Kontroverse
Nach toten Wasserbüffeln: Droht Pro Natura Entzug des Verbandsbeschwerderechts?

Vier junge Wasserbüffel sind beim Pro-Natura-Projekt in Klingnau gestorben. Nun stellt SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati das Verbandbeschwerderecht von Pro Natura infrage. Die Umweltschutzorganisation übt sich in Selbstkritik.

Mathias Küng
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Eine frühere Aufnahme der Wasserbüffel im Auengebiet Machme in Klingnau. Archivbild Christoph Imseng

Eine frühere Aufnahme der Wasserbüffel im Auengebiet Machme in Klingnau. Archivbild Christoph Imseng

Archivbild Christoph Imseng

Der Tod von vier jungen Wasserbüffeln in Klingnau hat ein politisches Nachspiel. SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati reicht dazu am Dienstag im Parlament eine Interpellation ein. Ihn ärgert, so Gallati zur Aargauer Zeitung, «wenn eine Naturschutzorganisation, die andere Tierhalter belehrt und sich an Verfahren zu Natur- und Heimatschutz beteiligen kann, selbst nicht zu den Tieren schaut, die sie einsetzt». Gallati: «Es stellt sich die Frage der Glaubwürdigkeit von Pro Natura, wenn unter ihrer Schirmherrschaft so etwas passieren kann.»

In der Interpellation schreibt er, Pro Natura dürfte bei den der Landschaftspflege dienenden Tieren «die Tierpflege in erschreckendem Masse vernachlässigt haben». Besorgnis müsse erregen, «dass aufmerksame Bürgerinnen und Bürger Pro Natura noch rechtzeitig auf den schlechten Gesundheitszustand der Tiere hingewiesen haben - ohne Erfolg». Möglicherweise, so Gallati, habe sich Pro Natura sogar Gesetzesverstösse zuschulden kommen lassen, «indem sie unter anderem keinen Witterungsschutz errichtete».

Er stellt der Regierung dazu viele Fragen. Etwa, wer für die Überwachung der artgerechten Haltung zuständig sei, ob Pro Natura als Tierhalterin und ihre allfälligen Vertragspartner gleich streng beaufsichtigt werden wie Landwirte und wie der Kanton die Aufsicht wahrgenommen habe. Dann geht er einen Schritt weiter und fragt, welche Auswirkungen dies auf die künftige Stellung von Pro Natura «hinsichtlich deren Tätigkeit in kantonalen und anderen Naturschutzgebieten» und ob es Auswirkungen auf Vereinbarungen habe. Letztlich will er wissen: «Kann Pro Natura als direkte Folge dieses Falles die generelle Legitimation zur Verfahrensbeteiligung (Verbandsbeschwerde) bei Bauprojekten im Bereich des Natur- und Heimatschutzes ohne Gesetzesänderung entzogen werden?»

Jenny: Künftig bessere Kontrollen

Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny ist sich bewusst, «dass wir zu spät reagiert haben». Die Herde sei inzwischen aber «gut untergebracht». Letztlich handele es sich um eine «Verkettung unglücklicher Umstände». Der grösste Fehler sei, dass die weiblichen Tiere zum falschen Zeitpunkt gedeckt wurden. Eigentlich, so Jenny, sollten im Herbst keine Kälber zur Welt kommen.

Dazu komme eine persönliche Notsituation beim verantwortlichen Tierhalter. Die Tiere seien jetzt bei anderen Tierhaltern untergebracht. Man werde nur noch mit Tierhaltern zusammenarbeiten, die genug Unterstände haben. Rein rechtlich treffe es wohl den Tierhalter, «aber wir selbst haben wohl zu wenig gut hingeschaut», sagt Jenny. Auch auf einem Bauernhof sterbe manchmal ein Kalb. Todesfälle wolle man natürlich verhindern. So seien die Kälber nach Erkennen der Situation untersucht, entparasitiert, gegen Infekte behandelt worden. Jenny: «Wir wollen die Kontrollen künftig besser machen.» Und weiter: «Pro Natura ist sehr unglücklich über das, was vorgefallen ist. Nun scheinen aber einzelne die Tragödie dazu zu missbrauchen, alte Rechnungen zu begleichen.»

In jener besonderen Situation mit den Kälbern im November habe man selbstverständlich zugefüttert, so Jenny. Er verteidigt den Einsatz von Wasserbüffeln, um die Vegetation in Feuchtgebieten auf ökologische Weise in Schach zu halten. Sonst kämen hier schwere Maschinen zum Einsatz. Er setze lieber auf natürliche Kreisläufe. Diese Büffel eigneten sich. Es gebe sie auch in Bulgarien, Rumänien und Italien. Einen inhaltlichen Zusammenhang mit der Verbandsbeschwerdeberechtigung, die Jean-Pierre Gallati aus diesem Anlass zur Diskussion stellt, sieht Jenny nicht.
Der im kantonalen Veterinärdienst für Tierschutz zuständige Olivier Freiburghaus wartet immer noch auf einen zweiten, entscheidenden Tierarztbericht zum Zustand der Büffelherde. Daher könne er nichts Neues sagen, so Freiburghaus zur Aargauer Zeitung.

Das Pro-Natura-Projekt

Seit 2007 werden im Auengebiet Machme in Klingnau in einem Pro-Natura-Projekt Wasserbüffel zur Landschaftspflege eingesetzt. Seit Anfang November 2012 starben innerhalb einiger Wochen vier Kälber. Das erste wurde zu Tode getrampelt. Bei drei später verendeten Tieren war die Todesursache zunächst unklar. Laut veterinärpathologischem Bericht war der Nährzustand des letzten toten Kalbes «reduziert». Laut Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny war ein Mangel gewisser Stoffe und ein akutes Herz-Kreislauf-Versagen unklaren Ursprungs die Todesursache. Das Kalb hatte Parasiten und einen Infekt, gegen die es nach deren Erkennen behandelt worden sei.