«Sag mir, wie du heisst, und ich sage dir, wer du bist.» Historisch gesehen trifft das Sprichwort den Nagel auf den Kopf. Nachnamen beginnen in der Schweiz des späten Mittelalters zu entstehen. Immer mehr Menschen tragen den gleichen Namen. Irgendwann wurde es zu schwierig, die vielen Annas und Hansen auseinanderzuhalten. Ab dem 12. Jahrhundert gab es deshalb zur Zuordnung einer Person, speziell für Rechtsgeschäfte, einen Beinamen (heute Nachname), der in irgendeiner Form zur Trägerin, zum Träger passte. In den meisten Orten existierte damals eine Mühle. Deren Betreiber und Arbeiter waren die Müller. Da der Beruf häufig vorkam, haben die Müller eine grosse Zahl an Herkunftsorten und dominieren zahlenmässig die Nachnamen-Landschaft der Deutschschweiz.

Die Zahl der Meiers folgt jener der Müllers auf dem Fuss. Meier kommt vom lateinischen Wort «maior», das für «grösser» steht. Das Haus oder der Hof, in dem ein Verwalter wohnte, bezeichnete man als «Meierhof». Diese und andere Erklärungen liefert das Schweizerdeutsche Wörterbuch.

Suter stammt vom lateinischen Wort «sutor» und bedeutet «Schuhmacher». Ein Widmer ist der Besitzer oder der Bewirtschafter eines Kirchengutes. Huber wurde der Bauer genannt, der eine Hube, ein Stück Land besass. Der Name Roth erinnert an einen rothaarigen Vorfahren, der Name Schifferle an einen hageren oder schmächtigen Ahnen («Schifere» = Splitter). Der Name Burri kann auf einen aufbrausenden Vorfahren zurückgehen («burre», poltern, aufbrausen, brummen) oder aber als Kurzform auf den Taufnamen Burkhard verweisen.

Namen Wynental-Surental

Wo kommt der Name vor?

Wie oft und wo kommt ein Name vor? Zur Klärung dieser Frage gibt es im Internet Angebote mit interaktiven Karten, die auf Auswertungen von Datensätzen aus dem Telefonbuch stammen. Man gibt einen Namen, beispielsweise Siegfried, ein und erfährt, dass es 371 (Familien) Siegfried gibt. Fährt man mit der Maus über die interaktive Karte, stellt man fest, dass in der Gemeinde Lenk im Simmental eine Hochburg der Familie zu sein scheint. Was man zusätzlich zur absoluten Zahl abfragen und sich darstellen lassen kann, ist ein relativer Wert. Letzterer zeigt, wie viele Müller, Meier, Huber und Schmid (oder ein beliebiger anderer Familienname) auf 1000 Einträge einer Gemeinde entfallen.

Zurück zu den Siegfrieds: Ein alteingesessenes Zofinger Bürgergeschlecht ist im Simmental stärker vertreten? Weiter hilft hier das Familienbuch der Schweiz. Dessen Einträge beginnen um 1800, als mit der Helvetischen Republik das Bürgerrecht eingeführt wurde. Detailliert zeigt das Verzeichnis seither auf, wo und wann die Siegfrieds Bürger wurden. «Ab Ende 15. Jahrhundert in Zofingen nachgewiesenes Geschlecht auch Syffride genannt», heisst es da. «Vertreter der Familie waren Handwerker, etwa Silber- und Goldschmiede, und wirkten als Zunftmeister oder Ratsherren in Zofingen.» (bkr/az)