Weinbau
Nachtfrost hat die Hälfte der Aargauer Trauben beschädigt

Die kalten Nächte der vergangenen Woche machen den Landwirten zu schaffen. Welche Auswirkungen sie auf den diesjährigen Weinjahrgang haben, bleibt abzuwarten.

Lucius Müller
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Weinbauer Peter Wehrli aus Küttigen zeigt eine gesunde und eine durch Frost beschädigte Knospe.Lucius Müller

Weinbauer Peter Wehrli aus Küttigen zeigt eine gesunde und eine durch Frost beschädigte Knospe.Lucius Müller

Lucius Müller

Mit böigem Wind, aggressivem Regen und vereinzelten Schneeflocken verabschiedete sich der April vergangene Woche mit seiner ungemütlichen Eigenschaft. Nicht nur die Bevölkerung hatte darunter zu leiden, auch der Natur setzte der Kälteeinbruch zu. Gemüse- und Weinbauern beklagen diverse Frostschäden. «Es war selten so schlimm, besonders in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag», sagt Bäuerin Mirjam Wietlisbach aus Dottikon.

Insbesondere Erdbeerkulturen sind betroffen. Andi Distel vom Pflanzenschutz beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg sagt: «Bei gewissen Betrieben handelt es sich um einen Totalausfall.» Auch Weinbauern rechnen mit hohen Verlusten. Der Geschäftsführer vom Branchenverband Aargauer Wein, Pascal Furer, schätzt, dass 50 Prozent der Trauben beschädigt sind.

Tricks gegen den Frost

Weinbauer Peter Wehrli in Küttigen rechnet mit einem Verlust von nur knapp 20 Prozent. Dies, weil er einige Vorkehrungen getroffen hat: So liess er einen Teil der Triebe senkrecht stehen, statt sie nach unten zu binden, wo die Temperaturen kälter sind. Auch hat er jede zweite Bahn zwischen den Reben gemäht, da so die Kälte zu Boden sinken und hangabwärts fliessen kann.

Endgültig lässt sich das Übel noch nicht beziffern. «Eventuell kompensieren die überlebenden Erdbeerpflanzen die abgestorbenen Triebe zu einem Teil», erklärt Mirjam Wietlisbach. Auch Furer hat Hoffnung für die Reben: «Welche Triebe effektiv abgestorben und welche doch noch blühen, kann man noch nicht definitiv sagen.»

Landwirte können ihre Kulturen vor der Kälte schützen: mit einem Vlies – und mit Eis. Landwirtin Mirjam Wietlisbach erinnert sich an die vergangene Mittwochnacht: «Wir mussten eine Nachtschicht einlegen. Zwischen zehn und ein Uhr haben wir die Felder mit Vlies abgedeckt.» Falls dies nicht reicht, sprühen die Bauern Wasser auf die Abdeckung. «Die gefrorene Wasserschicht verstärkt die Isolation», so Wietlisbach. Auch ohne Folie kommt die Methode zur Anwendung. Gemüsebauer Daniel Morgenthaler aus Hirschthal erklärt: «Durch die sogenannte Frostberegnung bildet sich eine isolierende Eisschicht auf dem Gemüse.»

Nicht alle Landwirtschaftsbetriebe melden grosse Schäden. Während eine Bäuerin in Muhen keine Schäden festgestellt hat, klagt eine Landwirtin zwei Täler weiter in Seengen über grosse Verluste. Wie kommen diese lokalen Unterschiede zustande? Andi Distel von der Liebegg erklärt: «Aufgrund von Muldenlagen, also kalter Luft, die sich an Talsohlen ansammelt, kann es zu kleinräumigen Unterschieden kommen.» Auch die Ausrichtung von Hängen oder landschaftlichen Begebenheiten, wie beispielsweise Hecken, die vor Wind schützen, können zu weniger Frostschäden führen.

Frost sprengt Pflanzenzellen

Frostschäden entstehen, wenn das Wasser, welches sich in den Pflanzenzellen befindet, gefriert. Dann platzt die Zelle und wird dadurch zerstört. Weiter kann durch das Gefrieren des Bodens die Verbindung zwischen der Wurzel und der Pflanze getrennt werden. Der Flüssigkeitszufluss zur Pflanze bricht ab, wodurch die Pflanze unterversorgt wird.

Zudem führten die tiefen Temperaturen dazu, dass Insekten nicht verkehren und somit keine Bestäubung passiert, obwohl eine Pflanze vielleicht gerade am Blühen ist.

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