Kurioser Vorstoss

Naturschützer Jenny will, dass Jäger streunende Büsis abschiessen müssen

FDP-Grossrat Johannes Jenny stört sich an verwilderten Katzen, da sie Vögel und Reptilien jagen. Ausgerechnet der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau fordert, dass Jäger die Büsis abschiessen müssen.

FDP-Grossrat Johannes Jenny stört sich an verwilderten Katzen, da sie Vögel und Reptilien jagen. Ausgerechnet der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau fordert, dass Jäger die Büsis abschiessen müssen.

FDP-Grossrat Johannes Jenny stört sich an verwilderten Katzen, da sie Vögel und Reptilien jagen. Ausgerechnet der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau fordert, dass Jäger die Büsis abschiessen müssen. Für Hauskatzen soll eine Ausgangssperre gelten.

«Freilaufende Politiker wie Sie einer sind, sollte man auch erschiessen dürfen.» Solche Mails trafen bei Johannes Jenny ein, nachdem das SRF-Regionaljournal über seinen jüngsten Vorstoss im Grossen Rat berichtet hatte.

Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, fordert Massnahmen, um die Population verwilderter Hauskatzen zu dezimieren. Die Tiere würden selber häufig unter zahlreichen Krankheiten leiden und elendiglich verenden. Zuvor würden sie aber erheblichen Schaden an den Populationen teilweise geschützter und bedrohter Arten anrichten.

Jäger sollen herrenlose Katzen erschiessen dürfen

Jäger sollen herrenlose Katzen erschiessen dürfen

Jenny macht in einer Interpellation deshalb zwei brisante Vorschläge:
- Die Jagdverordnung soll so geändert werden, dass Jäger «streunende, verwildert im Wald angetroffene Katzen» nicht nur abschiessen dürfen, sondern einen klaren Auftrag dazu erhalten.
- Streunende Katzen sollen in einem bestimmten Rayon (Jenny schlägt als Beispiel eine Distanz ab 100 Metern ausserhalb der Bauzone vor) eingefangen und die Besitzer, falls sie ermittelt werden können, gebüsst werden. Im Wiederholungsfall: Katze einschläfern.

Katzen GIf

Stubentiger unter Hausarrest stellen und zum Abschuss freigeben, da bleiben die geharnischten Reaktionen natürlich nicht aus – und nicht über der Gürtellinie. «Mögest Du bald verrecken», schrieb ein Katzenfreund. Er sei kein Katzenhasser, sagt Johannes Jenny, im Gegenteil: In seinem Haus herrscht in diesen Tagen echte Trauer um ein echtes Familienmitglied.

Die Jennys mussten sich schweren Herzens entscheiden, die eigene kranke Katze einschläfern zu lassen. Es gehe ihm auch nicht darum, dass eine frei herumlaufende Katze auch mal einen geschützten Vogel oder eine Zauneidechse erwischt. Die grosse Zahl verwilderter Katzen sei aber ein echtes natur- und tierschützerisches Problem. Nur auf diese wirklich verwilderten Tiere seien seine Vorschläge gemünzt, so Jenny.

Falsch verstandene Tierliebe

Er ist überzeugt, dass die Jäger ihren Auftrag verantwortungsvoll wahrnehmen und sehr wohl unterscheiden können, ob sie ein tatsächlich verwildertes Tier oder eine Hauskatze vor sich haben, die bloss ihren Entdeckungs- und Jagdtrieb auslebt. Dass einmal ein Fehler passiert, sei nicht auszuschliessen, räumt Jenny ein. Aber er beurteilt das ganz nüchtern: «Dass viele verwilderte Katzen elendiglich verenden, ist das relevantere Tierschutzproblem als das Risiko, dass es eine falsche treffen könnte.»

Katze Imgur

Mit einer verbindlichen Regelung in der Jagdverordnung, wie mit streunenden Hunden und Katzen zu verfahren ist, will der Naturschützer die Jäger von ihrer alleinigen Verantwortung entlasten. Heute könnten sie «wegen falsch verstandener Tierliebe einer naturfernen, urbanen Bevölkerung ihren Dienst an Haus- und Wildtieren kaum mehr wahrnehmen», schreibt Jenny in seiner Interpellation. Üblen Beschimpfungen zum Trotz glaubt er, mit dem Vorstoss eine Diskussion über ein Tabuthema auslösen und Verständnis dafür wecken zu können, «dass ein sauberer Schuss die bessere Lösung sein kann».

Und die Jäger? Sind sie überhaupt interessiert an einem Abschussbefehl oder haben sie Angst, es sich mit der «naturfernen, urbanen Bevölkerung» zu verderben? Er begrüsse die Diskussion, sagt Rainer Klöti, Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins. Die Kompetenz zum Abschuss verwilderter Haustiere werde heute tatsächlich wenig wahrgenommen. Die Jäger seien bereit, ihre Verantwortung zu übernehmen, wenn sie einen klaren Auftrag hätten. Den würde man annehmen, aber unter der Bedingung, dass zuvor eine breite Diskussion stattfindet und alle involvierten Kreise, insbesondere der Tierschutz, am gleichen Strick ziehen.

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