AZ Medien
Nächste Etappe im Streit um Konzession für Radio Argovia

Peter Wanner muss weiter um die Konzession für Radio Argovia ringen. Die Wettbewerbskommission (WEKO) bescheinigt den AZ Medien und der BT Holding der Verlegerfamilie Wanner in einzelnen Märkten eine marktbeherrschende Stellung.

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Die AZ Medien haben ein Rekordjahr hinter sich. Im Bild das AZ-Medienzentrum in Aarau.

Die AZ Medien haben ein Rekordjahr hinter sich. Im Bild das AZ-Medienzentrum in Aarau.

Alex Spichale

Laut WEKO beherrschen AZ Medien und BT Holding den publizistischen Printmarkt, den publizistischen Fernsehmarkt sowie den Radiowerbemarkt, wie die AZ Medien am Samstag mitteilten.

Die Marktbeherrschung betrifft drei von acht untersuchten Teilmärkten. Keine marktbeherrschende Stellung sah die WEKO beim publizistischen Radiomarkt, bei Online-Inhalten sowie bei den Werbemärkten für Online, Print und Fernsehen.

Alle Untersuchungen bezogen sich auf das UKW-Versorgungsgebiet 15 (Aargau), das vom Aargau bis nach Olten, in die solothurnische Region Gäu, ins Zürcher Limmattal und bis ins luzernische Sursee reicht.

Kein Missbrauch festgestellt
Die AZ Medien geben in diesem Gebiet unter anderem die «az Aargauer Zeitung» heraus und betreiben das Lokalfernsehen «Tele M1». An den Medienhäusern des «Oltner Tagblatt» und des «Zofinger Tagblatt» halten sie Minderheitsbeteiligungen.

Wanner hat die Konzession für Radio Argovia noch nicht verloren. Dafür müsste ein Missbrauch dieser marktbeherrschenden Stellungen vorliegen. Ob dies zutrifft, muss nun das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) prüfen. Radio Argovia muss bis zum Abschluss dieser Prüfung weiterhin mit einer provisorischen Konzession senden.

Wanner: Gutachten «methodisch fehlerhaft»

Die AZ Medien und BT Holding wehren sich gegen den Entscheid uns stellen das Gutachten der WEKO grundsätzlich in Frage. Bemängelt wird, dass die marktbeherrschende Stellung nur bei lokal-regionalen Informationen zu Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport untersucht wurde.

Verleger Peter Wanner bezeichnte das Gutachten auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda als «unwissenschaftlich und methodisch fehlerhaft». Dies auch, weil es sich auf Daten der WEMF AG für Werbemedienforschung stütze.

Die WEMF habe die lokal-regionalen Zeitungen wie «Wohler Anzeiger», «Neue Fricktaler Zeitung» oder «Botschaft» mangels kantonaler Reichweite nicht berücksichtigt. Werde auch noch die Unabhängigkeit des Oltner und des Zofinger Tagblatts in Zweifel gezogen, lasse sich ohne weiteres eine Marktbeherrschung der AZ Medien feststellen.

Man müsse akzeptieren, dass es im Radiowerbemarkt eine Marktbeherrschung gebe, sagte Wanner. Dies sei vom Regulator so gewollt, weil neben «Radio Argovia» einzig «Kanal K» - ein werbefreies Radio - eine Konzession erhielt.

Schawinski erfreut

Die Untersuchung ins Rollen gebracht hatte der Zürcher Medienunternehmer Roger Schawinski. Er unterlag mit seinem Projekt «Radio AG» bei der Konzessionsvergabe gegen Radio Argovia. Dagegen reichte er Beschwerde ein.

Das Bundesverwaltungsgericht entschied darauf, dass das Bakom die Dossiers neu beurteilen muss. Das Bundesamt musste dazu die WEKO beiziehen.

«Wie im Fall von Graubünden hat die WEKO in den zentralen Bereichen eine klar marktbeherrschende Stellung festgehalten,» teilte Roger Schawinski am Samstag mit.

Er ficht mit «Radio Südost» auch die Radiokonzession für Graubünden und Glarus gegen «Radio Grischa» der Südostschweiz Medien an. Schawinski zeigte sich zuversichtlich, dass das Bakom nun ernsthaft prüfe, die von ihr getroffenen Konzessionsentscheide zu korrigieren.

WEKO prüft Verkauf von Radio 32
Ebenfalls unter die Lupe genommen wird der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an Radio 32 in Solothurn. Nach dem Kauf von Radio 24 entschieden sich BT Holding und AZ Medien, sich von Radio 32 zu trennen.

Grund dafür war, dass laut Gesetz ein Medienunternehmen nicht mehr als zwei Fernseh- und zwei Radiostationen besitzen darf. Die Weko stellt nun in Frage, ob Radio 32 nach dem Verkauf unabhängig von den AZ Medien sei.

Zweifel gibt es, weil die Zofinger Tagblatt AG und die Dietschi AG - Herausgeberin des «Oltner Tagblatt» - ebenfalls am Sender beteiligt und mit den AZ Medien verbunden sind. Für AZ Medien und BT Holding ist hingegen klar, das Radio 32 ein unabhängiger Sender ist.

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