Seit zehn Uhr morgens steht Johannes Jenny in seiner Schürze an seinem Stand vor der Migrosbank an der Badstrasse in Baden und rührt mit der grossen Holzkelle im Kochtopf. Unter dem Motto «Nachhaltigkeit in Form von Krähensuppe schlürfen» verteilt der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau und FDP-Grossrat das unkonventionelle Menu an Passanten: «Hier, wollen sie etwas Krähensuppe probieren?», fragt Jenny eine Fussgängerin. Diese schaut ungläubig in den dampfenden Topf: «Nein, das glaube ich Ihnen nicht!»

Krähensuppe für alle

Krähensuppe für alle

Der FDP-Grossrat Johannes Jenny verfolgt einen tierisch speziellen Wahlkampf: Der Naturschützer hat in Baden Krähensuppe verteilt.

Immer mal wieder erntet der Politiker solch skeptische Blicke, im Grossen und Ganzen jedoch sind die Reaktionen der Passantinnen und Passanten überaus positiv: «Die Tiere werden sowieso geschossen – da kann man sie ja auch gleich essen», meint eine Frau. Ein älterer Herr bläst ins gleiche Horn: «Hühner sind Vögel, genauso wie Krähen – weshalb auch nicht?» Eine ältere Dame ist gar extra für die Suppe in die Stadt gekommen: «Merci vielmals, es war ausgezeichnet. Es hat sich wirklich gelohnt, nach Baden zu kommen.»

Schmeckt mehr als nur passabel

Und wahrlich, der Eintopf schmeckt mehr als nur passabel – mit ein wenig Salz und Pfeffer gar hervorragend. Für die rund 25 Liter Suppe hat der Grossrat ganze 45 Krähen verarbeitet. Das Grundrezept dafür hat der FDP-Politiker aus dem Internet, die Vögel von einem Jäger. Und es ist nicht das erste Mal, dass er das ungewohnte Menu kocht: «Man kauft die Katze nicht im Sack», so Jenny, «ich habe die Suppe mit meinen Freunden bereits ausprobiert.» Er sei dabei selbst erstaunt gewesen, wie gut die Kreation ihnen allen mundete. Geschmacklich erinnert das dunkle Krähenfleisch dabei überraschenderweise eher an Rind oder Wild denn Hühnchen.

Immer mal wieder sorgt der FDP-Kandidat mit Aussagen und Aktionen für Aufsehen. Seine Forderung, wildernde und streunende Katzen abzuschiessen, brachten ihm gar Morddrohungen ein. An diesem Morgen verläuft jedoch alles friedlich. «Manchmal muss man einen Stein ins Wasser schmeissen – man sollte allerdings auch die Wellen sehen.» So will Jenny mit dieser Aktion nicht in erster Linie provozieren, sondern auf die Problematik bezüglich der Krähen aufmerksam machen: «Für viele Bauern sind die Krähen ein Problem.» Der Schaden, welchen die Vögel anrichten, sei erheblich – und niemand möge «beschissenen» Salat essen, wie er in seinem Informationsblatt schreibt. Um solche Schäden zu verhindern, werden Krähen geschossen.

Sinnvolle Verwertung

Mit dieser Aktion plädiert der Politiker für eine sinnvolle Verwertung der Tiere; diese würden sonst statt auf dem Teller in der Kadaverentsorgung landen. «Es ist aber nicht das Ziel, möglichst viele dieser Vögel zu schiessen», stellt Jenny klar. Die Krähen würden merken, dass es auf den Feldern gefährlich sei und diese dann meiden.