Atomendlager

Nagra-Chef in der Kritik – eine Aussage zum Aargau lässt aufhorchen

Thomas Ernst, Vorsitzender der Geschäftsleitung Nagra

Thomas Ernst, Vorsitzender der Geschäftsleitung Nagra

Zwei Standorte im Aargau und in Zürich sind noch im Rennen um den Endlager-Standort. Nun sagt Nagra-Chef Thomas Ernst, die zwei Kantone müssten als Eigentümer ihre Verantwortung wahrnehmen. Spielte diese Überlegung bei der Vorauswahl etwa eine Rolle?

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) will an den zwei verbliebenen Atomendlager-Standorten Jura Ost (Bözberg) im Aargau und Zürich Nordost sechs bis zehn Sondierbohrungen vornehmen. Die Gesuche dafür sollen noch dieses Jahr eingereicht werden. Nun stünden entscheidende Jahre an, sagt Nagra-Geschäftsführer Thomas Ernst am Donnerstag vor den Medien.

Der Entscheid der Nagra, auf vier untersuchte mögliche Standorte zu verzichten, galt als Überraschung und zog die Kritik der betroffenen Kantone auf sich. Im Aargau argumentierte man bisher immer wieder damit, dass man mit den Atomkraftwerken schon grosse Lasten zu tragen habe und deshalb nicht auch noch das Endlager übernehmen könne.

Aargau immer noch im Endlager-Rennen – ist das fair?

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Gegenüber Tele M1 verteidigte Nagra-Chef Thomas Ernst den Entscheid. «Wir schauen dieser Kritik verhältnismässig gelassen entgegen», sagte er. «Denn wir haben sehr gute Argumente, wieso wir diese beiden Gebiete vorgeschlagen haben.» Im Vergleich zu den vier zurückgestellten Gebieten hätten sie «eindeutige sicherheitstechnische Vorteile». Ernst hält ausdrücklich fest, dass «das Primat der Sicherheit unumstösslich ist». Wirtschaftliche oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen seien keine Kriterien für eine Standortwahl.

Ernst sagte aber auch, dass die Kantone Zürich und Aargau als Eigentümer der Schweizer Atomkraftwerke – sie halten einen Drittel der Anteile – ihre Mitverantwortung wahrnehmen müssten. Darum hätten sie auch eine wichtige Verantwortung für die Entsorgung. Das lässt aufhorchen. Hat das etwa den Entscheid für die verbliebenen zwei Standorte beeinflusst? Thomas Ernst verneint. Das sei kein Grund, weshalb die Nagra die beiden Gebiete vorgeschlagen habe. Solche Argumente würden bei der Entscheidung der Nagra keinen Platz finden.

Wie Thomas Ernst weiter ausführte, ist der nächste Schritt nun eine ausgedehnte dreidimensionale seismische Untersuchung der beiden Standorte. Dies erlaube der Nagra, den Untergrund wirklich realitätsnah dreidimensional aufzunehmen und abzubilden.

Der Bundesrat soll 2017 über den Standort des Endlagers entscheiden. Als geeignet waren ursprünglich auch die Standorte Jura-Südfuss (SO/AG), Nördlich Lägern (ZH/AG), Südranden (SH) und Wellenberg (NW/OW) identifiziert worden. (pz)

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