Gripen-Gegnerinnen wie Susanne Hochuli sind nicht gegen die Armee. Sie wollen diese mit dem vielen Flugzeuggeld stärken. Das tönt doch vernünftig?

Corina Eichenberger: Die Luftwaffe ist das Rückgrat der Armee, und wenn wir heute keine Flugzeuge beschaffen, so ist unsere Luftwaffe in zehn Jahren veraltet und die Armee wird unglaubwürdig. Wer gegen den Gripen ist, schwächt also die Armee massiv. Das steht völlig im Gegensatz zum Willen des Volkes, welches die Abschaffung der obligatorischen Wehrpflicht wuchtig abgelehnt hat. Auch die Aufstockung des Verteidigungsbudgets durch das Parlament auf 5 Milliarden Franken geht in eine völlig andere Richtung. Zudem gilt es, die Proportionen zu wahren: Der Gripen kostet uns im Unterhalt und Betrieb jährlich 100 Millionen Franken. Das ist etwas mehr als ein Promille des Bundesbudgets von 66 Milliarden Franken, was für ein reiches Land absolut verkraftbar ist.

Ist der Eindruck richtig, dass Frauen viel kritischer zur Armee und zu neuen Flugzeugen eingestellt sind?

Frauen sind sicher speziell sensibel, was die Sicherheit anbelangt. Ich mache die Erfahrung, dass viele Frauen sich für die Flieger einsetzen, weil sie realisieren, dass unsere Armee nur glaubwürdig und wirksam schützen kann, wenn sie modern ausgerüstet ist, und zwar nicht nur am Boden, sondern besonders in der Luft.

Warum gehören Sie nicht dazu und engagieren sich an vorderster Front für das neue Kampfflugzeug?

Weil ich überzeugt bin, dass es richtig ist, die 22 Gripen E jetzt zu kaufen, in Ergänzung zu den schon 20-jährigen FA/18. Ohne neue Flugzeuge schwächen wir die Armee, was einer Salamitaktik zur Abschaffung gleichkommt. Alles andere ist Vernebelungstaktik. Eine Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn leben wir bereits, allerdings wird im Fall einer Krise oder erhöhten Spannung jedes Land zuerst für sich selbst schauen. Die Schweiz ist neutral und nicht Mitglied der Nato, deshalb muss die «bewaffnete Neutralität» glaubwürdig sein. Die Verantwortung über die Sicherheit unseres Landes dürfen und wollen wir nicht an ausländische Staaten delegieren.

Sie haben als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission einen vertieften Einblick. Wie stark prägt das Ihre Haltung?

In der SiK habe ich die Beschaffung seit langem begleitet, auch in der Subkommission. Dank vertieftem Einblick in den Prozess und wegen der sehr seriösen Arbeit der Experten bin ich überzeugt, dass der Gripen E der richtige Flieger ist. Dabei geht es sowohl um die Technik mit neuestem Radar und topmodernen Lenkwaffen, aber auch um das Verhältnis Preis/Leistung. Wir kaufen einen modernen Jet, vergleichbar mit einem soliden Allradfahrzeug, das zur Schweiz passt. Wir verzichten auf jeden Luxus und beschaffen ein weiterentwickeltes Flugzeug.

Darf eine Militärdirektorin wie Susanne Hochuli öffentlich gegen ein Kerngeschäft der Armee derart Propaganda machen?

Als Militärdirektorin hat Frau Hochuli eine spezielle Rolle und Verantwortung. Ich finde ihr Engagement deshalb ungeschickt.

Verkommt die Politik nicht zum Kasperlitheater, wenn drei Aargauer Regierungsräte demonstrativ dem Ja-Komitee beitreten?

Frau Hochuli hat mit einem ersten Schritt die Diskussion medienwirksam ins Rollen gebracht, weshalb der Beitritt der drei Kollegen ins Ja-Komitee nachvollziehbar ist. Die Sache mit der Sicherheit ist zu ernst, als dass sie als Kasperlitheater bezeichnet werden darf.