Debatte um TCS-Heli

Nach tödlichem Unfall mit Kindergärtler: Kritik an Alarmzentrale hört nicht auf

Die Kritik an der Einsatzleitstelle nimmt nicht ab (Symbolbild).

Die Kritik an der Einsatzleitstelle nimmt nicht ab (Symbolbild).

Die Einsatzleitstelle kann statt der Rega zwar einen TCS-Heli im aargauischen Birrfeld aufbieten, tut dies aber nicht bedenkenlos. Auch az-Leserinnen und Leser kritiseren – und sind empört.

Dass der TCS-Rettungshelikopter im Birrfeld nicht zum tödlichen Kindergarten-Unfall vom 25. März in Windisch aufgeboten wurde, sondern die Rega aus Basel, hat eine Welle von empörten Reaktionen ausgelöst. «Man sollte die Alarmzentrale in Aarau verklagen», schrieb ein Leser auf www.aargauerzeitung.ch.

Ärzte kritisieren aber auch den TCS wegen «mangelnder Routine» und stellen infrage, dass dessen Heli inklusive «zwingendem Kinder-Notfall-Anästhesisten» bereits nach zwei Minuten vor Ort gewesen wäre. «Vorbehalte gegenüber den notfallärztlichen Ressourcen und Kompetenzen sind unangebracht», kontert TCS-Sprecher Moreno. Es flögen «ausschliesslich ausgewiesene und langjährige Fachärzte Anästhesiologie/Intensivmedizin mit».

«Mehrmals aufgeboten worden»

Die Kritik an der Alarmzentrale im Fall Windisch wird jetzt noch zusätzlich befeuert. Seit dem tragischen Lastwagen-Unfall, bei dem ein fünfjähriger Bub ums Leben kam, ist der TCS laut Volpi «mehrmals für Primäreinsätze, wo Leib und Leben in Gefahr waren», aufgeboten worden – von der Einsatzleitstelle Aarau. Der «1000 Lions TCS Heli» sei dort «technisch eingebunden». Nur so habe die TCS-Tochter Alpine Air Ambulance (AAA) vom Interverband für Rettungswesen Ende Januar 2013 überhaupt zertifiziert werden können. Diese Anerkennung ist wiederum eine Voraussetzung dafür, dass die auf ein Jahr befristete Rettungsdienst-Bewilligung durch den Kanton Aargau von Ende August 2012 verlängert werden kann.

Von Asana-Gruppe überrumpelt

Die Sanitätsnotrufzentrale ist also in der Lage, den im Aargau stationierten Heli zu disponieren. Dies bestätigt deren Leiter Thomas Kamber und räumt damit eine bisherige Unklarheit aus dem Weg. Es sei richtig, dass der TCS-Rettungshelikopter jeweils von der Einsatzleitstelle aufgeboten wurde – schon vor dem Unfall insgesamt sechsmal. Kamber äussert jedoch Bedenken gegenüber diesen Alarmierungen. Sie seien ausschliesslich aufgrund einer neuen Zusammenarbeit zwischen dem Spital Leuggern und dem TCS getätigt worden. Mitte Februar habe die Asana-Gruppe, zu der auch das Spital Menziken gehört, die Einsatzleitstelle mit der Anfrage «überrascht», den TCS-Heli ab sofort als Rückfallebene einzuplanen, falls die Ambulanzen der beiden Spitäler nicht verfügbar seien oder am Unfallort eine Luftrettung ordern würden.

Kantonsweite Einsätze im Gespräch

Asana-Direktor Alfred Zimmermann bestätigt den ausgehandelten Kooperationsvertrag mit der AAA, der allerdings noch nicht «allseits genehmigt» sei. Der Touring-Club Schweiz will aus diesem Grund die Vereinbarung nicht kommentieren.

Die Asana-Anfrage sei «zu einem ungünstigen Zeitpunkt» eingegangen, so Kamber, weil die Software der Notrufzentrale gerade ein langwieriges Update durchlaufe. «Wir haben trotzdem versucht, die Anforderungen zu erfüllen», sagt Kamber, auch wenn sie nicht seinem Wunsch nach einem einzigen Ansprechpartner bei Helikoptereinsätzen entsprächen. Es liege nicht in seiner Kompetenz, so Kamber, «Flugbewegungen zu koordinieren und die Sicherheit im Luftraum zu gewährleisten.»

Offen ist, ob der TCS-Helikopter künftig auch Einsätze für andere Rettungsdienste als Leuggern und Menziken fliegen wird. Dieses Angebot seitens AAA sei erst nachträglich zur Sprache gekommen. Und «diese Gespräche sind nicht abgeschlossen», sagt Kamber.

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