Ständerat
Nachfolge von Philipp Müller: Diese zwei Aargauer FDP-Nationalräte liebäugeln mit dem Ständerat

Philipp Müller wird 2019 nicht mehr für den Ständerat kandidieren. Welcher Kandidat seinen Sitz verteidigen wird, ist noch nicht bekannt. Interessiert zeigen sich die beiden FDP-Nationalräte Thierry Burkart und Matthias Jauslin.

Fabian Hägler
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Thierry Burkart und Matthias Jauslin könnten sich einen Wechsel ins Stöckli vorstellen.

Thierry Burkart und Matthias Jauslin könnten sich einen Wechsel ins Stöckli vorstellen.

Bildquellen: Emmanuel Freudiger, Chris Iseli

«Das Amt als Ständerat würde mich sehr reizen, in dieser Funktion könnte ich den Aargau in Bern noch besser vertreten», sagt Thierry Burkart (43, Baden). «Ich habe allerdings noch keine definitive Entscheidung getroffen, zuvor werde ich noch verschiedene Gespräche führen.» Er sei zwar erst drei Jahre als Nationalrat in Bern, habe sich aber schnell etabliert und sei sehr gut vernetzt. Zudem kenne er den Aargau aus seiner langen politischen Tätigkeit als Grossrat und Grossratspräsident.

Er lanciert schon fast einen Wahlslogan: «Ich trage unseren Kanton im Herzen und bin überzeugt, dass ich in Bern für den Aargau etwas bewirken könnte.» Der Rechtsanwalt hält fest, er scheue die politische Auseinandersetzung nicht, die im Nationalrat oft hart geführt werde. «Ich diskutiere aber immer mit Anstand und Respekt, von meinem politischen Stil her würde der Ständerat gut passen für mich.» Das sei ihm in Bern von mehreren Politikern bestätigt worden.

Jauslin: «Thema für mich»

«Es ist schade, dass Philipp Müller nicht mehr antritt, ich habe viel von ihm profitiert, er wird weiterhin eine wertvolle Ansprechperson bleiben», sagt Matthias Jauslin (56, Wohlen). Nach Müller wird eine Kandidatur als Ständerat für Jauslin zum Thema: «Ich werde mein Interesse dafür anmelden, doch die Nomination ist Sache der Partei.»

Jauslin betont, er habe auf sämtlichen Ebenen schon Politik gemacht. «Ich war Einwohnerrat, Gemeinderat, Grossrat, Kantonalparteipräsident und bin jetzt Nationalrat. Ich denke, ich könnte den Aargau in Bern uneigennützig vertreten.» Zudem sei er mit seinen 56 Jahren in einem guten Alter und habe reiche Lebenserfahrung, um für dieses Amt zu kandidieren.

Philipp Müller beginnt seine Karriere bei der FDP Reinach, deren Präsident er von 1996 bis 2004 ist. (Bild von 1997)
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Von 1997 bis 2003 sitzt er im Aargauer Grossen Rat.
National macht Müller erstmals 2000 von sich reden mit...
... der 18-Prozent-Initiative, mit der er eine Ausländerquote von 18 Prozent einführen will. Über 63 Prozent der Stimmenden und alle Kantone sagen Nein.
Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2003 wird Müller in den Nationalrat gewählt.
Er nimmt während seiner Zeit in der grossen Kammer Einsitz in der Staatspolitischen Kommission und der Kommission für Wirtschaft und Abgaben.
2004 wird er Geschäftsleitungsmitglied der FDP Schweiz.
Ab 2008 ist Müller Mitglied der Schweizerischen Gewerbekammer.
2012 wird er zum Parteipräsidenten der FDP Schweiz gewählt. Hier gratuliert ihm Christian Lüscher (Naionalrat GE). Müller wird 2015 von Petra Gössi als Präsident abgelöst.
2013 verursacht er mit einer brisanten Aussage Schlagzeilen: An einer FDP-Veranstaltung in Dagmersellen sagt er über einen Bankmanager «Ein Arschloch bleibt ein Arschloch».
«Ich fragte den Manager, ob er wisse, was er mit seinen in den Medien genannten Bezügen von 7,2 Millionen Franken beim Volk anrichte. Er gab mir zur Antwort, es sind nicht 7,2 Millionen, sondern 8,9 Millionen Franken. Diese Arroganz. Ein Arschloch bleibt ein Arschloch.»
Der einzige Manager mit einem bekannten Salär in dieser Höhe ist UBS-Chef Sergio Ermotti. Müller entschuldigt sich später für seine Wortwahl.
2015 wird Müller als Nachfolger von Christine Egerszegi Aargauer Ständerat. Pascale Bruderer (SP), die als Ständerätin wiedergewählt wird, gratuliert ihrem neuen Ratskollegen.
Müllers Wahl stand unter unsicheren Vorzeichen. Im September 2015 – kurz vor der Wahl – fährt er in Lenzburg eine Rollerfahrerin (17) an, die schwer verletzt wird. Er sagt daraufhin alle Wahlkampftermine ab.
Müller wird per Strafbefehl wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.
Auf die Wahl hat der Unfall letztlich keinen entscheidenden Einfluss: Müller schafft es, zusammen mit Bruderer, ins Stöckli.
Müller gilt in seiner Partei und darüber hinaus als Migrationsexperte.
Er prägt das Umsetzungskonzept der Masseneinwanderungsinitiative – den Inländervorrang light – massgeblich mit.
Weil sich die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zu Beginn mit der Idee des Inländervorrangs schwer tun, spricht Müller 2017 Klartext: «Dann soll man die RAV doch gleich abschaffen und mit privaten Arbeitsvermittlern zusammenarbeiten.»
Die letzten Vorstösse, die er eingereicht hat (Stand 5.9.18), drehen sich ebenfalls um Migration: 1. Geplante Rückführung von Eritreern. Ist es dem Bundesrat ernst mit dem Wegweisungsvollzug? 2. Griffige und wirksame Umsetzung der Stellenmeldepflicht 3. Konsequenter Vollzug von Landesverweisungen (alle 29.5.18)
Auch die Mehrwerststeuer ist Müller ein Anliegen. Er setzt sich laut seiner Website ein für die "einfachste und europaweit tiefste Mehrwertsteuer".
Am Ende staatsmännisch: Philipp Müller im Ständerat.

Philipp Müller beginnt seine Karriere bei der FDP Reinach, deren Präsident er von 1996 bis 2004 ist. (Bild von 1997)

zvg

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