Es ist Saison, Hochsaison sogar. Die Einbrecher kommen täglich – am liebsten durch die Terrassentür. Sie interessieren sich für drei Dinge: Bargeld, Schmuck und Mobiltelefone.

Die Polizei probiert alles – und kommt trotzdem meist zu spät. Um es den Einbrechern so schwer wie möglich zu machen, fokussiert sich die Aargauer Polizei zurzeit jeden Abend mit 20 zusätzlichen Polizisten nur auf die Einbruchsbekämpfung. Zwei von ihnen sind Simone Huber und René Senn. Um kurz nach 17 Uhr steigen sie vor der Einsatzzentrale Brugg in ihr Fahrzeug. Es ist Dienstagabend. Eingebrochen wird statistisch gesehen bevorzugt von Donnerstag bis Samstag. Letzte Woche kamen die Einbrecher besonders oft dienstags und mittwochs. Was die beiden Polizisten an diesem Abend tun? Ausschau halten nach Verdächtigem. 

Auf Patrouille: Kantonspolizei jagt Einbrecher

Auf Patrouille: Kantonspolizei jagt Einbrecher

Was verdächtig ist? Ein Crash-Kurs: Einbrecher sind fast immer männlich. Ihre Autos: Oft alter Volvo, Peugeot oder VW. Nummernschilder: Frankreich, oft aus dem Elsass, aber auch britische, deutsche, italienische. Das Aussehen der Einbrecher: Schwarze Kleider, Mütze, Handschuhe, Rucksack für die Beute, oft weisse Turnschuhe. – wirklich? «Ja, schliesslich müssen die Kleider unauffällig und bequem sein. Einbrecher müssen schnell wegrennen können», sagt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei.

Im Quartier

Zurück ins Polizeiauto, zu Huber und Senn. Vorbei am «Frohsinn» in Lupfig, rein ins Wohnquartier, vorbei an leuchtenden Samichläusen in den Vorgärten und Lichterketten in Hecken. Hier ist nichts verdächtig, alle Autos mit Aargauer Nummernschildern, keiner ist mit Rucksack und weissen Turnschuhen unterwegs. Um kurz nach 18 Uhr am Polizeifunk: Eine Patrouille wird zu einem Einbruch in einem Einfamilienhaus in Oftringen gerufen. Am nächsten Morgen steht im Polizeirapport, dass der Einbrecher tagsüber kam – durch die Terrassentür.

Die Polizeipatrouille verlässt das Wohnquartier, fährt weiter auf den Parkplatz hinter dem Burger King in Lupfig. Der Burger King liegt gleich bei einer Autobahneinfahrt. Der Parkplatz dahinter eignet sich gut, um schnell zu flüchten. Die Polizei kontrolliert häufig Parkplätze, weil Einbrecher nicht mit dem Auto vor das Tatobjekt fahren – viel zu auffällig. Lieber lassen sie das Auto auf einem Parkplatz stehen und gehen von dort zu Fuss in die Wohnquartiere.

Die Polizisten parkieren, steigen aus. Da steht ein Dacia mit slowakischem Kennzeichen – verdächtig. Simone Huber leuchtet mit der Taschenlampe ins Fahrzeug. Sie fragt per Funk nach, ob das Auto polizeilich registriert ist – es ist weder gemeldet noch gestohlen. Die Polizisten gehen weiter. In einer dunklen Ecke des Parkplatzes steht ein Volvo mit französischem Nummernschild – aus dem Elsass. Ein Einbrecher, der gerade auf Einbruchs-Tour ist? Vielleicht. Das Auto kann aber genauso gut einem Mitarbeiter der Alstom gehören. Polizeilich registriert ist das Fahrzeug nicht.

Verdächtiges Auto

Die Polizisten fahren zum Parkplatz des Seebli-Centers. Per Funk wird gemeldet, dass im Aarauer Goldern-Quartier eine Person mit Taschenlampe um ein Einfamilienhaus schleicht.

Der Parkplatz vor dem Einkaufscenter ist ziemlich voll. Die Polizisten sehen es sofort: Da steht ein potenzielles Einbrecherauto: Alter Audi, Elsässer Kennzeichen, im Wageninnern ist der Abfall wohl kniehoch. Auf dem Beifahrersitz liegen Milchbrötchen. Auf dem Hintersitz neben Abfall auch eine Jacke und ein Benzinkanister. Vom Besitzer keine Spur.

Die Polizisten entschliessen sich, im Einkaufscenter nachzuschauen. Gleich beim Eingang begegnen sie einem Polizisten-Kollegen. Der hat zwar frei und schiebt einen Einkaufswagen vor sich her, erzählt Senn und Huber aber sofort, dass er beim Einkaufen zwei seltsame Männer gesehen hat. Senn und Huber durchschreiten die Ladenfläche, beim Getränkeregal trennen sie sich. Nichts Verdächtiges. Die Kunden schauen den Polizisten hinterher.

Wieder draussen, schreibt Simone Huber einen kurzen Bericht über das Auto. So ist es registriert, falls es wieder einmal auffällt. Sie steigen wieder ins Auto. Es bringt nichts, in Uniform hier zu warten.

Weiter geht es in ein Wohnquartier nach Hausen. Die Polizisten parkieren ihr Auto. Es ist 18.45 Uhr. Es ist leicht zu erkennen, wo hier an der Oberen Parkstrasse jemand zu Hause ist und wo nicht. Vor einem Haus, in dem kein Licht brennt, zünden die Polizisten ihre Taschenlampe an, gehen ums Haus herum – alles in Ordnung, alle Fenster zu, niemand da. Sie stecken einen Anti-Einbruch-Flyer der Kantonspolizei in den Briefkasten. Darauf steht: «Nicht Einbrecher, sondern WIR haben festgestellt», von Hand ergänzt Simone Huber «Bewegungslichter und ein brennendes Licht im Haus sind gute Präventionsmassnahmen gegen Einbrecher.» – Ihre Polizei.

Auf der Strasse

Sonst ist im Quartier alles unverdächtig. Jemand sucht seine verschwundene Katze «Hades» mit einem Steckbrief. Eine Frau im roten Mantel eilt vorbei, ein Paar mit einem Kinderwagen, ein junger Mann in weissen Turnschuhen. Weisse Turnschuhe, junger Mann, allein? Verdächtig! Nein, unverdächtiges Verhalten, sagt Polizist René Huber. Warum? «Bauchgefühl.» Er hat recht. Denn eingebrochen wird in dieser Nacht in Hausen nicht.

Zurück auf der Hauptstrasse begegnet die Patrouille einem dunklen Audi mit Freiburge -Kennzeichen. «Der ist seltsam», sagt René Senn. «Find ich auch», sagt Simone Huber. Die Polizisten werden recht behalten. Sie wenden und verfolgen das Fahrzeug.

Als die Patrouille direkt hinter dem Audi fährt, signalisiert sie ihm anzuhalten. Der Mann tut es. Er hat keine Ausweispapiere dabei – «rien du tout». Etwas stimmt hier nicht. Der Mann muss auf den Posten. Eineinhalb Stunden später kann er den Polizeiposten wieder verlassen – ohne Auto. Er ist kein Einbrecher, aber sein Auto ist nicht eingelöst, die Nummernschilder gehören zu einem Lastwagen.

Vier Einbrüche wurden in dieser Nacht gemeldet, und zwar aus Oftringen, Sins, Wohlen und Menziken.

Die gute Nachricht: Die Meldung um kurz nach 18 Uhr, dass eine Person mit einer Taschenlampe um ein Einfamilienhaus schleicht, entpuppte sich als harmlos. Der Mann mit Taschenlampe war ein Polizist, der kontrollierte, ob alles in Ordnung ist.

Gold wert ist allerdings die aufmerksame Nachbarin, die rasch 117 wählt. Denn wer weiss, vielleicht ist es das nächste Mal kein Polizist, der ums Haus schleicht.