem Wildpark Goldau. (Symbolbild)

Keystone/Alex Spichale

Mit dieser Forderung hat sich Johannes Jenny keine (Tier-)Freunde gemacht: Der FDP-Grossrat und Geschäftsführer von Pro Natura Aargau will die Zahl wildernder Katzen mit drastischen Massnahmen reduzieren. Denn wildernde Katzen seien oft todkrank und würden teilweise geschützte und bedrohte Tierarten jagen.

Anfang Juli hatte Jenny deshalb in einer Interpellation zu Handen des Regierungsrates gefordert, dass Jäger «streunende, verwildert im Wald angetroffene Katzen» nicht nur abschiessen dürfen, sondern einen klaren Auftrag dazu erhalten. Die Jagdverordnung solle entsprechend geändert werden.

Zudem sollen streunende Katzen eingefangen und die Besitzer gebüsst werden. Johannes Jenny schlägt eine Distanz ab 100 Metern ausserhalb der Bauzone vor. Im Wiederholungsfall soll die Katze eingeschläfert werden – dies auch, wenn der Tierhalter nicht ermittelt werden kann.

Die Reaktionen waren erwartungsgemäss heftig und gipfelten in Morddrohungen gegen den Naturschützer aus Baden-Dättwil. «Mögest Du bald verrecken», schrieb ein Katzenfreund. Er sei kein Katzenhasser, sagte Johannes Jenny damals der az. Die grosse Zahl verwilderter Katzen sei aber ein grosses natur- und tierschützerisches Problem. Nur auf diese wirklich verwilderten Tiere seien seine Vorschläge gemünzt, so Jenny.

  • Laut einer Studie sei anzunehmen, dass in der Schweiz rund eine Million Katzen Auslauf ins Freie und damit die Möglichkeit haben, wildlebende Beutetiere zu jagen. Das kann laut Regierung «lokal zu einem Problem für den Artenschutz» werden. Eine «unkontrollierte Vermehrung» von Katzen und das Entstehen von «Katzenkolonien» könnten zudem zu einem «erheblichen Tierleid» führen. Katzen seien jedoch auch ausgezeichnete Schädlingsjäger.
  • Die Jagdverordnung bezüglich ausgesetzter und verwilderter Haustiere anpassen will der Regierungsrat jedoch nicht. «Die bisherige Regelung hat sich grundsätzlich bewährt», schreibt der Regierungsrat. Eine Erweiterung des Verantwortungsbereichs der Jägerinnen und Jäger auf Haustiere erachtet der Regierungsrat als «nicht sinnvoll und nicht vertretbar». Die Jäger seien zudem bereits heute mit ihrem Einsatz zur Regulation der Wildtiere stark belastet.
  • Nichts hält der Regierungsrat auch von der Forderung, wildernde Haustiere ab einer definierten Distanz von der Bauzone einzufangen, der Polizei zu übergeben und im Wiederholungsfall einzuschläfern: Anstelle einer Einführung zusätzlicher gesetzlicher Vorgaben müssten Katzenhalter vielmehr bezüglich dieser Problematik sensibilisiert werden. Gemäss Tierschutzverordnung könne ein Tierhalter zudem dazu verpflichtet werden, alle zumutbaren Massnahmen zu treffen, um zu verhindern, dass sich Tiere übermässig vermehren.

Jenny will Katzensteuer

Johannes Jenny zeigt sich auf Anfrage der az wenig erstaunt ob der regierungsrätlichen Antwort. «Der Kanton hat das Problem zwar auch erkannt, will aber nichts tun.» Auf parlamentarischem Weg werde er nicht weiter für seine Anliegen in dieser Sache kämpfen. «Ich möchte jedoch mit Tierärzten und Tierschutz diskutieren, ob eine Volksinitiative lanciert werden soll.» Mögliche Stossrichtung ist eine Kastrationspflicht. Eine solche würde die Katzenpopulation dezimieren.

Den Staat möchte Johannes Jenny jedoch nicht mit einer solchen Aufgabe administrativ belasten. Der Naturschützer denkt deshalb laut über eine Katzensteuer nach, ähnlich jener für Hunde. Diese Katzensteuer möchte Jenny mit einer Kastrations- und Chippflicht vernüpfen. Jenny setzt dabei auf das Anreizsystem: «Wer seine Katze kastriert, soll eine tiefere Katzensteuer bezahlen müssen. Wer seine Katze nicht kastrieren will, zahlt mehr.» Weil die meisten Privatpersonen ihre Büsi kastrieren, würde dies in erster Linie Landwirte betreffen, die dies oft nicht tun.