Zofingen

Nach Tod eines Häftlings: Vereinigung vermutet falsche Vorwürfe und kritisiert Behörden

Kritik nach Tod eines Häftlings in Zofinger Gefängnis

Kritik nach Tod eines Häftlings in Zofinger Gefängnis

Nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit nahm sich Urs S. im Untersuchungsgefängnis Zofingen das Leben. Der bekannte Unternehmer sah vermutlich keinen anderen Ausweg mehr. Jetzt gibt es aber Kritik am Vorgehen der Behörden.

Nachdem sich ein Häftling das Leben genommen hat, meldet sich die Kinder- und Erwachsenenschutz-Vereinigung mit Kritik. Der Tote war selbst Mitglied im Verein.

Kurz vor Weihnachten ereignete sich ein schrecklicher Vorfall im Bezirksgefängnis Zofingen: Ein 61-jähriger Häftling nahm sich das Leben. Beim Toten handelt es sich laut Recherchen von TeleM1 um den selbsternannten Wasser-Pionier Urs S. 

Der Unternehmer kam mit seinem Produkt H2O3 in die Schlagzeilen. Prominenter Werbeträger war damals die Radlegende Beat Breu.

Auch sonst suchte Urs S. die Öffentlichkeit: Auf einem Video auf Youtube berichtete er von einem Sorgerechtsstreit, in den er verwickelt sei. Erzählt, wie er von der Polizei abgeholt wurde und Hausverbot erhielt.

Gegenüber TeleM1 äussert sich nun Jasminka Brcina von der Kinder- und Erwachsenenschutz-Vereinigung, in der auch Urs S. Mitglied war: «Es handelt sich um einen sehr tragischen Fall – ein Mensch ist nicht mehr unter uns. Ich möchte, dass ganz genau untersucht wird, wie das ganze abgelaufen ist.» 

Hintergrund für diese Forderung ist die Vermutung, hinter der Verhaftung von Urs S. könnten falsche Anschuldigungen stecken. Zu dieser kam es wegen des Verdachts auf pädophile Handlungen mit seiner Tochter. Brcina vermutet einen «taktischen Vorwurf»: «Das kommt viel vor, die Fälle, die wir beobachten, spitzen sich oft zu. Ich kritisiere hier die staatliche Handhabung, die nicht mehr auf Mediation setzt.» Der Verein fordere deshalb eine lückenlose Aufklärung, insbesondere, ob der Vorwurf der Pädophilie stimme, und ob das Vorgehen der Behörden verhältnismässig war.

Ob es sich bei dem Selbstmord um eine Verzweiflungstat wegen falscher Anschuldigungen oder um ein Schuldeingeständnis handelt, ist allerdings noch völlig offen. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Frau des Toten wollte sich vor der Kamera nicht zum Trennungsstreit äussern, wandte sich aber schriftlich an TeleM1: «Es ist eine Tatsache, dass Urs S. ein Hausverbot zugestellt wurde. Bei dieser Gelegenheit beschlagnahmte die Polizei Waffen aus den ausschliesslich von ihm benutzten Räumlichkeiten und auch die dazugehörige Munition. Als Mutter möchte ich zum Schutz beider Töchter auf detaillierte Vorfälle nicht weiter eingehen.» (kob)

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