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Naturforschende bringen Chemie, Physik und Biologie in die Volksschule

Fritz Wenzinger und seine Kollegen machten sich Sorgen, wie wenig junge Leute über die Welt wissen. (Symbolbild)

Interesse und Neugier wecken ist das Ziel von Fritz Wenzinger und seinen Kollegen von der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft. Bei ihrem Projekt geht es hauptsächlich darum, jungen Leuten Wissen über die Welt zu vermitteln.

Es war an einer Gewerbeausstellung in Brugg/Windisch. Irgendwann, es muss vor 2014 gewesen sein. Das ist wichtig, damit man sieht, dass es nichts Kurzfristiges ist. Kein Hype – «alle Kindergärtler müssen programmieren» –, dem nachgelaufen werden muss. «Wir müssen irgendetwas machen», das ging Fritz Wenzinger durch den Kopf. Ein solcher Satz hat nicht unbedingt einen guten Klang. Einigen Leuten wird Heinrich Bölls Kurzgeschichte «Es wird etwas geschehen» in den Sinn kommen. Dort wird der Aktionismus der Arbeitswelt gegeisselt. Noch mehr leisten, mehr und mehr, bis man selbst nicht mehr weiss, was man gerade macht.

Die Idee von Fritz Wenzinger war gerade umgekehrt. Ihm und seinen Kollegen geht es ums Wissen, weniger ums Machen. Sie machten sich Sorgen, wie wenig junge Leute über die Welt wissen. Und zwar von den naturwissenschaftlichen Grundlagen her. Heute – und vielleicht schon damals – redet man von MINT-Fächern. Und von den Bedürfnissen der Industrie und der Gesellschaft an jungen Fachleuten, die in Mathematik, Informatik, Chemie und Physik Bescheid wissen.

Interesse und Neugier wecken

Viel zu spät würden die Schüler mit diesen Dingen konfrontiert, fanden Wenzinger und seine Kollegen. Man muss wissen, dass Fritz Wenzinger damals auch Präsident der ANG, der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft, war. Anstatt unter gestandenen Naturwissenschaftern sich auszutauschen, wäre es doch auch eine gute Idee, all diese Dinge jungen Menschen näher zu bringen. Runde 30 Mitglieder hätten Interesse gezeigt, als er einmal so unverbindlich rumgefragt habe. Aus 28 ernsteren Interessenten wurden dann 8 ANG-Mitglieder und Kollegen, welche mitmachen wollten.

Die Idee war, die Naturwissenschaften in die Volksschule zu bringen. Der Fächerkanon sieht das aktuell noch nicht vor. Man muss es ja auch nicht flächendeckend unterrichten, sagten sich Wenzinger und Co. Aber Interesse und Neugier wecken, das wäre gut. Heute nennt man das Workshop, es umfasst drei «Lektionen» à zwei Stunden. Aus ihren Materialkoffern rüsten die ANG-Leute vier Arbeitstische aus, insgesamt 20 Schüler können unter Anleitung diverse Experimente durchführen. «Naturkunde», aber schon ein bisschen in Richtung Chemie, Physik und Biologie. Als Ergänzung zum «normalen» Schulunterricht gedacht.

Praxis und Grundlagen

Fritz Wenzinger legt grossen Wert auf Praxis. Schliesslich hat er sein Chemiestudium auch nach absolvierter Laborantenlehre angefangen. Seine Kollegen kommen denn auch fast alle von der angewandten Wissenschaftsseite her. Gerätemechaniker, welche die Apparate im Kantonsspital gewartet haben, Ingenieure mit Berufspraxis, Architekten, Elektriker. Trotzdem will Wenzinger auch Grundlagen vermitteln. Level 1 richtet sich mehrheitlich an 4.–5. Klassen und ab 5.–6. Klasse gibt es Level 2. Da geht es schon etwas anspruchsvoller zu. Wenzinger und seine Kollegen arbeiten freiwillig, finanziert wird das Projekt durch Beiträge von SCNAT (science nationale) und andere Sponsoren. Benötigt werden 5000 Franken im Jahr für Material und die Spesen der Equipe. Lehrer oder Schulleiter können sich melden, wenn sie das Angebot nutzen wollen.

«Die Lehrer schätzen das», sagt Wenzinger. Gefühle, da würde sich jemand von aussen in den Lehrbetrieb einmischen, gebe es nicht. Auch die Alte Kantonsschule Aarau hilft mit. Sie stellt an drei Samstagen (10., 17. und 24. November) einen eingerichteten Lehrsaal zur Verfügung. Am Vormittag wird das Level 1 vermittelt (ausgebucht), für das Level 2 (Level 1 sollte absolviert sein) am Nachmittag sind noch Plätze frei.

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