Kein Schweizer Pass

Nancy Holten blitzt wieder ab: «Ich finde es sehr schade»

Erneute Schlappe für Nancy Holten

Erneute Schlappe für Nancy Holten

Nancy Holten provoziert immer wieder. Ihre Gemeinde Gipf-Oberfrick teilt aus und lehnt bereits zum zweiten Mal das Einbürgerungsgesuch ab.

Die Gipf-Oberfricker haben Nancy Holten die Einbürgerung ein zweites Mal verweigert. Sie wird den Entscheid erneut anfechten.

Die Nervosität ist Nancy Holten (42) deutlich anzumerken, als sie am Freitagabend an der Gemeindeversammlung von Gipf-Oberfrick im Gästesektor Platz nimmt. Zur «moralischen Unterstützung» bringt sie einen Kollegen mit; die Kinder sind, anders als vor einem Jahr beim ersten Anlauf zum Schweizer Pass, nicht dabei.

Sie habe seit Donnerstag praktisch nichts mehr essen können, sagt sie, nur eine Suppe, «meine Henkersmahlzeit». Ihre Angst ist weniger, dass sie auch diesmal nicht eingebürgert wird, damit muss sie rechnen. Ihre Befürchtung ist vielmehr: Dass es wieder so kommt wie vor einem Jahr, als die Voten an der emotional aufgeladenen Gmeind zum Teil unter der Gürtellinie waren, als Pro-Holten-Redner gar ausgebuht wurden.

Regierungsrat wird Holten «voraussichtlich direkt einbürgern»

Es kommt anders – auch dank Gemeindeammann Regine Leutwyler. Sie macht einleitend klar, dass sie eine solche Diskussion nicht dulden wird, dass sie eine faire und sachliche Ausmarchung erwartet und notfalls die Diskussion abbricht. Und noch eines macht sie klar: Dass es keine sachlichen Gründe gegen die Einbürgerung von Nancy Holten gibt. Sollten die Stimmberechtigten auch diesmal Nein sagen, so Leutwyler, und Holten beim Regierungsrat Beschwerde einreichen, «wird dieser sie voraussichtlich direkt einbürgern».

Die Buh-Rufe bleiben diesmal aus, die Diskussion ist sachlich – und dauert keine zehn Minuten. Die Meinungen sind längst gemacht. Ein Redner bringt auf den Punkt, was im Saal viele denken: «Soll sie doch der Regierungsrat einbürgern. Dann war es nicht unser Entscheid gewesen.» Zu tief gründen die Narben, welche die Veganerin Holten in den letzten zwei Jahren mit ihrem zum Teil militanten Einsatz für das Tierwohl und ihrem Kampf gegen Glocken aller Art im Dorf hinterlassen hat. Zu verärgert sind die Gipf-Oberfricker, dass Holten alles tut, um in den Medien abgelichtet zu werden – und das Dorf so aus Sicht der Dorfbewohner in der Schweiz inzwischen negativ konnotiert wird.

Die Diskussion ist zu Ende. «Puh», sagt Holten. «Das Schlimmste ist vorbei. Egal, wie es herauskommt.»

Keine geheime Abstimmung

Ein Rückweisungsantrag scheitert am Freitagabend ebenso wie ein Antrag auf geheime Abstimmung. Das Votum der Gipf-Oberfricker ist glasklar: Sie sagen mit 203:59 Stimmen zum zweiten Mal Nein zu Holtens Einbürgerung. Damit fällt das Verdikt sogar noch deutlicher aus als vor einem Jahr, als ihr Einbürgerungsgesuch mit 144:48 Stimmen abgelehnt wurde. Die Stimmberechtigten applaudieren, als Leutwyler das Verdikt verkündet.

Schnitt. Vor Holtens Einbürgerungsgesuch wird jenes von David Johansson, einem 28-jährigen Schweden, behandelt. Er sagt: «Die Schweizer sind viel kontaktfreudiger und offener als die Schweden.» Wortmeldungen gibt es bei seinem Gesuch keine. Johansson wird praktisch einstimmig eingebürgert. Grosser Applaus.

Die Versammlung ist zu Ende. Sie sei schon enttäuscht, sagt Nancy Holten. Natürlich habe sie mit dem Nein gerechnet. «Insgeheim hoffte ich trotzdem, dass es reicht.» Holten wird beim Regierungsrat Beschwerde gegen den Entscheid einlegen. Sie vermutet, dass er sie nun direkt einbürgert, denn es gebe keinen Grund, der gegen ihre Einbürgerung spreche. «Persönlich finde ich das schade; ich hätte das Bürgerrecht lieber von den Gipf-Oberfrickern erhalten.» Sagts, und macht sich auf den Heimweg.

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