Katzenexperiment
Naturschützer Jenny hat nichts gegen Katzen, aber: «Es wäre interessant, faulere Katzen zu züchten»

Wie gross ist eigentlich ein Katzenrevier? Und sind alle Katzen nachtaktiv? Johannes Jenny gibt Auskunft über das Verhalten der Tiere und die Problematik ihres Jagdtriebs.

Dominic Kobelt
Merken
Drucken
Teilen
Grossrat Johannes Jenny ist kein Katzenhasser – er hatte selbst bis vor einem Jahr einen Kater.

Grossrat Johannes Jenny ist kein Katzenhasser – er hatte selbst bis vor einem Jahr einen Kater.

Chris Iseli/Archiv

Die az verfolgt diese Woche die Wege der Kater von Johanna Bereuter. Ein GPS-Halsband wird zeigen, wo sich Bimbo und Jogy herumtreiben. Zeigen die beiden ein typisches Verhalten? Grossrat Johannes Jenny ist Geschäftsführer von Pro Natura Aargau und kennt sich mit Katzen aus. Er hat mit seinen politischen Vorstössen schon für kontroverse Diskussionen unter Katzenhaltern gesorgt.

Das Bewegungsprofil zeigt, wo sich Bimbo herumgetrieben hat.

Das Bewegungsprofil zeigt, wo sich Bimbo herumgetrieben hat.

Dominic Kobelt

Herr Jenny, sie haben den Abschuss wilder Katzen gefordert und auch eine Katzensteuer. Sind Sie ein Katzenhasser?

Johannes Jenny: Überhaupt nicht. Bis vor einem Jahr hatten wir selbst eine Katze und wir waren alle sehr traurig, als unser Familienmitglied «Leon» starb.

Welche Reaktionen haben Sie auf Ihre politischen Vorstösse erhalten?

Vom blanken Hass bis hin zu Verständnis, auch von Katzenbesitzern.

Das Problem ist ja, dass die Katzen Kleintiere jagen, die teils vom Aussterben bedroht sind. Durfte ihre Katze draussen jagen?

Nein, unser Kater lebte drinnen und war kastriert.

Ist es artgerecht, wenn man eine Katze nicht nach draussen lässt?

Wenn man eine Katze von Anfang an drinnen hält und ihr Beschäftigungsmöglichkeiten gibt, dann geht das problemlos. Man kann aber nicht eine Katze, die ihr Leben lang draussen war, plötzlich in der Wohnung einsperren.

Die beiden Kater, die wir beobachten, bewegen sich bisher nur etwa 300 Meter von ihrem Zuhause weg. Wie gross ist ein Katzenrevier?

Das ist sehr individuell. Von zwei Katern kann man sicher noch keine Schlüsse auf Katzen im Allgemeinen ziehen. Typischerweise laufen zum Beispiel Bauernhofkatzen sehr viel herum, auf der Suche nach Beute – bei denen ist es ja auch gewünscht, sie sollen Mäuse jagen. Das Alter spielt ebenfalls eine Rolle. Und wenn ein Kater kastriert oder eine Katze unterbunden ist, hemmt das meistens den Jagdtrieb. Es ist aber auch eine Charakterfrage, respektive eine genetische Veranlagung. In diesem Zusammenhang wäre es interessant, ob man faulere Katzen züchten könnte, die nicht so viel jagen.

Das Bewegungsprofil zeigt, wo sich Jogy herumgetrieben hat.

Das Bewegungsprofil zeigt, wo sich Jogy herumgetrieben hat.

Dominic Kobelt

Können die Besitzer etwas tun, um den Jagdtrieb einzuschränken?

Ja, wenn eine Katze Vögel mit nach Hause bringt, dann kann man ihr ein Glöckchen oder eine farbige Halskrause anlegen, das mindert den Jagderfolg um etwa 75 Prozent. Wenn eine Katze am Morgen jagen geht, dann ist sie eher auf Reptilien aus, weil diese sich auf Steinen wärmen und dann noch langsam sind. Dann sollte man sein Haustier nach Möglichkeit in den frühen Morgenstunden nicht rauslassen.

Unsere az-Kater waren in der Nacht sehr aktiv. Ist das typisch?

Auch hier gibt es grosse Unterschiede. Wenn sie in der Nacht unterwegs waren, dann haben sie sicher keine Reptilien gejagt, sondern kleine Säugetiere. Oft ist es aber auch wetterabhängig, ob eine Katze weite Strecken zurücklegt oder nicht.

Gibt es zu viele Katzen?

Das Problem ist, dass eine einzige Katze am verkehrten Ort eine ganze Population Zauneidechsen ausrotten kann. Es ist natürlich sehr frustrierend, wenn man im Zuge des Artenschutzes gute Bedingungen für diese bedrohte Art schafft, und es an einer Katze scheitert. Es gibt aber auch Orte, an denen es viele Tiere verträgt.

Welche Tiere sind noch gefährdet?

Zum Beispiel Blindschleichen, der Bestand kann aber meistens gut ausgeglichen werden, weil es viele Komposthaufen gibt, in denen gute Lebensbedingungen herrschen. Problematisch wird es für bodenbrütende Vögel wie den Flussregenpfeifer. Wir hatten einen Fall, wo ein Flussregenpfeifer auf einer Kiesinsel gebrütet hat, in der Nähe war eine wilde Katze. Zum Glück hat sie ihn nicht erwischt. Katzen sind zwar nicht der einzige Faktor, es kann aber der entscheidende sein.

Die az-Katzen haben sich bisher nicht in den Wald gewagt. Wenn man im Wald eine Katze antrifft, ist es dann zwangsläufig eine wilde?

Nein, auch Haustiere gehen in den Wald.

Sie haben den Abschuss wilder Katzen gefordert. Sind die denn von den Hauskatzen zu unterscheiden?

Ich sage es mal so: Die Jäger, die ich kenne, können das sehr gut. Es gibt aber immer Ausnahmen, und wenn eine Hauskatze abgeschossen wird, dann kommt das natürlich auch gross in der Zeitung, wohingegen die gute Arbeit der Jäger wenig Beachtung findet.

Wie erkennt man eine wilde Katze?

Sie sind meist abgemagert und sehr scheu. Oft sind sie auch krank. Es ist nicht nur ein Problem für die Beutetiere, auch den Katzen selber geht es nicht gut.

Gibt es viele wilde Katzen?

Ja. Der Kanton Aargau hat Fotofallen aufgestellt, um den Bestand von Baummardern zu untersuchen. Dabei hat man gemerkt, dass viele wilde Katzen, die weit weg von der Zivilisation leben, von den Fotofallen erfasst wurden.