Energiewende

Neben der SVP bleibt keine Partei so unbeirrt auf dem Atomkurs

Die Mehrheitsmeinung unter den Nationalratskandidaten ist klar: Das jüngste Schweizer Kernkraftwerk in  Leibstadt wird auch das letzte bleiben.

Die Mehrheitsmeinung unter den Nationalratskandidaten ist klar: Das jüngste Schweizer Kernkraftwerk in Leibstadt wird auch das letzte bleiben.

Nur 60 von fast 300 Aargauer Nationalratskandidaten würden heute noch den Bau eines neuen Atomkraftwerks befürworten. Vor den letzten Wahlen war der Glaube an die Energiewende allerdings noch grösser.

Die BDP nimmt für sich das Verdienst in Anspruch, in der Debatte um die Energiewende eine prägende Rolle zu spielen. Sich als erste bürgerliche Partei für einen geordneten Atomausstieg eingesetzt zu haben ist die «unique selling proposition», das Alleinstellungsmerkmal, das man im Wahlkampf gerne betont.

Sie gehöre «zu den zukunftsgewandten Kräften, die das Heil nicht in der Vergangenheit suchen, wie es die FDP und SVP mit ihrem krampfhaften Festhalten an der Atomenergie tun», schreibt die BDP Schweiz im Factsheet zu ihrer Wahlkampagne.

Die Botschaft ist scheinbar nicht zu allen Aargauer Nationalratskandidaten durchgedrungen. Ob die Schweizer Atomkraftwerke zur Sicherstellung des Energiebedarfs zum Ende der Laufzeit durch neue ersetzt werden sollen, lautet eine Frage zur Erstellung der Kandidatenprofile auf der Vimentis-Wahlplattform.

Immerhin fünf Kandidatinnen und Kandidaten der BDP sind dafür oder eher dafür, also fast ein Drittel. Im bürgerlichen Spektrum nimmt die BDP damit im Aargau punkto Energiewende keine Sonderstellung ein.

Wohl bekennen sich sieben ihrer Kandidaten klar zum Atomausstieg und drei sagen «eher» Nein zum Bau eines neuen Atomkraftwerks, bei der CVP ergab der Vimentis-Fragebogen aber ein noch deutlicheres Bild: Neun klare und drei «eher» Ja zum Atomausstieg.

Wer genau mitgezählt hat, wird es bemerkt haben: die Rechnung geht nicht ganz auf. Annelies Schnyder von der BDP zog bei der Atomfrage einen Joker und kreuzte «weiss nicht an», Marianne Binder von der CVP liess die Frage ganz unbeantwortet.

Ist die BDP nun wirklich eine wahre bürgerliche Energiewende-Partei oder sind fünf AKW-Befürworter auf der Nationalratsliste dafür doch etwas viel? Parteipräsident und Nationalrat Bernhard Guhl erklärt die hohe Abweichler-Rate damit, dass im Aargau (wo drei der fünf Schweizer Kernkraftwerke stehen) auch viele Arbeitsplätze mit der Kernenergie verbunden sind und diese deshalb auch in den Kreisen «seiner» BDP Akzeptanz finde.

Sorgen macht ihm das nicht: «Die Frage ist gar nicht relevant. Der Bau neuer Atomkraftwerke ist für die Energiewirtschaft kein Thema, Axpo oder Alpiq wüssten nicht, wie sie das finanzieren sollen.»

Mehrheit für Energiewende

Über das ganze Kandidatenfeld aller Parteien betrachtet, ist die Mehrheit übrigens erdrückend: Gut 70 Prozent wollen die Energiewende, nur für knapp 30 Prozent bleibt der Bau neuer Atomkraftwerke eine Option.

Klar auf Atomkurs sind die SVP-Kandidaten: Elf von ihnen sprechen sich klar, vier zumindest eher für ein Festhalten an der Kernenergie aus. Gegen den Bau neuer Atomkraftwerke hat in der Vimentis-Befragung kein einziger SVP-Kandidat Stellung bezogen.

Die Freisinnigen dagegen sind gespalten, auf ihrer Liste halten sich Befürworter der Kernkraft und Anhänger der Energiewende praktisch die Waage: sieben Stimmen für oder eher für neue Atomkraftwerke, sechs dagegen oder eher dagegen.

Im links-grünen Lager gibt es keine Abweichler. Alle Kandidaten von SP, Grünen und auch Grünliberalen stehen für den Atomausstieg ein. Das gilt auch für die elf Kandidaten der EVP, die den Vimentis-Fragebogen ausgefüllt haben: neun sind klar und zwei zumindest eher dagegen, dass in der Schweiz ein neues Kernkraftwerk gebaut wird.

Ein gesamtschweizerischer Vergleich zeigt: Im AKW-Standortkanton Aargau stösst die Kernenergie bei den Kandidaten von SVP, FDP und BDP auf eine überdurchschnittlich hohe Akzeptanz, während bei der CVP gesamtschweizerisch weniger Kandidaten an die Energiewende glauben als im Aargau.

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