Atommüll im Bözberg
«Neben dem Tiefenlager droht der Region ein schlechtes Image»

Die Nagra hat den Bözberg als geeigneten Standort für ein Tiefenlager bestimmt, dieser Entscheid löste wenig Begeisterung aus. Die Regionalkonferenz Jura Ost liess sich von Bund, Nagra und Regierung informieren.

Mathias Küng
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Bau- und Energiedirektor Stephan Attiger legt vor der Regionalkonferenz die Haltung der Kantonsregierung dar. Chris Iseli

Bau- und Energiedirektor Stephan Attiger legt vor der Regionalkonferenz die Haltung der Kantonsregierung dar. Chris Iseli

Chris Iseli

Vor einem Monat gab die Nagra bekannt, dass sie sich bei der Tiefenlagersuche auf die Standorte Zürich Nordost (Benken) und Jura Ost (Bözberg) konzentrieren will. Entscheiden wird der Bundesrat. Darüber will man in den betroffenen Regionen aber natürlich jetzt schon Genaueres wissen.

So stellten sich Spezialisten von Bund und Nagra in Brugg der Kritik und den Fragen von 63 Mitgliedern der Regionalkonferenz Jura Ost. Der Co-Präsident und Gemeindeammann von Riniken, Ueli Müller, verriet kein Geheimnis, als er sagte, es gebe nicht wahnsinnig viele Leute in der Region, die das Tiefenlager wollen. «Aber», so Müller: «Sie gehen es relativ pragmatisch an.»

Es brauche schliesslich eine Lösung und klar sei, dass nur der sicherste Standort infrage kommt. Er rief dazu auf, nicht die Region schlechtzureden, in der Hoffnung, man lasse dann die Finger von ihr. Falls es dann doch käme, schösse man ein Eigengoal. Denn dann hätte man das Lager und ein schlechtes Image.

Vertreter des Bundes und der Nagra betonten, derzeit liege erst ein Vorschlag der Nagra auf dem Tisch. Entscheiden werde der Bundesrat. Und der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger bekräftigte, wie sehr die starke Nagra-Eingrenzung auf nur noch zwei Standorte die Regierung überrascht habe. Es wäre ja kaum mehr möglich, dereinst zurückgestellte Standorte zu reaktivieren, wenn sich schliesslich weder Zürich Nordost noch Jura Ost als geeignet erweisen sollten.

Einig sei man sich, dass niemand das Tiefenlager wolle, aber auch, dass dafür nur der sicherste Standort infrage komme. Jetzt will der Kanton die Unterlagen und Erkenntnisse der Nagra intensiv prüfen, mit Planungsverbänden, Regionalkonferenzen usw. zu sprechen. Ziel ist, so Attiger, «dass der Aargau 2016 dann in seiner Stellungnahme gegenüber dem Bund möglichst mit einer Stimme spricht».

Die Möglichkeit, Fragen zu stellen, wurde gern genutzt. So stellte Robert Obrist als Vertreter der Grünen in der Regionalkonferenz erstaunt fest, dass die Nagra den Wellenberg, den sie einst «mit aller Gewalt» gewollt habe, jetzt einfach so springen lasse. Obrist: «Das fördert die Glaubwürdigkeit der Nagra nicht.» Ein Nagra-Vertreter antwortete, damals habe ein ganz anderes Verfahren gegolten. Zudem erfüllten alle sechs Standorte die Sicherheitsanforderungen, auch der Wellenberg.

Nagra-Spezialist Philipp Senn konnte dafür einen süddeutschen Fragesteller beruhigen, der sich sorgte, die geplanten Bohrungen könnten Erdbeben auslösen. Hier sei nichts dergleichen geplant wie in Basel, wo man zwecks Geothermienutzung Fracking betrieben und ein Erdbeben ausgelöst hat. Von schon durchgeführten früheren Bohrungen auf der Tiefenlagersuche kenne man keine solchen Nebenwirkungen.

Das Bundesamt für Energie organisiert am 7. März, 10–14 Uhr, einen Treffpunkt Tiefenlager, Turnhalle Oberbözberg.