Eklat im Bundeshaus

Nationalrat Fricker vergleicht Schweine- mit Judentransport ++ er entschuldigt sich ++ grosse Entrüstung

Jonas Frickers Votum im Nationalrat zur Fair-Food-Initiative, 28.9.2017

Jonas Frickers Votum im Nationalrat zur Fair-Food-Initiative, 28.9.2017

Während einer Debatte zur Fairfood-Initiative vergleicht der Aargauer Grünen-Nationalrat Jonas Fricker den Transport von Schweinen mit den Massendeportationen der Juden in Konzentrationslager. Inzwischen entschuldigte er sich beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund. Doch damit ist die Sache nicht erledigt.

"Sie kennen die Bilder, ja sogar die Dokumentarfilme aus Europa, die die unsägliche Massentierhaltung belegen - Transporte in den sicheren Tod", sagte Grünen-Nationalrat Jonas Fricker in Bern. Er wollte auf die schlechten Zustände bei Tiertransporten aufmerksam machen.

"Als ich das letzte mal so eine Dokumentation von Transporten von Schweinen gesehen habe, sind mir unweigerlich die Bilder der Massendeportation nach Auschwitz aus dem Film "Schindlers Liste" hochgekommen."

Fricker fügt an: "Die Menschen, die dort deportiert wurden, hatten eine kleine Chance, zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod."

Das alles ist wörtlich nachzulesen im Sitzungsprotokoll des Nationalrats und auch im Video (siehe oben) zu verfolgen.

"Verwerflich und inakzeptabel"

Kritik und Empörung liessen nicht lange auf sich warten. „Die Deportation von Juden mit dem Transport von Schweinen zu vergleichen, ist unerhört, verwerflich und inakzeptabel", sagt Erich von Siebenthal, SVP-Nationalrat und Präsident der parlamentarischen Gruppe Schweiz - Israel, gegenüber der AZ.

"Ich verurteile diesen Vergleich aufs Schärfste. Noch schlimmer ist diese Aussage, weil Fricker sie vom Blatt ablas – er hat sie also offensichtlich geplant und vorsätzlich getätigt."

Wenigstens habe Fricker selbst bemerkt, dass er die Grenzen des Anstands überschritten habe - was seine Aussage aber nicht ungesagt mache. "Eine derart krasse Aussage lässt sich nicht einfach zurücknehmen. Fricker steht nun unter genauerer Beobachtung: Er muss den Tatbeweis erbringen, dass dies ein einmaliger Ausrutscher gewesen ist", so von Siebenthal. 

Auch Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat, ist empört: "Das ist ein handfester Skandal", sagt er gegenüber dem Blick. "Der Vergleich eines Tiertransports mit einem der grössten Verbrechen des letzten Jahrhunderts darf in unserem Parlament einfach nicht stattfinden."

Vergleich "nicht haltbar"

Fricker entschuldigte sich inzwischen beim Nationalrat. Der Vergleich sei unangemessen, er habe ihn in seiner Naivität gemacht. Laut "Blick" zeigte Fricker auch beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) Reue.

Jonas Fricker entschuldigt sich.

Jonas Fricker entschuldigt sich.

Jonathan Kreutner, Generalsekretär des SIG, findet den Vergleich des Badener Nationalrats "nicht haltbar". Gegenüber der AZ sagt er: "Nationalrat Fricker sieht das ja selber ein und hat sich sofort im Parlament und persönlich bei uns entschuldigt."

Der SIG stellt klar, dass mit Frickers Entschuldigung die Angelegenheit erledigt sei. "Wenn dieser Fehltritt nun trotz seiner Entschuldigung skandalisiert wird, bringt das niemandem etwas. Wir bleiben mit Fricker im Gespräch", teilt der Gemeindebund auf Facebook mit. 

Ob Fricker trotzdem Konsequenzen zu befürchten hat, ist noch unklar. FDP-Nationalrat Thierry Burkart, wie Fricker aus Baden, schreibt in einem Tweet, dass sich das Thema trotz Entschuldigung noch nicht  erledigt hätte.

Auch bei seinen Parteikollegen löst Frickers Vergleich Kopfschütteln aus. Jo Lang, Vizepräsident der Grünen und Ex-Nationalrat zeigt sich auf Twitter entsetzt. 

Christian Imark, SVP-Nationalrat, bezeichnet Frickers Aussage als "Sauerei". 

Der Berner FDP-Stadtrat Tom Berger findets "widerlich". 

Lea Kusano, ehemaliges Mitglied der Geschäfsleitung SP Frauen Schweiz, ist sprachlos.  

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