Herr Twerenbold, Herr Wieser, Europas Flüsse leiden unter Hochwasser, Staus prägen die Strassensituation. Wie erleben Sie Ihren Alltag?

Karim Twerenbold: Die diesjährige Hochwasser-Situation war einmalig und übertrifft jene aus dem Jahr 2002. Damals hatten wir noch keine eigenen Schiffe. Dieses Mal waren wir mit zwei Charterschiffen und unserer Excellence Royal auf der Donau, zahlreiche Reisende mussten umgebucht werden. Unsere Mitarbeiter vom Reisebüro Mittelthurgau waren rund um die Uhr im Einsatz. Die drei letzten Reisedaten mussten wir leider absagen, doch nun läuft alles wieder normal. Mit den Staus auf den Strassen haben wir leben gelernt. Hier gilt es, die Routen und die Fahrzeiten gut zu timen, so lassen sich viele Probleme entschärfen.

Wie verläuft das aktuelle Reisejahr bisher für die Twerenbold Reisen Gruppe?

Twerenbold: Wir können zufrieden sein und sind gut gestartet. Bereits im letzten Herbst hat sich dank vielen frühzeitigen Buchungseingängen ein solides 2013 abgezeichnet.

Wie kam es zum Kauf von Vögele Reisen? Und wie lässt sich die neue Marke in Ihre Gruppe einbetten?

Pascal Wieser: Wir hatten schon seit längerem das grosse Potenzial von Flug-Rundreisen im Auge und überlegten uns einen Ausbau. Doch die Marke Twerenbold mit der Kernkompetenz bei Busreisen wollten wir nicht verwischen. So war bald klar: entweder bauen wir eine neue Marke selber auf oder übernehmen eine bestehende. Im Gespräch mit TUI Suisse zeigte sich, dass eine Übernahme von Vögele Reisen für beide Seiten sinnvoll ist. Für uns war zudem wichtig, dass der Kauf Synergien ergibt. Wir haben bereits Kunden, die affin für Rundreisen sind und können auch mit unserer Struktur im Bereich HR, Finanzen und IT Synergien nutzen. Vögel Reisen passt gut in die Twerenbold Reisen Gruppe. Wichtig für uns ist, dass jede Firma ihre klare Positionierung, Eigenständigkeit und eigene Geschäftsleitung hat und sich so optimal in ihrem Teilmarkt bewegen kann. Wir halten das Spezialistentum hoch.

Der Umsatz von Vögele Reisen ist in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen. Wieso glauben Sie an ein Revival der geführten Rundreise?

Wieser: Vögele Reisen war in den letzten Jahren auch stark im umkämpften Bereich der Badeferien tätig, hier zeichnete sich der Umsatzrückgang ab. Badeferien werden wir nur noch ergänzend, zum Beispiel im Anschluss an eine Rundreise, im Angebot haben. Wir wissen aus der Bustouristik, dass das Feld der geführten Rundreise weiterhin ein gesundes ist. Man kann dieses Feld allerdings nicht einfach so nebenher betreiben, sondern muss dies als Spezialist tun – mit eigenen Reiseleitern, grosser Verlässlichkeit und hoher Qualität. Wir sind überzeugt, dass dieser Kern von Vögele Reisen intakt ist, was auch die vielen positiven Kundenreaktionen zeigen. Der Name ist ungestützt die viertbekannteste Reisemarke der Schweiz.                
Twerenbold: Das Reisen in guter Gesellschaft, mit einer Begleitperson von uns mit dabei, die sich um das Wohl der Teilnehmer kümmert, hat uns als Gruppe stark gemacht. Auch bei Vögele hiess es stets, die haben die besten Reiseleiter. Diesen Spirit möchten wir bei Vögele wieder aufleben lassen. Vögele Reisen als Schweizer Marke passt zu einem Schweizer KMU, wie wir es sind.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl Schweizer Reisebüros halbiert, der Internet-Vertrieb wächst rasant an. Wie verfolgen Sie die Herausforderung im Vertrieb?

Wieser: Wir sind grundsätzlich ein Direktreise-Anbieter mit starker Telefonberatung und hohem Anteil Telefonverkauf, aber auch der Online-Vertrieb hat deutlich zugenommen. Wir sind für die Veränderungen gewappnet. Sogar unsere ältere Kundschaft zeigt sich überraschend offen für Internet-Buchungen. Und wer das persönliche Gespräch wünscht, wird in unserem neuen Reisebüro an der Rathausgasse in Baden oder am Hauptsitz in Rütihof kompetent beraten.

Welche Trends zeichnen sich bei den Busreisen ab?

Twerenbold: Viele unserer Kunden sind schon viel gereist. Da sind wir gefordert, auch neue Angebote aufzulegen und auf Bedürfnisse zu reagieren. Gut gelungen ist uns dies im Bereich aktiv geniessen, mit Genusswandern und Veloreisen. Die Kombination einer Busreise, mit Stadtführungen und Ausflügen mit dem Velo, hat den Nerv getroffen. Ausflüge mit dem Velo lassen sich auch gut bei Schiffsreisen einbauen.

Welches sind eigentlich die beliebtesten Busdestinationen?

Twerenbold: Seit Jahren ein Hit sind die Destinationen Italien, Deutschland, Frankreich und Kroatien; vermehrt auch das Baltikum und Osteuropa. Es lassen sich immer wieder neue Perlen finden. Weiterhin sehr wichtig für uns sind die Musikreisen und der Besuch von Konzerthäusern, welche wir mit unseren Bussen durchführen.

Wie verhält es sich mit Übersee-Reisen?

Wieser: Mit dem Reisebüro Mittelthurgau, Twerenbold Reisen oder dem Wanderspezialisten Imbach haben wir schon die ganze Welt im Angebot. Mit Vögele Reisen werden auch exotische Länder noch wichtiger, gerade im Fernen Osten ist Vögele besonders stark. Aber klar, das Stammgebiet der ganzen Gruppe bleibt dank unseren 60 Bussen und fünf Schiffen Europa.

Kuoni und Hotelplan haben Beteiligungen an Airlines und Hotels abgestossen. Sie zögern nicht, in neue Busse und Schiffe zu investieren. Wie schätzen Sie diese Risiken ein?

Twerenbold: Auch wir können uns nicht in Sicherheit wiegen, das Reisegeschäft birgt stetig neue Herausforderungen. Die Investitionen ermöglichen uns aber, uns weiterzuentwickeln und uns abzuheben. Was uns ausmacht: wir produzieren alles selber, der Kunde weiss, wer und was bei uns dahinter steckt, welche Qualität, welche Transportmittel, welche Mitarbeitenden. In diesem Bereich können wir die Kundennähe stark leben. Bei uns im Terminal in Baden-Rütihof, im Bus, auf dem Schiff, während der Rundreise – der Kunde ist immer in unseren Händen.