Umfrage
Nachgefragt: So halten es die Aargauer Ammänner mit Social Distancing

Home-Office oder Präsenz vor Ort, Sitzungen mit 2-Meter-Abstand oder Skype-Konferenzen: So unterschiedlich führen Aargauer Stadt- und Gemeindeammänner durch die Coronakrise. (az)

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Ammänner Social Distancing
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Roland Kuster, Wettingen: «Es gilt, mit gutem Beispiel voranzugehen» «Die aktuellen Regeln gelten ausnahmslos auch für mich», sagt Wettingens Gemeindeammann Roland Kuster. Er achte auch in seinem Umfeld darauf, dass diese strikt eingehalten werden: «Es gilt, mit gutem Beispiel voranzugehen.» Tageweise habe er auf Home-Office umgeschaltet, doch im Moment seien viele Ad-hoc-Entscheidungen nötig, wofür das nur bedingt geeignet sei. Dabei würden natürlich die Social-Distancing-Vorgaben umgesetzt. «In noch zwingend stattfindenden Sitzungen werden grosse Sitzungsräume gewählt und die Sitzordnungen angepasst». Die Gemeinde habe sehr schnell einen internen Krisenstab eingesetzt, was auch dazu führte, dass der zusätzliche Bedarf für Home-Office frühzeitig technisch sichergestellt werden konnte. 50 Mitarbeitende können von zu Hause aus arbeiten.
Hanspeter Hilfiker, Aarau: «Thür nimmt über Video an Stadtratssitzungen teil» «Viele Angestellte der Stadtverwaltung arbeiten im Home-Office», sagt Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker. Er selber sei aber im Rathaus. Morgens um neun Uhr finde jeweils ein Treffen der kleinen Taskforce statt. «Natürlich sind wir dabei in angemessener Distanz.» Damit die Tische möglichst weit auseinanderstehen, findet die Stadtratssitzung nicht mehr im Stadtratssaal, sondern im grössten Raum, dem Rathaussaal, statt. Und Hanspeter Thür (70) wird immer über Video zugeschaltet. Die nächste Sitzung ist am kommenden Montag, danach sind Frühlingsferien. Hilfiker betont: «Die Ämter funktionieren.» Stadtbüro, Stadtpolizei, Steueramt, Zivilstandsamt und Soziale Dienste haben ihre Schalteröffnungszeiten beibehalten. Der persönliche Kundenkontakt soll aber auf ein Minimum reduziert werden. (uhg)
Daniel Mosimann, Lenzburg: «Wir wollen als Vorbild wirken» Letzte Woche tagte der Stadtrat Lenzburg noch am grösstmöglichen Tisch. Vorgestern Mittwoch fand die Sitzung bereits in Form einer Videokonferenz statt. «Wir treffen uns nicht mehr physisch», erklärt Stadtammann Daniel Mosimann. Das werde bis auf weiteres so sein, man wolle als Vorbild wirken. Der Stadtrat möchte möglichst alle Sitzungstermine wahrnehmen, damit Leute nicht auf seine Entscheide warten müssen. Vor allem Angestellte, die einer Risikogruppe angehören, arbeiten von zu Hause aus. «Wir haben den Vorteil, dass wir relativ viele Einzelbüros haben», erklärt Mosimann. Die Abteilungen sind persönlich erreichbar. Doch der Stadtrat hat die Bevölkerung aufgerufen, Behördengänge auf ein Minimum zu reduzieren. Also öfters zu telefonieren oder den Online-Service zu nutzen. (uhg)
Barbara Horlacher, Brugg: «Anwesenheit wichtig, um Ansprechperson zu sein» Bruggs Stadtammann Barbara Horlacher arbeitet bisher mehrheitlich in ihrem Stadthaus-Büro. «Das klappt gut, insbesondere weil Sitzungen mit Externen wegfallen oder über Telefon/Video stattfinden», sagt die 49-Jährige. Sie findet die Anwesenheit im Stadthaus wichtig, um die Stimmung bei den Mitarbeitenden mitzubekommen und auch als Ansprechperson da zu sein. Aktuell gibt es kaum Reputationspflichten. Dem 100-jährigen Brugger hat sie per Telefon anstatt bei einem Besuch gratuliert. Mit der Schalterschliessung sind persönliche Kundenkontakte auf das Notwendigste reduziert worden. Nach vorgängiger Vereinbarung werden Kunden primär am «sicheren» Schalter der Sozialen Dienste empfangen. Home-Office wird aktiv gefördert. Rund 40 der total 140 Stadtangestellten arbeiten derzeit im Home-Office. (cm)
Raymond Tellenbach, Bremgarten: «Stadtrat hat eine Skype-Sitzung abgehalten» Der Bremgarter Stadtammann Raymond Tellenbach ist morgens im Rathaus, nachmittags im Home-Office. Sitzungen werden abgesagt oder finden telefonisch statt. «Der Stadtrat hat am Montag eine Skype-Sitzung abgehalten, das geht auch für andere Sitzungen.» Für die Verwaltung wurde der Pandemieplan aufgefrischt. Er geht auch auf Besonderheiten, etwa die Badi, ein. Die neue Pandemiegruppe befindet über nötige Schritte. «Die Verwaltung ist geöffnet, wir bitten aber um telefonische oder elektronische Anfragen.» An den Schaltern stehen Plexiglasscheiben. «Wir haben im Rathaus den Reinigungsrhythmus angehoben und desinfizieren Bürotische, Türklinken, Handläufe, WC usw. mehrmals täglich.» Zudem wird versucht, die Arbeitsplätze weit auseinanderzustellen. «Wo machbar, bieten wir Home-Office an.» (aw)
Arsène Perroud, Wohlen: «Wichtig, dass der Betrieb aufrechterhalten wird» Der Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud arbeitet grösstenteils im Einzelbüro oder zu Hause. Notwendige Sitzungen werden per Video- oder Telefonkonferenz geführt. «In der aktuellen Krise ist wichtig, dass der Betrieb der Gemeindeverwaltung und die Politik unter Berücksichtigung der Schutzmassnahmen aufrechterhalten werden», sagt er. Die Schalter sind zu, der Verwaltungsbetrieb läuft weiter. Hygienemassnahmen wurden verstärkt. «Besonders gefährdete Mitarbeitende können ihre arbeitsvertraglichen Pflichten von zu Hause erledigen. Ist dies nicht möglich, werden sie unter Lohnfortzahlung beurlaubt.» Wo immer möglich, wird Home-Office angeboten. «Es wurden Schlüsselpersonen und -funktionen bestimmt, welche für die Aufrechterhaltung des laufenden Verwaltungsbetriebes zwingend vonnöten sind.» (aw)
Franco Mazzi, Rheinfelden: «Wir halten praktisch keine Sitzungen mehr ab» Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi hält sich an die Empfehlungen des BAG, arbeitet jedoch nach wie vor von seinem Einzelbüro im Rathaus aus. «Mein Home-Office ist jedoch eingerichtet», sagt er. Zudem hielte man praktisch keine Sitzungen mehr ab. «Dort, wo sie aus wichtigen Gründen im kleinen Kreis notwendig sind, finden sie in Sitzungszimmern statt, wo wir ausreichend Abstand halten können», so Mazzi. Aktuell befindet sich rund die Hälfte der Rathausmitarbeitenden im Home-Office. Bereits vor zwei Wochen hat die Stadt ihre verschiedenen Abteilungen und Sektionen in Teams aufgeteilt. «Dadurch kann der Betrieb auch bei einer Erkrankung eines Mitarbeiters und einer allfälligen Quarantäne von weiteren Mitarbeitern jederzeit aufrechterhalten werden», erklärt Mazzi. (dka)
Bernhard Scheuber, Bad Zurzach: «Kontaktlose Begrüssung ist selbstverständlich» Anfänglich sei die kontaktlose Begrüssung noch für viele irritierend gewesen, sagt der Bad Zurzacher Ammann Bernhard Scheuber. «Heute ist dies selbstverständlich.» Durch den Wegfall von Sitzungen habe er mit seiner Frau das schöne Wetter für Spaziergänge nutzen und das Immunsystem stärken können. In seiner Funktion als Ammann kommuniziert er jetzt vor allem via Telefon sowie Mails und arbeitet teilweise im Home-Office. Im Rathaus wurden im Kundenbereich Plexiglasscheiben aufgestellt, Handläufe und Türfallen werden mehrmals täglich desinfiziert. «Die Abteilungen wurden in Teams aufgeteilt, damit auch im Krankheitsfall die Dienstleistungen erbracht werden können.» Es sei wichtig, dass die Öffnungszeiten aufrechterhalten bleiben. «Die Bevölkerung soll nicht weiter verunsichert werden.» (sga)
Hans-Ruedi Hottiger, Olten: «Es gelten konsequent die Abstandsvorschriften» «Ich lege Wert darauf, dass ich die Abstandsvorschriften strikt einhalte und möglichst wenig physische Kontakte habe», sagt der Zofinger Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger. Die meisten Jours fixes mit den Direktunterstellten würden telefonisch erfolgen, der Stadtrat tage mittels Telefonkonferenz. «Lässt sich ein persönlicher Kontakt nicht vermeiden, findet dieser mit ausreichend Abstand statt.» Mehr und mehr arbeitet Hottiger im Home-Office. «Aktuell etwa zu einem Drittel, Tendenz steigend.» Möglichst viele Mitarbeitende arbeiten ebenfalls zu Hause. Allerdings geht das nicht für alle Funktionen: Im Seniorenzentrum, beim Werkhof oder der Repol etwa ist öfters physische Präsenz erforderlich. «Es gelten konsequent die Abstandsvorschriften, persönliche Termine gibt es nur auf Voranmeldung.» (pp)
Herbert Weiss, Laufenburg: «Pausen in gemeinsamen Räumen sind eingestellt» Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg, hat aufschiebbare Gespräche und Sitzungen abgesagt oder verschoben. Wichtige Sitzungen, etwa jene des Stadtrates, werden via Video- und Telefonkonferenz abgehalten. «So wird das Risiko eines kompletten Ausfalls der Exekutive minimiert», sagt Weiss. Zum Schutz der Mitarbeiter und der Bevölkerung hat die Stadt den Schalter – ausser bei telefonischer Voranmeldung – geschlossen. «Zudem sind die Kaffeepausen in den gemeinsamen Räumen eingestellt, weil hier die Ansteckungsgefahr relativ hoch ist», sagt Weiss. Derzeit betreibe jede grössere Abteilung HomeOffice, insbesondere Mitarbeitende, die zur Risikogruppe gehörten oder mit dem ÖV anreisten. «Es ist jedoch immer mindestens eine Person in der Verwaltung anwesend», so Weiss. (dka)

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ENNIO LEANZA

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