Im Februar und März dieses Jahres war es im Mittelland ungewöhnlich kalt. Das und den nassen Sommer bekamen die Bauern zu spüren. «Für mich war es das schlechteste Jahr, seit ich Bauer bin, und das bin ich seit 22 Jahren», sagt Otto Zimmermann, Landwirt in Döttingen. Doch er will nicht jammern, wie er sagt. «Denn obwohl ich das schlechteste Jahr hinter mir habe, habe ich doch noch gute Erträge erwirtschaften können. Es gibt sicher Gebiete, die mit meinem Ertrag sehr zufrieden wären.»

Das sieht Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbandes, ähnlich. Er war erstaunt, als er erfuhr, dass für Zimmermann das schlechteste Jahr herausschaute. «Im Aargau haben wir gute klimatische Bedingungen für die Landwirtschaft. Ein schlechtes Jahr bedeutet noch keinen Totalausfall.» Man befinde sich im Vergleich mit anderen Gebieten also immer noch auf einem hohen Niveau, was die Erträge betreffe.

Grosser Pestizid-Einsatz

Durch die Nässe kam es in vielen Gebieten zur Ausbreitung von Pilzen. Die Landwirte mussten vermehrt Pestizide verteilen, so auch Zimmermann. Insgesamt verspritzte er 30 Prozent mehr als üblich. «Ich musste beim Feldgemüse – bei mir waren das Bohnen und Spinat – einen Ausfall von 10 bis 15 Prozent des langjährigen Mittels verkraften. Das lag unter anderem am Befall mit der Pflanzenkrankheit Mehltau und am Winterfrost», erklärt Zimmermann. Im Rebbau hat der Landwirt sogar noch grössere Einbussen zu verzeichnen. Er habe nur 70 bis 75 Prozent des Mittels erreicht. «Dafür war die Qualität sehr gut», tröstet sich der 53-Jährige.

Beim Getreide musste Zimmermann im Vergleich zu 2011 noch schlimmer untendurch. «Letztes Jahr war für mich das beste bisher – was das Getreide betrifft. Heuer war die Ernte 20 Prozent unter dem Schnitt.» Der Grund liege beim nasskalten Sommer. Alois Baur aus Sarmenstorf hatte hingegen Glück mit seinem Getreide: «Ich hatte eine mittlere Ernte. Die Kälte und die Nässe haben mir beim Winterweizen, Mais und Raps nicht viel ausgemacht.» Der Grund liege bei der Lage seiner Äcker. Einige befinden sich an Hanglage und andere haben leichtere Böden. «So kann das Wasser besser abfliessen und die Kultur trocknet schneller. Der Wind trug sicher auch noch zur schnelleren Trocknung bei.» So wurde möglichen Pilzen der Nährboden entzogen und Baur musste wenig bis keine Pestizide einsetzen.

Wenig Sonne, viel Arbeit

Was Landwirt Zimmermann in Döttingen heuer speziell spürte, war der Mehraufwand, den er betreiben musste. «Ich musste die mir gegebenen Zeitfenster ausnützen. So wurden die sonnigen Tage sehr lang. Insofern war es ebenfalls ein schwieriges Jahr für mich», schaut Zimmermann zurück. Er beziffert den Aufwand um 20 Prozent grösser als in anderen Jahren. Immerhin kann sich der Bauer an einer Ernte erfreuen: Die Zuckerrübenernte fiel bei ihm 2012 überdurchschnittlich gut aus.

Bauernverbands-Geschäftsführer Bucher weiss, dass vor allem die Obstbauern unter den schlechten Wetterverhältnissen gelitten haben. «Die Obsternte war durchs Band sehr schlecht. Da gab es keine Ausnahmen.» Dafür habe es wegen des vielen Regens viel Futter für die Tiere gegeben. «Die Menge war gut, dafür variierte die Qualität je nach Gebiet sehr stark.» Denn der Gehalt des Futters hänge auch stark von der Sonnenbestrahlung ab. Doch einige Bauern im Fricktal hätten in diesem Jahr viel Futter gehabt, was eher selten vorkomme, da sie eigentlich ein eher trockenes Gebiet bewirtschafteten.