Wahlen
Nationalrat: Tritt Ecopop-Thommen gegen die eigene Partei an?

Andreas Thommen, Ex-Präsident der Grünen Aargau, überlegt sich eine Kandidatur für den Verein Ecopop. Tritt er an, wird er bei den Grünen austreten. Nach der verlorenen Ecopop-Abstimmung hatte er noch betont, dass er dies trotz Differenzen beim Thema Ecopop nicht beabsichtige.

Urs Moser
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Ecopop-Geschäftsführer Andreas Thommen.

Ecopop-Geschäftsführer Andreas Thommen.

EMANUEL PER FREUDIGER

Der Verein Ecopop lässt sich vom durchschlagenden Misserfolg seiner Initiative zur Begrenzung der Einwanderung nicht entmutigen. Ecopop-Vertreter wollen im Herbst in verschiedenen Kantonen zu den Nationalratswahlen antreten.

Damit dürfte das politische Spektrum auch im Aargau um eine Gruppierung reicher werden. In welchen Kantonen und mit wem man antrete, werde «zu gegebener Zeit publiziert», teilte der Verein am Wochenende zwar mit, es wäre aber schon ziemlich merkwürdig, wenn das ausgerechnet im Aargau nicht der Fall wäre.

Erstens hat man sich zum Ziel gesetzt, in den «grössten Kantonen» anzutreten, um «den langfristig denkenden Menschen eine Alternative zur Wachstumsgläubigkeit» zu bieten. Und der Aargau ist schliesslich der viertgrösste Kanton.

Zweitens nimmt der Aargau eine recht dominante Stellung in der Ecopop-Bewegung ein, es stehen mehrere Aargauer an vorderster Front im Ecopop-Vorstand.

Entschieden sei noch nichts, aber die Chance sei natürlich schon gross, dass man hier auch Kandidaten stellen werde, sagt Vizepräsidentin und Mediensprecherin Cornelia Keller, ebenfalls im Aargau, in Bözberg zu Hause.

Fest steht: Wo Ecopop-Leute zu den Nationalratswahlen antreten wollen, werden sie sich nicht um einen Platz auf Listen bestehender Parteien bewerben, sondern als eigenständige Gruppierung mit einer eigenen Liste an den Wahlen teilnehmen.

So etwa in einem Monat werde man Konkreteres sagen können, stellt Cornelia Keller in Aussicht. Keine Partei, auch keine aus dem links-grünen Spektrum, stelle ein unaufhörliches Wachstum ernsthaft infrage. «Darum sind wir der Meinung, dass es unsere Stimme braucht», sagt sie zur Idee, aus Ecopop im Hinblick auf die Wahlen quasi eine Partei zu machen.

Der Spitzenkandidat für eine Aargauer Liste wäre eigentlich so gut wie gesetzt: Mit Geschäftsführer Andreas Thommen stammt einer der bekanntesten Ecopop-Aktivisten überhaupt aus dem Aargau. Eine Kandidatur sei für ihn ein Thema, aber entschieden sei noch nichts, sagt Thommen dazu.

Bei Kandidatur Parteiaustritt

Würde er antreten, hätte das eine gewisse Brisanz. Der Gemeindeammann von Effingen ist nach wie vor Mitglied der Grünen und nicht irgendeines. Für rund anderthalb Jahre teilte er sich bis Ende 2010 mit Grossrätin Gertrud Häseli das Präsidium der Kantonalpartei.

Nach der Ecopop-Abstimmung warfen die Jungen Grünen die Frage auf, ob man Thommen aus der Partei ausschliessen müsste. Zu einem formellen Antrag auf Ausschluss kam es dann allerdings nicht. Und Thommen selbst betonte, dass er trotz der Differenzen beim Thema Ecopop nicht die Absicht habe, die Grünen zu verlassen.

Sollte er zu den Nationalratswahlen antreten, dann allerdings schon. «Man kann in Sachfragen unterschiedlicher Meinung sein, aber als Mandatsträger sollte man schon die Parteilinie vertreten», sagt Thommen. Deshalb würde er bei einer Nomination den Parteiaustrittt geben. Das sei mit ein Grund, weshalb die Kandidatur für ihn noch offen ist.

Die Aargauer Abordnung im Ecopop-Vorstand ist parteipolitisch sehr heterogen zusammengesetzt. Markus Ursprung kandidierte 2012 im Bezirk Muri erfolglos für die Grünliberalen bei den Grossratswahlen. Thomas Zollinger engagiert sich in Würenlos als Mitglied der SVP in der Finanzkommission.